Wirtschaftswissenschaftler Horn zeigt Verständnis für Frankreichs Kritik am deutschen Exportmodell

Essen (ots) – Die Kritik von Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde am deutschen Exportmodell wird von deutschen Ökonomen unterstützt. "Die Kritik ist vollkommen gerechtfertigt. Mich wundert, dass sie nicht früher gekommen ist", sagte der wissenschaftliche Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, der in Essen erscheinenden "Neue Ruhr/ Neue Rhein Zeitung" (NRZ, Dienstagausgabe). "Deutschland hat viele Jahre einseitig auf den Export gesetzt. Und zwar auf einen Export, bei dem Deutschland in Europa mit Billiglöhnen agiert hat." Durch die reale Abwertung habe die Bundesrepublik jahrelang strukturelle Überschüsse angehäuft. "Das geht eine Zeit lang gut, aber es geht eben nicht ewig gut", kritisierte Horn. "Denn den Überschüssen stehen woanders Defizite gegenüber, und irgendwann kommen diese Länder an ihre Grenzen."

Horn sagte, es gehe nicht darum, weniger zu exportieren. "Aber Deutschland muss ein Gleichgewicht zwischen Exporten und Importen finden, denn das gibt es derzeit nicht", sagte Horn. "Wir müssen unsere Binnennachfrage stimulieren, um unsere Importe anzuregen." Horn forderte, die Bundesregierung müsse bei den staatlichen Konjunkturprogrammen "länger auf das Gaspedal drücken als andere, damit Deutschland hilft, Europa aus dem Sumpf herauszuziehen".

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