Die blau-gelben Jecken

FDP Karneval Helau, helau, helau! Noch ein Tusch! Hier geht die Post ab, liebe Narren und Narrhalesen. Hier beim KG* Blau-Gelb. Und gleich ist es so weit. Tusch! Der Höhepunkt der diesjährigen fünften Jahreszeit, liebe Narren und Narrhalesen, hier und zu Hause an den Bildschirmen. Es geht los: die blau-gelben Jecken kommen. Narhallamarsch!

Der Präsident und sein Geleit ziehen in den lustig geschmückten Saal ein. Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse. Präsident Guido, der Erste, der Auswärtige, lässt es sich nicht nehmen, die Stimmung weiter anzuheizen. Guido, der Auswärtige, hält eine furiose Büttenrede.

Guido, der blau-gelbe Oberjecke, tritt diesmal mit einer hübschen Toga an. Der Präsident geht dieses Jahr nämlich als alter Römer. Sieht richtig knackig aus, Guido, der Erste, total dekadent.

Und was der für eine Büttenrede hinlegt, der Auswärtige, der alte Römer. Guido, der Auswärtige, bringt einen Knaller nach dem anderen über das alte Rom, das römische Reich. Voll dekadent, richtig anstrengungslos. Das macht ihm keiner nach!

Als der blau-gelbe KG-Präsident dann noch den Brüller bringt, das Imperium Romanum sei so eine Art Sozialismus gewesen, gibt es kein Halten mehr. Der Kapellmeister bringt einen Tusch nach dem anderen; der Saal tobt. Narhallamarsch! Abmarsch.

Es folgt das blau-gelbe Tanzensemble mit seiner Hundenummer. Lustige Schunkelmusik, dazu kläffen Hunde um die Wette. Tier und / oder Kinder … das kommt immer gut an. Helau! Narhalla liberallala.

Jetzt wird es aber Zeit für ein paar Anzüglichkeiten. Sicher, Guido in der Toga; aber es ist Karneval, da wird schon etwas Deftiges gebraucht. Karneval – das heißt auch: Promiskuität. Historisch gesehen findet nur deshalb die ganze Veranstaltung überhaupt statt.

Promiskuität – also ab in die Bütt mit Wolfgang, dem blau-gelben Nordlicht, kubickiweise gleiten herbe Zoten in den Saal. Nicht schlecht; aber irgendwie auch nicht richtig gut.

Die Jecken im KG Blau-Gelb kennen schließlich ihren Wolfgang, den unrechenbaren Küstenidioten, einst Kumpan des Quartalsirren. Keine Frage: das war ein blau-gelber Jeck der Spitzenklasse. Der beste Büttenredner, den der KG je hatte.

Aber bei dem Küstenidioten ist es wie bei dem unvergessenen Quartalsirren: ständig wird auch über den KG Blau-Gelb gescherzt. Und das soll eigentlich nicht so sein. Karneval bedeutet schließlich Frohsinn und nicht Trübsinn. Man hat ja bei dem Quartalsirren gesehen, wohin so blöde Scherze führen können!

Und jetzt geht der blau-gelbe Küstenidiot hin und macht nicht nur den eigenen Laden schlecht, sondern auch den ganzen Karneval gleich mit. Der labert kubickiweise gemeingefährlichen Stuss, der Zoten-Wolfgang: „In die Steuersenkungsnummer hätten wir uns nicht reindrängen lassen sollen.“ Unglaublich!

Immerhin ist der Küstenidiot dem Pinky-Andy vom Rhein in die Parade gefahren. Der Tankwart von der Pinkstelle hielt zunächst eine Büttenrede über die Mehrwertsteuer in Hotels; und jetzt das! Guido, der Auswärtige, solle seine Macht teilen, die blau-gelben Jecken sollten "mehr Gesichter in den Vordergrund stellen", keine Frage: eine tolle Büttenrede, die Pinky-Andy da gehalten hat. Mehr blau-gelbe Gesichter in den Vordergrund, schön und gut. Aber doch nicht das vom Tankwart von der Pinkstelle! Tusch! Helau.

Das ist ja klar: der Karneval lebt davon, dass alle Spaß haben, dass es viele Spaßmacher gibt. Präsident Guido, der Erste, der Auswärtige wird auf die Dauer nicht der Einzige sein können, der die ganz großen Büttenreden hält.

Mehr Gesichter müssen her, aber neue, unverbrauchte. Auch klar: Pinky-Andy will öfter ins Fernsehen, und Küstenidiot Wolfgang sowieso. Nur: die beiden jetzt im Karnevalsgeschäft als neue Gesichter auszugeben, das wäre ja in etwa so, als würde ich für die Fernseh-Comedy den Rüdiger Hoffmann als Newcomer vorschlagen.

Da macht jetzt so einer wie der von Hirschhausen das große Rennen. Jung, richtig jung, Doktor der Medizin. So Leuten gehört die Zukunft. Die sind wirklich lustig. Und die Blau-Gelben haben dazu auch noch einen, dessen Gesicht auch noch wirklich anders aussieht. Es ist ja auch gut, wenn bei allem Witz und Klamauk auch die Hintergründe so richtig erklärt werden können. Und das kann dieser von Hirschhausen: richtig erklären und trotzdem ist es zum Totlachen.

Dagegen dieser Rüdiger Hoffmann: zum Beispiel diese Nummer mit den acht Kostbarkeiten. Es waren halt nur sieben. Das ist nicht witzig; das ist nur peinlich. Das wäre etwa so, wie wenn man Witze darüber machen würde, dass die meisten Chinesen, also die in den China-Restaurants, eigentlich Vietnamesen sind. Acht oder sieben, Chinese oder Vietnamese – das ist doch sowas von egal; darauf kommt es doch nicht an.

Andererseits: ganz korrekt ist es natürlich nicht. Ob nun der Sozialausgleich für die Kopfpauschale mit weniger als zehn Milliarden Euro zu Buche schlagen würde, wie der schwarz-gelbe Jungjecke Philipp Rösler vermutet, oder doch 35 Mrd. €, wie das Finanzministerium vorgerechnet hat, ist … aber trotzdem … sowas von egal; darauf kommt es doch nicht an.

Es geht nämlich ums Prinzip. Und das heißt: neue Gesichter, neue Köpfe. Und Röslers Haupt ist nun einmal sein Kopf. Hauptsache Kopfpauschale. Er selbst hat seinen Kopf an die Pauschale gehängt.

Das ist doch wirklich einmal eine Darbietung! Dagegen ist Pinky-Andy mit seinem Gequengel „Ich will öfter ins Fernsehen“ der totale Langweiler. Die blau-gelbe Jecken bevorzugen pauschal die Nummer mit Röslers Kopf.

Als promovierter Mediziner dürfte Rösler wissen: ein Mann ohne Kopf ist zeitlebens ein Krüppel. Tusch! Es lebe der KG Blau-Gelb! Er lebe hoch, hoch, hoch – dreimal hoch.

* KG = Kindergarten

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