SPD Duisburg: Gegen den Abriss der Rhein-Ruhr-Halle

Sören Link MdL

Im Rahmen des SPD-Parteitages in Duisburg hat Xtranews den Duisburger Landtagsabgeordneten Sören Link, den Ratsherrn  Heiko Blumenthal  und den Ratsherrn Frank Börner zu der Thematik des Factory-Outlet-Centers und der Rhein-Ruhr-Halle interviewt. Dabei geht es um die Kosten für die Renovierung, den Ratsbeschluß für eine Ersatzhalle und die Frage, ob die 800 neuen Jobs sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen sein werden…

Xtranews: Warum hat die SPD hat ganz große Zweifel bezüglich des Abrisses der Rhein-Ruhr-Halle?

Heiko Blumenthal: Schlicht und ergreifend weil es einen Ratsbeschluss gibt, der den Abriß der Rhein-Ruhr-Halle erst dann erlaubt wenn es eine adäquate Ersatzhalle gibt. Wie die Ersatzhalle auszusehen hat in Hinsicht auf die Nutzungsmöglichkeiten insbesondere Mehrzweckcharakter, Sitzplatzanzahl und so weiter hat die Politik im Vorfeld definiert und davon ist bislang nichts umgesetzt. Die vermeintliche Ersatzhalle die nach Hamborn kommt ist eine reine Sporthalle, ohne Mehrzweckcharakter, und so pocht die SPD auf die Interessen der Menschen in Hamborn, die ein Recht haben auf die Mehrzweckhalle. Von mir aus auch in einer verkleinerten Größe aber mit einem Mehrzwecknutzungscharakter – keine reine Sporthalle.

Frank Börner: Wir haben letztes Jahr über 7000 Unterschriften gesammelt für den Erhalt der Rhein-Ruhr-Halle. Der Oberbürgermeiste sollte ein Hallenkonzept erstellen, dies ist schon vor meiner Zeit vom Rat der Stadt so entschieden worden. Das gibt es angeblich auch, aber es liegt bis heute der Öffentlichkeit nicht vor.

Xtranews: In der Beschlußvorlage für den 23. sind nochmal die Kosten für eine mögliche Sanierung der Rhein-Ruhr-Halle aufgelistet. Unseres Wissens sind diese aus dem Jahr 2001. Sie werden insgesamt mit 23 Millionen angegeben, darunter auch Kosten für den Brandschutz. Dies verwundert, weil eigentlich zu den World-Games die Halle auch in diesem Bestandteil renoviert wurde…

Blumenthal: Also, zwei Faktoren stimmen bedenklich, wenn man sich diese Vorlage anschaut. Der erste Faktor ist der Umstand,

Heiko Blumenthal

dass die jetzt mittlerweile 23 Millionen von Vorlage zu Vorlage geradezu explodiert sind. Es gibt eine erste Vorlage, die noch von ca. 8 Millionen ausgeht – diese Vorlage ist ca. zweieinhalb Jahre alt. Mittlerweile sind wir bei 23 Millionen angekommen. Der Verdacht, dass das Ganze politisch hochgerechnet wird ist schon naheliegend. Erhärtet wird diese Position eigentlich aufgrund der Tatsache, dass die Bezirksvertregung Hamborn in einer der letzten Sitzungen in der alten Legislaturperiode die Verwaltung beauftragt hat einen externen Gutachter durch diese Halle zu schicken. Dieser sollte nochmal auf Brandschutz, aktuelle Sicherheitsbedingungen prüfen und ermitteln wie hoch die realen Kosten sind. Diesem Beschluß ist die Verwaltung bislang nicht nachgekommen und will dem auch nicht nachkommen. Das fadenscheinige Argument: Es sei eine Halle mit überregionalem Charakter, deswegen liege dies nicht in der Beschlußkompetenz einer Bezirksvertretung – wobei die Halle durch den Bezirk vermarktet wird – und insofern kann man sich durchaus fragen, warum man Angst hat einen externen Gutachter nochmal über diese Halle drüberschauen zu lassen. Letzter Punkt: Es sind immense Kosten für die technische Ausstattung vorgesehen…

Xtranews: 13 Millionen.

