Na, dann spielt mal schön

 Reihenhaus Dieses Foto heißt „Reihenhausromantik im Winter“. Reihenhausromantik – wenn Sie zum Beispiel männlichen Geschlechts sind, und ein ganz bestimmtes Sternzeichen haben, dann gilt für Sie in dieser Woche:

Immer wieder fragen Sie sich, ob so eine Beziehungskiste mit Reihenhausromantik Ihr persönlicher Stil ist. Zwischen Windeleimer und Schwiegermutter könnte …

Könnte sein, könnte aber auch nicht sein. Das ist hier die Frage! Vielleicht sogar, wenn Sie unter einem anderen Sternzeichen geboren sein sollten. Rein theoretisch wäre sogar denkbar, dass Sie sich diese Frage auch stellen, obwohl Sie weiblich sind. Möglich, aber nicht wünschenswert. Das sollten Sie nicht tun. Machen Sie sich also andere Gedanken!

Als wenn so eine Beziehungskiste nicht auch schon so kompliziert genug wäre! Ob nun mit oder ohne Romantik, mit oder ohne Reihenhaus – und wenn schon keine Terrasse, dann wenigstens ein Balkon! Das ist alles Verhandlungssache; da muss man – gerade am Anfang – um Punkt und Komma feilschen.

Übrigens auch dann, wenn man keinen blassen Schimmer hat, was man selbst eigentlich genau will. Darauf kommt es im Grunde überhaupt nicht an. Denn es geht ja nicht um das Reihenhaus, schon gar nicht um die Romantik – es geht ums Prinzip.

Selbst wenn Sie sich nach nächtelangen Verhandlungen über alle Varianten, die der Bauträger Ihres langweiligen Legoland-Standard-Modells Ihrer Bauherrenentscheidung, bei der heutzutage eben auch Damen mitreden dürfen, zugebilligt hat, geeinigt haben sollten: was nützt das denn alles, wenn die Türklinke des Gäste-WCs prima ist, dafür aber die ganze Beziehungskiste nicht funktioniert?!

Wenn Beate und Klaus einfach nicht zusammen passen. Wenn die ganze Wellenlänge nicht stimmt, dann hilft auch die Einigkeit in Sachen Gitter außen vor dem Gäste-WC nicht viel weiter. Und so ähnlich wie bei Männlein und Weiblein ist das auch in der Politik. Wenn da zwei miteinander wollen, in diesem Fall: Parteien, dann müssen sie auch miteinander können. Die Wellenlänge muss einigermaßen klar sein, und auch so in etwa, wo die Reise hingehen soll. So im Groben jedenfalls, wegen der Reihenhausromantik.

Zum Beispiel Schwarz-Grün. Echt ey, das hätte ich mich nicht getraut zu schreiben! Das ist krass:

„Schwarz-Grün ist die Kopfgeburt einer Minderheit, erdacht von ein paar Parteistrategen, Ökospießern und gelangweilten Journalisten. Sie sehnen sich nach westdeutscher Reihenhausromantik.“

Hut ab! Das ist frech. Das Modell des aufgeklärten Fortschritts, wie es ein ambitionierter Konservativer meint nennen zu müssen, derartig runterzumachen. Aber der hat das einfach mal geschrieben, der Stefan Tillmann. Der hat sich das getraut.

Sein Text „Die Reihenhausromantiker“ steht heute in der Printausgabe der Financial Times Deutschland (FTD). Ganz schön mutig! Er steht jedoch nicht online; okay: nicht übertreiben. Da kann ich den Tillmann ganz gut verstehen. Aber Sie wollen natürlich wissen, wie es weiter geht im Text. Das verstehe ich genauso gut, mindestens. Also weiter:

„Die Bürgerkinder spielen wieder miteinander: die Ökos, die früher barfuß über die Gehwege liefen, und die Langweiler, die schon in der Pubertät die Falschparker in der Siedlung angezeigt haben.“

Und trotzdem, schreibt Stefan Tillmann, will es mit den beiden nicht. Die Unterschiede seien einfach zu groß. Kurzum: sie passen einfach nicht zusammen. Und dafür bringt Tillmann viele Belege. Und wie gern würde man ihm glauben!

