Repräsentative Wahlstatistik zur Bundestagswahl 2009

Election placard in Berlin of the Social Democ...

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Wiesbaden (ots) – Wie der Bundeswahlleiter mitteilt, liegen seit heute die Ergebnisse der repräsentativen Wahlstatistik zur Wahl des 17. Deutschen Bundestages am 27. September 2009 vor. Damit ist nun für den Bund und die einzelnen Bundesländer eine Analyse des Wählerverhaltens nach Geschlecht und Altersgruppen sowie der Struktur der Wähler und Nichtwähler möglich.

Fast ein Drittel der Wahlberechtigten über 60 Jahre alt
Bei der Bundestagswahl 2009 waren insgesamt 62,2 Millionen Bürgerinnen und Bürger wahlberechtigt, davon war gut die Hälfte im Alter von 30 bis 59 Jahren. Die Generation ab 60 Jahren stellte mit 20,4 Millionen fast ein Drittel aller Wahlberechtigten, und damit fast doppelt so viele wie die jüngere Generation unter 30 Jahren, die mit 10,2 Millionen etwa ein Sechstel aller Wahlberechtigten ausmachte.

60- bis 69-Jährige mit höchster Wahlbeteiligung, 21- bis 24-Jährige mit niedrigster
Mit 70,8% war die Wahlbeteiligung um 6,9 Prozentpunkte geringer als bei der Wahl 2005 und damit so niedrig wie bei keiner Bundestagswahl zuvor. Wie schon bei früheren Bundestagswahlen hatten die jüngeren Altersgruppen auch 2009 wieder eine unterdurchschnittliche Wahlbeteiligung. Dadurch wird das Einflusspotential der jungen Wahlberechtigten gegenüber den älteren Wählern überproportional geschwächt. Die 21- bis 24-Jährigen hatten mit 59,1% erneut die geringste Wahlbeteiligung aller Altersgruppen. Besonders niedrig war dabei die Wahlbeteiligung der 21- bis 24-jährigen ostdeutschen Frauen (52,7%) und Männer (53,1%). Mit steigendem Alter nahm die Wahlbeteiligung bis zu den 60- bis 69-Jährigen kontinuierlich zu: diese Altersgruppe beteiligte sich mit 80,0% am aktivsten an der Bundestagswahl 2009. Vor allem die westdeutschen Männer von 60 bis 69 Jahren lagen mit 82,1% deutlich über der durchschnittlichen Wahlbeteiligung, auch die gleichaltrigen westdeutschen Frauen erreichten mit 81,1% einen hohen Wert. Insgesamt gab es bei der Wahlbeteiligung nur geringe Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Bestes Wahlergebnis für die CDU bei Senioren, stärkerer Rückhalt bei Frauen
Die CDU war in allen Altersgruppen die stärkste Partei. Ihr bestes Wahlergebnis erzielte sie bei den Wählerinnen und Wählern ab 60 Jahren mit 34,4%. Bei den Frauen erreichte sie mit 29,6% einen höheren Stimmenanteil als bei den Männern (24,8%). Im Vergleich zu 2005 legte die CDU bei den Frauen um 1,6 Prozentpunkte zu, während sie bei den Männern 2,7 Prozentpunkte einbüßte.

Bei jungen Wählern größte Verluste für die SPD
Die SPD musste bei den Jungwählern bis 24 Jahren ihre größten Stimmenverluste hinnehmen. Sie verlor hier mit – 18,7 Prozentpunkten mehr als die Hälfte ihres Zweitstimmenanteils. Noch bei der Bundestagswahl 2005 hatte sie in dieser Altersgruppe ihren größten Rückhalt gefunden. In allen folgenden Altersgruppen setzte sich der Stimmenverlust der SPD fort, wurde aber kontinuierlich weniger und betrug in der Altersgruppe der ab 60-Jährigen noch – 6,8 Prozentpunkte. Im Ergebnis hatte die SPD nunmehr ihren höchsten Stimmenanteil bei den Senioren (27,3%).

Zugewinne in allen Altersgruppen bei FDP, DIE LINKE und den GRÜNEN, Verluste bei der CSU
FDP, DIE LINKE und die GRÜNEN konnten in allen Altersgruppen einen Zuwachs an Stimmenanteilen verbuchen. Bei der FDP reichte der Zugewinn von 3,4 Prozentpunkten bei den Wählerinnen und Wählern ab 60 Jahren bis zu 6,7 Prozentpunkten bei den 35- bis 44-Jährigen. DIE LINKE erzielte bei den 45- bis 59-Jährigen mit 15,2% ihr bestes Ergebnis. Die GRÜNEN waren besonders bei den Jung- und Erstwählern unter 25 Jahren erfolgreich. Hier erreichten sie einen Zweitstimmenanteil von 15,4%, während sie bei den Wählern über 60 Jahren mit 5,0% weit unter dem Gesamtergebnis lagen. Die CSU schnitt wie die CDU bei den Wählerinnen und Wählern über 60 Jahren am besten ab (8,0%). Sie musste jedoch im Vergleich zu 2005 in allen Altersgruppen geringe Verluste hinnehmen. – Stimmensplitting erreicht neuen Höchststand Das Ausmaß des Stimmensplittings – das heißt die Aufteilung der Erst- und Zweitstimme auf unterschiedliche Parteien – hat bei der Bundestagswahl 2009 mit 26,4% einen neuen Höchststand erreicht. Betrachtet man die Abgabe der Erststimme bei gegebener Zweitstimme, splitteten die Wähler der FDP am häufigsten; über 55% haben mit der Erststimme den Direktkandidaten einer anderen Partei gewählt, dabei vornehmlich den von CDU oder CSU. Im Gegenzug vergaben knapp 18% der Erststimmenwähler der CDU ihre Zweitstimme an die FDP. Auch Zweitstimmenwähler der GRÜNEN unterstützten mit ihrer Erststimme häufig Direktkandidaten einer anderen Partei, vor allem die der SPD. Bei den Wählerinnen und Wählern der Linkspartei war gegen den allgemeinen Trend ein Rückgang des Stimmensplittings im Vergleich zu 2005 festzustellen.

Unionsparteien und SPD rekrutieren ihre Wähler überdurchschnittlich aus Senioren
Die Ergebnisse der repräsentativen Wahlstatistik geben auch Aufschluss über die demografische Zusammensetzung der Wählerschaft der einzelnen Parteien und enthalten Anhaltspunkte, in welchem Umfang die Parteien ihr Wählerpotenzial mobilisieren konnten. Die Wählerschaft der Unionsparteien rekrutierte sich mit weiter steigender Tendenz überproportional aus älteren Wählern ab 60 Jahren. Im Vergleich zur altersmäßigen Zusammensetzung aller Wahlberechtigten sind in der Wählerschaft der CDU/CSU die 18- bis 59-Jährigen unterrepräsentiert. Bei der SPD hat sich gegenüber 2005 die Altersstruktur der Wählerschaft stark verändert. Besonders auffällig war der hohe Anteil der Älteren: Gut 41% der SPD-Wähler waren 60 Jahre und älter, 2005 waren es nur knapp 33% gewesen.

Deutliche Unterschiede bei Wählerschaft "kleinerer" Parteien
Bei der FDP entsprach die Altersstruktur der Wählerschaft am ehesten der demografischen Zusammensetzung aller Wahlberechtigten. Bei der Partei DIE LINKE war die Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen überproportional vertreten. Die GRÜNEN haben ihr größtes Wählerpotential bei den Jüngeren: Etwa die Hälfte der Wählerschaft der GRÜNEN war bei der Wahl 2009 jünger als 45 Jahre.

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