Rhein-Ruhr-Halle: Cui bono FOC? Teil I

Ob Michael Jackson im Jahr 1995 gewußt hat, dass er irgendwie schon einen Geburtstagstribut an die Rhein-Ruhr-Halle entrichtete als er die Premiere seines „Earth Songs“ im Rahmen von „Wetten Dass“ in Duisburg stattfinden ließ? Vermutlich nicht. Dennoch ist der Auftritt nur einer von zahlreichen Höhepunkten, die im Duisburger Norden stattfanden.

Zuerst einmal aber: Fakten. Eröffnet am 31.10.1975. Transportable Bühne. Höhenverstellbar von 0,85 m – 1,50 m und die Belastbarkeit 500 kg/m². Ausfahrbare Tribüne. 4.362 Personen kann die Halle maximal fassen. 300 Teilnehmer finden noch in den Tagungsräumen der angeschlossenen Gastronomie Platz, wenn man nicht die komplette Halle mieten möchte. Und die Größe? 8.400 m². Dies sind die Fakten, die man sich merken sollte. Schließlich ist ja nicht gesagt dass die Halle noch lange bestehen bleibt. Und ein absolutes Alleinstellungsmerkmal der Halle: Bühnenelemente und Technik können durch das „Elefantentor“ direkt in die Halle gefahren werden.

Kritik an der Halle? Gabs schon immer. So zum Beispiel als 2005 bekannt wurde, dass Duisburg und Düsseldorf die World-Games 2013 gemeinsam ausrichten wollen. „Mit der Rhein-Ruhr-Halle hatten wir einen Ort dabei, der nicht gerade modernsten Ansprüchen genügte”, sieht Sauerland aber noch Alternativen innerhalb Duisburger Grenzen. Dabei war die Halle doch im Jahr zuvor renoviert worden – Uwe Heider, damaliger Bezirksbürgermeister Hamborns sprach gegenüber der WAZ von „einem vermarktbaren Zustand der Halle.“ Neben den Arbeiten zum Brandschutz wurden bauliche Verbesserungen und auch die Kühl- und Heizungsanlage erneuert, bzw. überarbeitet. 2004.

Jedes Jahr zu Gast in der Halle: Die Sportschau. Nein, nicht das was man jahrelang im ZDF verfolgte, auch wenn das ZDF schon mit „Wetten Dass…“ Gast in der Halle war, zuletzt 2009 mit „Willkommen bei Carmen Nebel“. Mit dem Fernsehen hat die Sportschau nichts zu tun – außer dem Prinzip der Show. Nicht, dass man jetzt durcheinanderkommt: Eine Schau und eine Show sind zwei verschiedene Dinge. Bei der traditionellen Duisburger Sportschau aber kommt durchaus beides zusammen: Glamour und Leistung. Der Stadtsportbund präsentiert hier was Duisburg sportlich im Angebot hat – 2,5 Stunden Non-Stop-Sport. Die 32. Veranstaltung findet im Herbst in der Rhein-Ruhr-Halle statt. Tradition.

Nicht das einzige Jubliäum: Der Lions Club feierte auch in der Rhein-Ruhr-Halle. Sein 25. Das war 2007 und da waren die Höhner zu Gast in Duisburg. Ein Hauch von Köln. Michael Jackson kam dann 1995. Daneben aber auch andere wie Paul Panzer. Oder Daisy Lang – eine Lady, die Hart im Nehmen war als es darum ging, den Titel im Bantam-Gewicht – natürlich, Boxen – zu verteidigen. Ein Höhepunkt. 2000.

„Duisburg wird allen Beteiligten sicher noch lange als hervorragender Gastgeber in Erinnerung bleiben. Die Halle ist einfach perfekt.“ Sagte nicht Irgendjemand, nein, das meinte Phillip Zeller. Ein Mann, der es als Olympia-Hockeysieger wissen muss wovon er spricht. Die Hockey-EM – Januar 2009. Ebenfalls ein Sport, der mit der Halle zu tun hat: Der Fußball-Stadtpokal. Seit 1987 in der Rhein-Ruhr-Halle. Auch hier Tradition. Die Ruhr-Olympiade kann diese nicht aufweisen aber: Sie war eines der Highlights 2009 – pikanterweise nachdem Essen damals absagte.

Alternativen sah damals OB Sauerland zur Rhein-Ruhr-Halle mit dem „Elefantentor“ für die LKWs. Man wird sie suchen müssen in der Zukunft. Präferiert wird eine Aufrüstung der Clauberg-Halle. Dort müsste man genau das tun, was man 2004 in der Rhein-Ruhr-Halle tat: Den Brandschutz auf den neuesten Stand bringen. Nichts leichter als das. Oder?