Auch dass die Grünen der FDP immer ähnlicher würden, sei mehr Schein als Sein. Zwar lasse sich feststellen: „Grüne werden Westerwelles Angstgegner“, so der Titel eines Tillmann-Beitrags ein Paar Tage zuvor in der Financial Times Deutschland. Aber die beiden Parteien sprächen doch ein ganz anderes Publikum an:

Traditionell ist der Wechsel zwischen Grünen- und FDP-Wählern sehr gering. Bei der Bundestagswahl wechselten per saldo gerade 20.000 ehemalige Grünen-Wähler zur FDP. Auch bei den wahlentscheidenden Themen gibt es kaum Überschneidungen zwischen den Milieus, die gern als bürgerlich und liberal in einen Topf geworfen werden.

Ja, das macht man gern. Aber, Sie haben es ja gelesen: die Zahlen geben es nicht her. Und wenn man das jetzt schon einmal festgestellt hat, dass die Grünen etwas ganz Anderes sind als die FDP, dann ist es auch nicht mehr lang hin, in diesem Fall drei Tage, um daraus messerscharf schlussfolgern zu können, dass das zwischen den Grünen und der CDU im Grunde auch nichts werden kann.

Sie wissen schon: das ist so ähnlich wie bei Beate und Klaus. Mal kurz so ein bisschen Reihenhausromantik, das mag angehen. Aber auf die Dauer kann das nichts werden. Liebe ist eben mehr als eine reine „Kopfgeburt“.

Wenn man nur wüsste, warum die Bürgerkinder überhaupt wieder zusammen spielen. Ob es aus reiner Langeweile geschieht? Ich meine, man kennt ja diese Grünen. Spielen mit einem, nur so aus Spaß. In Wirklichkeit sind sie aber am liebsten single. Selbstverwirklichung und pipapo. Keine Verantwortung und so.

Vielleicht mal kurz eine Romanze. Wenn er / sie schwach wird, gönnt sich der / die Ökopax auch gern einmal einen Abend lang den Traum vom Reihenhaus – möglichst mit großer Terrasse, und selbstverständlich atomwaffenfrei. Aber ansonsten geht man / frau straight den emanzipierten Weg. In Duisburg erklären das die beiden Vorstandssprecher so:

„Wir stehen total hinter ‘Grün pur’”, erklären die grüne Frau und der grüne Mann der

NRZ Duisburg. Das finde ich total krass, ey. Grün pur – was immer dies auch bedeuten mag. Auf jeden Fall muss man / frau dafür mal mit den einen und mal mit den anderen spielen.

So spielt man auch heute noch hin und wieder mit den Gossenkindern. Nicht mehr so oft wie früher, die sind nämlich ganz schön stressig. Hat schon der Joschka erzählt – auf jeder Delegiertenkonferenz.

Ja, und manchmal auch mit den anderen Bürgerkindern. Sie wissen schon: mit den Bestussten, die dafür sorgen, dass nicht irgend so eine Karre von anderen Leuten in der Garageneinfahrt steht. Ja sicher mit Garage. Jedes Reihenhaus ist heutzutage mit Garage! Warum auch nicht? So hält das Drei-Liter-Auto doch länger; das ist gut für die Ökobilanz.

Die Duisburger Grünen sind, so steht es in der Zeitung, in einer guten Ausgangslage: „Denn im Stadtrat kann keines der beiden Lager ohne uns. Voll krass, ey! Stehe ich auch total hinter. Lagerdenken überwinden. Haben wir damals schon gesagt. Keine Böcke auf Blöcke! Schon gar nicht auf den Block Biblis A.

Das sagt auch der Röttgen; das sagt auch der Rüttgers. Gut, der sagt auch manchmal sowas über die Inder und Rumänen. Aber der ist ja auch Arbeiterführer und meint deshalb, sowas käme bei den Gossenkindern gut an. Wer weiß?

Das ist auf jeden Fall kein Benehmen. Wie bei den Proleten. Das muss der sich bis zum 9. Mai aber noch ein bisschen abgewöhnen. Aber sonst … offen gestanden kann man mit den anderen Kindern aus gutem Hause besser spielen.

Na, dann spielt mal schön!

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