Exklusiv: Nicole Rensmanns „Angel – die Zombiebraut“

Xtranews veröffentlicht exklusiv den Prolog und das 1. Kapitel des Romans „Angel – die Zombiebraut“ von Nicole Rensmann. Die Autorin lebt in Remscheid. Sie weist zahlreiche Publikationen im Bereich der Erwachsenen– und Kinderliteratur vor. Ihr  Roman »Anam Cara – Seelenfreund« wurde 2004 mehrfach ausgezeichnet.  Außerdem arbeitet sie als Journalistin für verschiedene Internet-Portale und die Print-Magazine »Aus dem Antiquariat« und »phantastisch!«,  bei dem sie auch den redaktionellen Bereich für Interviews betreut. Ihre Begeisterung zum Wort setzt sie auch experimentell ein. So schreibt sie die erste interaktive, englische Story auf dem Medium Twitter und initiierte dort auch  den ersten Mitmachroman. Die Autorin hat natürlich auch ein Blog.

Wie es zur Zusammenarbeit mit Xtranews kam und was es mit dem Roman auf sich hat, verrät die Autorin selbst:

Es begann mit einem Schwätzchen auf Twitter, dem eine spontane Anfrage und das Versprechen für eine Zombiegeschichte folgten. Doch aus der ersten Idee entstand eine zweite. Die Protagonisten drängten sich mehr und mehr in den Vordergrund und verlangten die Hauptrolle in einem Roman. Und wer kann einer hübschen Zombiedame schon widerstehen?Wann dieser Roman erscheint, weiß ich nicht. Ich kann nicht einmal versprechen, dass der Roman bei einem Verlag veröffentlicht wird, denn das Exposé wird erst in den nächsten Tagen versandt. Und so gibt es nun nicht mehr als den Prolog und das erste Kapitel der thrilligen Horrorkomödie – das Appetithäppchen mit noch ungewissem Ausgang. Aber auf jeden Fall exklusiv bei xtranews.de, denn versprochen bleibt versprochen!

Xtranews veröffentlicht zuerst den Prolog und stellt dann in der nächsten Woche das 1. Kapitel online. Wir bedanken uns bei Nicole Rensmann für die Zusammenarbeit und wünschen jetzt viel Spaß beim Lesen.

PROLOG

Der Tote trank seinen Kaffee nur aus Gewohnheit mit Milch und Zucker. Seit seine Zunge dem Verwesungsprozess zum Opfer gefallen war, schmeckte er nichts mehr. Er war als junger Mann an einem Gehirntumor gestorben und hatte weder Berühmtheit erlangt, noch trauernde Familienmitglieder hinterlassen. Ein Einzelgänger. Auch als Untoter sollte er sich nicht lange umtreiben, doch für diesen Augenblick erhielt er als Prototyp der neuen Generation einen Sonderstatus, den niemand anderer nach ihm erhalten würde. Professor Brick lächelte nicht – sein Lachen war vor vielen Jahren gestorben – doch er blickte mit Stolz auf sein erschaffenes Werk, das als Beweis für ein Leben nach dem Tod stand. Wenn auch zu spät. Begonnen hatte die Experimentreihe vor mehr als dreißig Jahren, am 28. September 2010, planlos und unerwartet.