Blumenthal: Wer heute sich ein bißchen im Showgeschäft auskennt und sieht wie Hallen vermarktet werden der weiß, dass eine große Produktion Technik mitbringt. Erforderlich ist im Grunde genommen eine funktionsfähige Hülse, wenn man so will, und die benötigte Ausstattung – Beleuchtung, Technik, Beschallung – bringen die einzelnen Unternehmen beziehungsweise die Fernsehanstalten selbst mit. Insofern kann man sich auch darüber unterhalten ob diese Ausstattung in dieser Größenordung nicht einfach sehr opulent ist.

Börner: 2001 wurde untersucht, was denn eine Sanierung kosten würde und auf diese 23 Millionen Euro beruft sich auch Enzweiler immer gerne. Zwischenzeitlich gab es aber die Worldgames und da wurde der Brandschutz komplett neu gemacht, aber nach außen wird mit diesen Zahlen immer suggeriert als würde überhaupt kein Brandschutz stattfinden. Auch bei den Kosten für die technische Ausrüstung: Wenn ich heute eine Halle brauche, dann muss ich da keine Technik einbauen, die im Zweifelsfalle ein Thomas Gottschalk braucht denn das ZDF kommt mit eigener Technik. Im Grunde brauchen wir eine Halle mit Beleuchtung und soviel Technik, dass man ein kleines Konzert oder eine Schulaufführung damit durchführen kann.

Xtranews: Zumal die Rhein-Ruhr-Halle wohl als einzige Halle Deutschlands ein Rolltor besitzt, durch das die Technik direkt in die Halle gefahren werden kann…

Blumenthal: Richtig, das Rolltor das wir da haben ist im Grunde genommen sogar ein Vorteil dieser relativ alten Halle im Vergleich zur neuen Mercatorhalle. Diese hat aufgrund ihrer Lage in der ersten Etage diese Möglichkeiten der Anlieferung überhaupt nicht.

Xtranews: 800 neue Jobs – die soll das neue Factory-Outlet-Center bringen. Jedenfalls sind das die Zahlen, die überall zu vernehmen sind. Rein spekulativ: Was werden das für neue Jobs sein?

Frank Börner

Börner: Es geistert da immer die Zahl von 800 Arbeitsplätzen durch die Medien. Da sollen 80 Shops hin in der ersten und zweiten Ausbaustufe. Wie will man 800 Leute damit beschäftigen? Und das werden 400-Euro-Kräfte sein. Da wird nichts für die Sozialversicherung getan, da werden keine Existenzen aufgebaut, das sind einfach Nebenjobs.

Blumenthal: Also gemessen an den Erfahrungswerten, die wir bei großen Einkaufszentren wie z.B. dem Centro gemacht haben, liegt der Verdacht nahe dass es auch im FOC sich nicht nur um fertig ausgebildete Vollzeit-Stellen handeln wird. Sondern dass vielleicht der ein oder andere Aushilfsjob – 400 Euro-Job – sich auch dort finden wird. Möglicherweise auch vermehrt.

Xtranews: Sehen Sie das genauso, Herr Link?

Sören Link: Es werden mit Sicherheit nicht 800 Vollzeitkräfte sondern erheblich weniger. Die Masse der Leute wird dort wohl, so zumindest die Vermutung, nichtsozialversicherungspflichtige Jobs bekommen – die sogenannten 400-Euro-Jobs. Das ist ein Punkt den wir als SPD nicht gutheißen können.

Xtranews: Existiert denn eine Studie, die erforscht hat wie das Käuferverhalten sich ändern würde wenn das FOC gebaut wird – besonders mit Hinsicht auf die Innenstadt? Würde da der aktuelle Käuferfluß nicht nach Marxloh abgezogen werden?

Blumenthal: Ist mir persönlich nicht bekannt. Es gibt ein dem Planungsausschuss vorgelegtes Einzelhandelskonzept, das hier erste Aussagen in Bezug auf die Bezirke treffen soll. Das ist aber bis zu diesem Zeitpunkt [des Interviews] noch nicht beratungsfähig gewesen, ob da Aussagen zu getroffen wurden wird sich zeigen – es ist allerdings auch da verwunderlich dass das Konzept nach eigenen Angaben auf Oktober 2009 datiert ist, jetzt
wird es erst der Politik vorgelegt. Es lässt sich natürlich schon fragen warum man das ein halbes Jahr verschleppt hat.