Nun soll die Rhein-Ruhr-Halle abgerissen und ein Factory Outlet Center (FOC) gebaut werden, da angeblich die Kosten für eine Sanierung viel zu hoch seien (Drucksache-Nr 10-0217, Drucksache-Nr 10-0218 und Drucksache-Nr 10-0255).
Die Stadt setzt für die Sanierung der Rhein-Ruhr-Halle einen Betrag von 23,5 Millionen Euro an, der sich wie aus folgenden Einzelposten zusammen setzt:

6,5 Millionen Euro für Brandschutz und Sicherheitstechnik, 13 Millionen für die technische Modernisierung, die technische Aufwertung (was immer das auch sein mag), soll der Stadt 2,5 Millionen und für die energetische Sanierung der Außenfassade noch einmal 2 Millionen Euro.

Auf den ersten Blick scheinen die Zahlen ja einigermassen plausibel, doch beim zweiten Blick kommen Zweifel, ob es sich hier nicht um rein politische Zahlen handelt. Interessant ist auf jeden Fall, dass diese Berechnungen, aus einer Ratsvorlage aus dem Jahr 2001 stammen, also schon neun Jahre alt sind.

In einem Gespräch mit dem Ratsherrn Frank Börner (ganzes Interview in der nächsten Folge), hat er uns dargelegt, dass zum Beispiel die Summe von 6,5 Millionen Euro für den Brandschutz viel zu hoch angesetzt wurde, da im Zuge der WorldGames 2005 der Brandschutz komplett saniert wurde. Dies ist natürlich auch hinsichtlich der Tatsache interessant, dass der vehemente Befürworter des FOC, der Rechtsanwalt und Notar Ratsherr Rainer Enzweiler, den Vorsitz des Beirates der World Games 2005 GmbH inne hatte.

Der zweite interessante Posten auf der Sanierungsliste sind die 13 Millionen für die technische Modernisierung, denn so fragt sich Frank Börner: „Ich möchte mal wissen, was die mit 13 Millionen an Technik da rein stellen wollen?“ und gibt uns direkt die Antwort: „Bisher hat mir das auch niemand erklären können“. 13 Millionen an Technik, da kann man mit dem ZDF direkt konkurrieren. Aber nein, wenn das ZDF kommt, bringen die ihre eigene Technik mit, welche direkt mit dem LKW durch das Elefantentor in die Halle gefahren werden kann. Ach, bleiben wir doch mal eben beim ZDF. Im Jahre 2009 gab es in der Halle die Live-Übertragung mit Carmen Nebel. Sie fragen sich jetzt bestimmt, wie kann das ZDF so verantwortungslos sein und Carmen Nebel in einer Halle auftreten lassen, die, laut Beschlussvorlage für den Rat der Stadt, doch keinen ausreichenden und auf dem neusten Stand befindlichen Brandschutz besitzt?!

Also halten wir an diesem Punkt schon einmal fest: Der Brandschutz ist OK und 13 Millionen Euro für Technik ist grundlos überzogen. Die 2,5 Millionen für die ernergetische Sanierung kann man dann ganz getrost aus dem Konjunkturpaket II bezahlen, wird ja wohl noch was von den 60 Millionen übrig sein.

Neben den völlig überzogenen und von Enzweiler immer wieder aufs Neue ins Feld geführten Sanierungskosten würde ein Abriss zu diesem Zeitpunkt einen zwei Jahre älteren Ratsbeschluss wiedersprechen, da kein adäquater Ersatz also eine neue Veranstaltungshalle gebaut wurde. Frank Börner führt das weiter aus: „Für die sportlichen Veranstaltung haben wir weithin Ersatz durch die neue Sporthalle am Hamborner Hallenbad. Für die Veranstaltungshalle gibt es bisher keine Alternative.“

Wir erinnern uns: Die Aussage des Oberbürgermeisters 2005 war, dass man genügend Ausweichmöglichkeiten in Duisburg hätte. Wir wissen jetzt, dass diese Aussage bezogen auf sportliche Events durchaus stimmt. Doch für die Messen, Kongresse und Betriebsversammlungen findet sich momentan keine Ausweichmöglichkeit. Dies zum Einen.
Dass Rainer Enzweiler seit Jahr und Tag für den Abriß der Halle und für ein Factory-Outlet-Center a la Roermond eintritt ist kein Geheimnis. Allerdings lässt sich fragen, warum momentan das FOC so vehement durch alle politischen Instanzen Duisburgs gepeitscht wird. Wir von Xtranews haben uns mit dem Thema FOC eingehend beschäftigt, haben Interviews geführt und die Meinungen von unterschiedlichen Personen eingeholt (unter anderem mit dem Ratsherrn Frank Börner, dem Landtagsabgeordneten Sören Link, dem Referenten im Landtag Heiko Blumenthal, mit Axel Funke von MultiDevelopment Deutschland, dem Karstadt Geschäftsführer Klaus-Peter Kundoerfer). Damit wir dann vielleicht am Ende der Reihe eine Antwort auf die Frage haben, die sich zu Recht stellen lässt: „Cui bono?“

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