Ein lauer Wind liebkoste die Früchte der Obstbäume und trocknete Amelie den Schweiß von der Stirn. Franko Brick stützte seine Frau, ging mit ihr in die Knie, wenn eine Wehe sie niederzwang und atmete, als müsse er das Baby zur Welt bringen. Zwei Stunden liefen sie nun schon durch die Parkanlage, die Wehen gewannen an Intensität, doch die Abstände blieben bei fünfzehn Minuten. Die Hebamme hatte ihnen geraten, spazieren zu gehen, jedoch unbedingt ins Krankenhaus zurückzukehren, sobald die Wehen alle zehn Minuten kamen. Franko und Amelie wählten vorzeitig den Rückweg, zu lange hielt dieser Rhythmus schon an, und ihre Unsicherheit wuchs. »Unsere Tochter scheint ihre warme Behausung noch nicht verlassen zu wollen.« Franko streichelte zärtlich über den Bauch seiner Frau. Sein Handy klingelte und er zuckte zusammen. »Ich dachte, das hätte ich ausgestellt. Entschuldige, mein Schatz.«
»Geh ruhig ran, ich werde wohl kaum in diesem Moment hernieder kommen.« Sie lachte. Er liebte ihr Lachen. Franko nahm das Telefonat an, ein Zwischenfall im genetischen Labor, auf den er sich jetzt nicht konzentrieren wollte. Er beobachtete seine Frau, die voraus auf den Eingang des Krankenhauses zuging, stoppte, sich vorn überbeugte und auch diese Wehe wegatmete. Wie viel Schmerz eine werdende Mutter auszuhalten in der Lage war!

»Ich bekomme heute ein Kind, eine größere Schöpfung gibt es nicht. Der Rest muss warten.« Als er das Handy in die Hosentasche schieben wollte, rutschte es ihm aus der zitternden Hand. Franko lächelte über seine Nervosität. Er wurde zum ersten Mal Vater! Eine Woge der Vorfreude überrollte ihn und er genoss das Kribbeln in seinem Bauch und das zu schnelle Klopfen seines Herzens. Amelie hatte die Vorhalle, die er durch die große Fensterfront einsehen konnte, erreicht. Sie stützte sich auf die Ledercouch, auf der sie vor fünf Stunden gesessen und auf die Hebamme gewartet hatten. Daneben stand ein Arzt, der sich mit einer Krankenschwester unterhielt. Eine ältere Dame grüßte jemanden, den Franko von seiner Position aus nicht sah und nickte dann der Putzfrau zu, die den Mülleimer an der Tür ausleerte. Zwei kleine Kinder liefen lachend auf die sich öffnenden Schiebetüren zu, ihr Vater folgte ihnen. Amelie sah sich nach Franko um, zeigte auf ihren Bauch und winkte.

Franko warf ihr eine Kusshand zu und bückte sich nach dem Handy. Es vibrierte tonlos. Keine SMS, kein Anruf. Der Boden bebte. Eine stürmische Böe riss an seinen Haaren. Es roch nach verbranntem Gummi. Dann ein Dröhnen, Kreischen und Quietschen. Glas splitterte. Schreie.

Nein!

Franko richtete sich auf. Dort wo vor wenigen Sekunden noch Amelie gestanden hatte, blickte er nun auf die Rückfront eines LKWs. Die Bremslichter leuchteten. Menschen riefen durcheinander und liefen auf die Unfallstelle zu. Jemand rempelte ihn an. Ein anderer riss ihn beinahe zu Boden. Niemand achtete auf ihn. Frankos Handy fiel ihm erneut aus der Hand. Es zerschellte auf dem Asphalt. Franko hörte es nicht. Er bewegte sich, glaubte aber keinen Schritt voran zu kommen, bis er – als sei er in der Zeit vorwärts gesprungen – in die toten Augen des Lkw-Fahrers sah. Der Mann saß auf dem Sitz, angeschnallt, blutete aus einer Kopfwunde, er trug eine silberne Kette, ein rotes T-Shirt, blaue Jeans. Erbrochenes klebte an seinem Kinn.

Franko schob sich an einer Krankenschwester vorbei, Glas knirschte unter seinen Schuhen. Die Decke der Empfangshalle war zu einem Viertel eingestürzt. Vom Gang stürmten Helfer, Ärzte. Sie trugen Koffer, schoben Tragen. Die Sirenen der Feuerwehr hörte Franko weit entfernt, doch das blinkende Licht blendete seine Augen. Atmete er noch?
Er drehte sich im Kreis.

Amelie?

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