Xtranews: Gerade die Bezirke Hamborn und Marxloh stabilisieren sich gerade wieder was den Einzelhandel anbelangt. Würde das FOC nicht die eine Konkurrenz für den Einzelhandel vor Ort darstellen.

Blumenthal: Es ist schwer zu sagen wie sich das Käuferverhalten für die jetzige Infrastruktur auswirkt. Das, was wir im Augenblick vorfinden ist natürlich ein Sortiment, das sich im Brautmodenfachbereich in Marxloh bewegt. Ob das eine direkte Konkurrenz für ein FOC sein wird, weiß ich nicht. Das glaub ich persönlich auch nicht. Ich glaube persönlich auch nicht, dass es eine Konkurrenz zu Billigdiscountern wie KIK, wie Zeeman existieren wird. Wer es merken wird, da bin ich ganz sicher, sind die kleinen Textileinzelhändler, die im Augenblick noch in Neumühl, in Hamborn und Marxloh vorhanden sind. Das sind sicherlich weniger, aber die werden die direkte Konkurrenz spüren. Wovon ich fest überzeugt bin: Die Innenstadt wird diese sicherlich spüren. Wer hochpreisige Angebot in der Innenstadt sucht, wird überlegen ob er zum FOC in den Norden fährt oder zu normalen Preisen in der Innnenstadt einkaufen wird. Insofern sind die Bedenken der IHK was die Innnenstadt betrifft deutlich stärker und begründeter als eine direkte Konkurrenz zu Geschäften dieser Art im Duisburger Norden.

Börner: Wir sind grade in der Situation, dass sich die Innenstadt ein wenig belebt. Das findet zwar meint nur zwischen CityPalais und Forum statt, aber wenn man am Wochenende ins Forum geht dann sieht man schon eine Menge Leute. Jetzt kommt ja noch die neue Königsgaleria dazu, damit könnte man die ganze Königsstrasse beleben. Nur das ganze ist erst 1 1/2 Jahre alt, das ist noch nicht gefestigt. Und jetzt bauen die daneben ein zweites Hauptzentrum auf. Vielleicht in fünf oder zehn Jahren wenn sie die Innenstadt mal gefestigt hat, dann kann man mal darüber nachdenken, aber jetzt ist das einfach zu früh.

Xtranews: Es gibt die Aussage, dass mit dem FOC auch die Stadtteile belebt werden würden. Eine Argumentation, die damals schon beim Bau von IKEA geführt wurde: Wer dort einkaufe, würde ja noch einen Kaffe trinken oder ein Eis essen gehen…

Blumenthal: Ich sehe diesen Zusammenhang nicht. Es mag Leute geben, die dort hinfahren und auch noch die Stadt drumrum erkunden. Ich war zum Beispiel schon mal in Roermond, ich bin nicht in die Roermonder Innenstadt gegangen weil ich bewußt dorthin gefahren bin um ins FOC zu gehen – also denke ich geht es zukünftigen Kunden wohl auch so. Ich sehe da keine größeren Mitnahmeeffekte für den Duisburger Norden. Ich glaube im Gegenteil dass die Menschen, die im Duisburger Norden wohnen, die sich jetzt jeden Tag nach Duisburg-Süd oder nach Düsseldorf zur Arbeit hin und zurückquälen – durch einen täglichen Stau – dass diese durch den zu erwartenden Verkehrsstrom erheblich mehrbelastet werden. Und wenn man wirklich von einer Million Fahrzeuge zusätzlich redet, dann stelle man sich bitte einmal morgens um 8:00 Uhr an die A 59, dann weiß man dass das überhaupt nicht in den jetzigen Kapazitäten zu machen ist.

XN: Alle mit denen wir geredet haben sind gegen das Factory Outlet Center. Wer ist denn überhaupt dafür?

Börner: Es gibt auch nur einen großen Befürworter für das FOC, der nicht einmal ein Einzelhandelsexperte ist, dass ist der Ratsherr Rainer Enzweiler (CDU).

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