Laurin kontra Hellmich – Finanzielle Verstrickungen beim MSV

mav Es sieht nicht gut aus für den MSV Duisburg. Es sieht nicht gut aus für Walter Hellmich. Gestern veröffentlichte die Welt am Sonntag eine Story über „dubiose Verträge beim MSV Duisburg“, die in ausführlicherer Form bei den Ruhrbaronen nachzulesen ist. Und weil es diese Geschichte in sich hat, berichten auch die Zeitungen WAZ-Gruppe und die Rheinische Post heute über die „finanziellen Verstrickungen“ zwischen Hellmich und dem MSV.

Dass ein Unternehmer als Fußballboss mit seinem Verein „finanziell verstrickt“ ist, soll vorkommen. Ohne den SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp würde die TSG Hoffenheim gewiss auch heute noch in der vierten oder fünften Liga spielen, und ohne Clemens Tönnies könnte der FC Schalke 04 kaum in der Spitzengruppe der ersten Bundesliga mithalten.

Bei den „finanziellen Verstrickungen“ zwischen Walter Hellmich und dem MSV soll es sich aber nicht so verhalten, dass der Chef den Club alimentiert. Vielmehr soll es in Duisburg genau umkehrt wie üblich vor sich gehen. Nicht der MSV profitiere von Hellmich, sondern Hellmich verdiene am eigenen Verein, der chronisch unterfinanziert sei. Das jedenfalls behauptet Stefan Laurin:

„Nur um das klar zu machen. Hellmich hat nicht dem Verein Geld gegeben, sondern der Verein Hellmich.“

Stefan Laurin ist freier Journalist und verantwortlicher Redakteur des Internet-Portals „Ruhrbarone“. Er schreibt, dass ihm vereinsinterne, vertrauliche Papiere vorliegen. Wer seine Geschichte bei den Ruhrbaronen oder deren Kurzfassung in der WamS liest, wird keinen Zweifel daran haben, dass dem so ist.

Den Vorwurf, dass der MSV Herrn Hellmich begünstigt (und nicht etwa Hellmich den MSV), untermauert Laurin im wesentlichen mit zwei Belegen. Zum einen mit einem Darlehen in Höhe von einer halben Million Euro, den der MSV Duisburg Hellmich bzw. seiner Firma gewährt habe, und der bis zum Jahresende noch nicht zurückgezahlt worden sei.

Zum anderen – und dies scheint mir der „dickere Hund“ zu sein – damit, dass die Hellmich Marketing Management (HMM) GmbH mit der Vermarktung des Fußballvereins betraut worden ist. Ich zitiere Stefan Laurin:

„Die Firma gehört Marc Hellmich, dem Sohn des MSV-Präsidenten. Das 1997 gegründete Unternehmen war bis 2002 vornehmlich mit der Vermarktung des Tennisclubs Blau-Weiß Dinslaken beschäftigt. 2002 kam mit dem MSV ein weiterer Kunde dazu. Und was für einer: Marc Hellmichs Unternehmen bekam alle Vermarktungsrechte am Fußballclub, und kann seither unter anderem den Haupt- und Trikotsponsor aussuchen, die Bandenwerbung vermarkten, Logen und Business-Seats vermieten und auch die Namensrechte am Stadion veräußern. Für jeden von ihr ausgehandelten Sponsorenvertrag erhält die HMM zusätzlich 20 Prozent Provision. Selbst für die Zukunft hatte man vorgesorgt: Wenn eines Tages die zentrale Vermarktung durch den DFB fallen sollte, darf Hellmichs Sohnemann auch mit den TV-Rechten des MSV handeln.“

Das muss man sich einmal vorstellen! Was immer auch aus dem MSV werden mag, der Hellmich-Clan verdient kräftig mit. Ob nun der von der Stadt Duisburg stets gut mit Aufträgen versorgte Bauunternehmer noch MSV-Chef ist oder nicht, ob der MSV in den nächsten Jahren wieder tatsächlich einmal den Aufstieg ins Fußball-Oberhaus schaffen sollte oder nicht – die Hellmichs haben, wie Stefan Laurin enthüllt, für alle Eventualitäten vorgesorgt.

Wegen dieser Machenschaften soll im Sommer ein (potenzieller und potenter) Trikotsponsor abgesprungen sein. Auch die Kündigung des derzeitigen MSV-Geschäftsführers Bremer soll mit diesen Zuständen in Zusammenhang stehen.

Selbstredend hatte Laurin, wie es sich für einen Journalisten gehört, auch den MSV und die HMM um eine Stellungnahme gebeten. Vor allem wollte er wissen, „warum der Vertrag zwischen dem Präsidenten-Sohn und dessen Fußball-Club im Jahre 2008 frühzeitig bis 2017 verlängert wurde, ohne auch nur ein neues Angebot einzuholen.“

Fehlanzeige. Eisernes Schweigen sowohl bei der Marketinggesellschaft des Herrn Sohnes als auch beim Fußballclub des Herrn Papa. Erst als gestern das Malheur in der WamS zu besichtigen war, hatte der MSV reagiert. Überschrift der Erklärung: „MSV-Chef Walter Hellmich weist Zeitungsbericht zurück“.

Im Text „verweist der Aufsichtsratsvorsitzende darauf, dass der Vermarktungsvertrag zwischen dem MSV und der Hellmich Marketing GmbH in einer völlig korrekten Ausschreibung zu Stande gekommen ist. Zu diesem Zeitpunkt war Walter Hellmich noch kein Aufsichtsratsvorsitzender beim MSV.“

Dazu merkt Laurin an: „Seit dem 3. Juli 2002 ist Hellmich Vorstandsvorsitzender des MSV Duisburg. Der Vertrag mit der Firma seines Sohnes ist seit dem 1. Juli 2002 gültig und wurde 2008 vorzeitig verlängert.“

Und dann schreibt Hellmich, ach was: der MSV noch: Im Bereich der Vermarktung ist die Hellmich Marketing GmbH einer der erfolgreichsten Marketingpartner in der 2. Bundesliga.

Dazu fiel dann auch Stefan Laurin offenbar nichts mehr ein. Okay, er hatte schon in seinem Artikel die ungemeinen Erfolge der HMM aufgezählt, die der MSV nicht zu ergänzen für nötig oder möglich hielt. Werbepartner der Extraklasse.

Die Hellmich Gruppe selbst, unbestreitbar ein Erfolg. Sinalco und Klöckner – wäre Unsereins gar nicht drauf gekommen. Und dann noch die Sparkasse, Duisport Logport und die Stadtwerke. Wie der das bloß hingekriegt hat, der Hellmich, also der Junior. Ob der immer dabei ist, dieser einer der erfolgreichsten, wenn der Papa und der Oberbürgermeister ein paar Tage mit dem MSV im sonnigen Süden verbringen? Das wäre ja schon ganz schön clever von dem Bürschchen.

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