Käßmann – ein persönlicher Aufreger

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Image by Presse.Nordelbien via Flickr

Landesbischöfin Frau Dr. Käßmann, wir erinnern uns, ist gestern von ihren Ämtern zurückgetreten. Nachdem sie bei einer Trunkenheitsfahrt aufgefallen war.

Was lese ich seit dem? 

Respektbekundungen auf Facebook, Pressemitteilungen des Bedauerns, Ausdruck der Ansicht sie hätte nicht zurück treten müssen, sie sei eine tolle Frau, die der evangelischen Kirche in Deutschland viel gegeben hätte.

Ja. Das mag ja alles sein und da mir die evangelische Kirche dort vorbeigeht, wo es die katholische Kirche ebenso vollführt, kann ich das nicht beurteilen. Vermutlich war sie eine tolle Frau. Vermutlich hat sie viel für die Kirche getan. Vermutlich ist sie noch immer eine tolle Frau und vermutlich könnte sie noch immer viel für die Kirche bewegen und vermutlich wäre ihr Wort jetzt tatsächlich angreifbarer gewesen.

Aber, liebe Leserinnen und Leser:

Darf ich Euch daran erinnern, dass Frau Dr. K. mit mehr als 1,5 Promille Blutalkohol gemessen wurde? Da zwischen Messung und Abfahrt Zeit gelegen hat, war der Startwert vermutlich noch höher.

Und darf ich Euch daran erinnern, dass man sich das nicht zufällig bei „ein oder zwei Glas Wein“ antrinkt? Das es sich bei einer 75kg schweren Frau eher um eine komplette Flasche Rotwein gehandelt haben dürfte?

Und wie sicher fühlt man sich nach dieser Menge Alkohol? Jemand der selten trinkt hat vermutlich schon nach 2 Gläsern Wein das sichere Empfinden nicht mehr fahren zu sollen – bei jemandem der Alkohol gewohnt ist, kann dieses Empfinden erst viel später einsetzen.

Wie kann irgendjemand der bei Verstand ist hoffen, eine Frau wie Käßmann könne oder solle im Amt bleiben, nachdem sie sich gemeingefährlich verhalten hat? Will mir jemand erklären, jemand der nicht Alkohol-krank ist (und das setze ich jetzt mal voraus) würde nicht merken, dass sie 1, 5 Promille im Blut hat? Wenn man nicht mehr laufen kann soll man fahren oder was?

Frau Käßmann hat leichtfertig nicht nur ihre, sondern auch die Gesundheit vieler anderer Menschen aufs Spiel gesetzt. Und es ist völlig egal, wie reumütig sie  sich zeigt: das war kein „Versehen“. Und damit ist diese Frau bis auf weiteres in keinem öffentlichen Amt mehr tragfähig.

(Edit: Es hat sich ein Fehler eingeschlichen, der den Eindruck erwecken könnte, die messbare Blutalkoholmenge sei von einer Gewöhnung abhängig. Das stimmt natürlich nicht, ich habe versucht zu verdeutlichen, was ich sagen wollte – MS)

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2 thoughts on “Käßmann – ein persönlicher Aufreger

  1. Hallo,

    es liegt mir auf der Seele hier was zu zu schreiben. Ich war sehr froh als Frau Käßmann den Vorsitz der EKD übernahm, sie hat das gewisse Etwas, was Menschen vielleicht zur Kirche zurück gebracht hat.

    Ich bin trockene Alkoholikerin und ich sage hier ganz klar, wenn man nicht wirklich an Alkohol gewöhnt ist, dann setzt man sich mit dem Promillewert garantiert nicht hinters Steuer, denn dann ist man sturtzbetrunken.
    Mich erstaunt es sehr, dass hier noch kein Suchtmediziner Stellung bezogen hat, denn der könnte das fachlich bestätigen.
    Ich spreche wahrlich aus Erfahrung, denn ich habe fast 20 Jahre meines Lebens mit Alkoholismus zu tun gehabt und bin seit nunmehr 5 Jahren trocken und eins ist auch klar, nur ein offener Umgang mit der Krankheit hilft davon weg zu kommen. Wenn man sich selbst und die Mitmenschen belügt, dann wird man es nicht schaffen.

  2. Da Frau Käßmann schnell zurückgetreten ist, wird es ihre Sache sein, wie sie mit ihrer Alkoholabhängigkeit weiter umgeht/umgehen kann.

    Allerdings ist öffentlich „unerkannte“ Alkoholabhängigkeit in solch entscheidenden Postionen, wie sie Frau Käßmann ausübte, genau die Strategie, die wir seit vielen Jahrzehnten beim Kampf gegen die Alkoholsucht begegnen: Vertuschen, Verharmlosen, Ablenken – und Weitermachen.