Einmal Server und zurück oder die Kompetenzpartei schlägt zu

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Skandal bei der Piratenpartei: Nutzerdaten auf privatem Server gelandet! – Nein, diese Schlagzeile wird morgen nicht in der BILD stehen. Wäre es die SPD, die CDU, die FDP, die Grünen oder die andere Kompetenzpartei – also die LINKE, die es mit dem Internet bekanntlich auch nicht unbedingt so verstanden hat – der Aufschrei der etablierten Medien wäre morgen groß. Ein neuer Datenskandal! Diesmal sogar in einer Partei! Da muss man Konsequenzen ziehen! Die Partei muss reagieren! Öffentliches In-Der-Luft-Zerreisen wäre die Folge.

Ja, natürlich haben da einzelne Administrationen des Piratenparteiforums wie in guter alter – na ja, alt – also in guter Tradition und Treu und Glauben auf eigene Faust gehandelt und haben mal eben das Piratenforum von den altem Server – also dem Server der offiziellen Piratenpartei – auf einen neuen Server umgezogen, der von Privatpersonen betrieben wird. Der Grund: Man befürchtete, dass der BundesIT das offizielle Forum schließen würde weil dieses nicht mehr im Migrationsplan vorgesehen war. Übersetzt wohl: Man hatte Angst dass aus Geldmangel das Forum geschlossen wurde. Und deswegen habe man gehandelt. Genau. So wie Piraten das schon immer getan haben: Man entert. Und nimmt mal eben Forenpostings und Userdaten auf den privaten Server mit.

Basisdemokratie ist für die Anderen

Hätten hier nicht bei den Betreffenden alle Alarmglocken schrillen sollen? Schließlich ist die Piratenpartei gerade die Partei, die doch all die Werte vertreten möchte die die anderen Parteien vernachlässigen. Dazu gehört natürlich auch der Datenschutz. So ehrenwert auch der Versuch gewesen sein mag das Forum an sich zu retten, so seltsam ist es doch dass man hier prompt gegen die eigenen gepredigten Prinzipien verstößt. Was natürlich der Glaubwürdigkeit der Partei nicht gerade förderlich ist – wenn die schon nicht weiß wie man mit den Daten der eigenen User umgeht, wie soll man ihr dann vertrauen wenn sie behauptet sie könne später im Bundestag genau diese Problematik vertreten?

Vor allem: Für eine Partei, die ja so basisdemokratisch organisiert ist wie die Piraten ist genau dieses Vorgehen einiger Weniger, das selbstverständlich – und da mache man sich nichts vor – auf die Partei selbst zurückfällt; für diese basisdemokratische Partei ist der Serverumzug ein Schlag gegen die eigenen Prinzipien gewesen. Eine Entscheidung für den Umzug aus der Partei selbst lag nämlich nicht vor. Ebensowenig scheint man auf den Gedanken gekommen zu sein das Offensichtlichste der Welt zu tun: Nämlich mal mit den betreffenden Parteiorganen zu reden anstatt nur zu vermuten, dass das Forum demnächst abgeschaltet wird. Stattdessen hat man wohl gebrütet, vermutet und gegrübelt.

„Everything counts in large amounts“

Man darf gespannt sein ob von Seiten der Partei nun die beteiligten Administratoren abgestraft werden – der Handstreich kann und darf nicht ohne Folgen bleiben weil ansonsten die Piraten noch unglaubwürdiger werden würden als ohnehin schon durch diese Aktion. Froh dürften die Piraten wohl darüber sein, dass die Medien in diesen Tagen eher ein anderes Narrentreiben vor der Nase haben über das sie berichten werden. Vielleicht ist die Partei irgendwann mal reif genug für das Geschäft, das sich Politik nennt. Bis dahin scheint es aber noch ein weiter Weg zu sein.

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2 thoughts on “Einmal Server und zurück oder die Kompetenzpartei schlägt zu

  1. also wenn ich das richtig verstanden habe, dann war das wohl ein Server der Bundespartei, der als Spende gegeben wurde.
    Dann ist das nur ein Sturm im Wasserglas.
    hier wäre vor Veröffentlichung etwas Recherche notwendig, aber das ist ja wohl zu aufwändig.

  2. Thomas Rodenbücher Mo, 15 Feb 2010 at 16:24:21 -

    LOL typisch Piraten: Statt sich für den Datenschutzgau bei seinen Usern zu entschuldigen, werden schnell neue Konstrukte gebastellt, die mehr als durchsichtig sind. Die Piratenpartei als Organisation ist für die Daten verantwortlich und wenn die auch nur 5 Minuten in anderen Hände waren, dann haben die eben den Vogel abgeschossen. Wenn dieser Gau bei einer anderen Partei oder Firma geschehen wäre, dann hätte es heute mindestens acht Pressemitteilungen der Piraten gegeben, die auf diesen unsäglichen Vorgang herumgeritten wären. Wer anderen permanent an Bein pinkelt darf sich nicht wundern, wenn das eigene dilletantische Vorgehen thematisiert wird.