Das Modell des aufgeklärten Fortschritts

Solf Das ist Michael Solf. Michael Solf ist Landtagsabgeordneter, und sogar, wie man hört, „ein veritabler Landtagsabgeordneter“. Er ist, wie ebenfalls zu hören ist, „fest verankert im christlichen Glauben“ und ganz sicher der Vorsitzende des Fördervereins der Gedenkstätte "Landjuden an der Sieg".

Demokratischer Politiker, gläubiger Christ und Förderer der Erinnerungskultur – ich halte das alles für sehr löblich. Damit hat er bei mir schon gewonnen; da ist es mir dann auch relativ egal, für welche Parteifarbe er steht, der Michael Solf. Relativ egal; denn die Demokratie lebt ja nicht zuletzt von der Konkurrenz und Kooperation der Parteifarben.

Michael Solf sieht das auch so. Und deshalb beteiligt sich der veritable Landtagsabgeordnete auch munter an den einschlägigen Farbenspielen. Jetzt, im Vorfeld der NRW-Wahl, erlangte er damit große Aufmerksamkeit. Denn Solf hat einen neuen Begriff geprägt, der eigentlich so ähnlich auch von mir sein könnte. So ähnlich jedenfalls. Solms kämpft für das

Modell des aufgeklärten Fortschritts

„Aufklärung“ – das ist Musik in meinen Ohren. Und „Fortschritt“ – haben Sie eine Ahnung, wie denunziert dieser Begriff dasteht? Für wie naiv man gehalten wird, wenn man die Trends der Geschichte, zumal der Zeitgeschichte, als Fortschritt bezeichnet? Für wie verbohrt man gehalten wird, wenn man sich dann auch noch ausdrücklich positiv zum Fortschritt bekennt?

Insofern gilt Michael Solf mein ausdrücklicher Dank. In der Tat: zwischen der Aufklärung und dem Fortschritt besteht ein unauflöslicher Zusammenhang. Diesen semantisch auf die Ebene der Tagespolitik herunterzubrechen und als „Modell“ in die politische Auseinandersetzung einzuführen: das gefällt mir im Prinzip sehr gut.

Doch schon allein unter semantischen Gesichtspunkten gilt es, am „Modell des aufgeklärten Fortschritts“ noch ein wenig zu feilen. Immerhin: MdL Solf hat einen Anfang gemacht, und am Terminus „Modell“ ist auch nichts auszusetzen. Zum Beispiel „Modell Deutschland“ – politisch immer mal wieder ein echter Knaller! Für alles Mögliche.

„Modell steht häufig für ein Objekt (Gegenstand oder mathematisches Objekt) der unser Wissen über ein Stück Realität oder gewünschte Realität darstellt, zum Beispiel um dieses Wissen zu überprüfen, um zu lernen oder die Realität besser zu verstehen“, heißt es bei Wikipedia. Allerdings: „Modell steht aber manchmal auch für das Umgekehrte: ein spezifisches Beispiel für eine allgemeine Idee.“

Offenbar meint Herr Solms das, also das Umgekehrte. Das ist schon okay. Das Umgekehrte. Aber der „aufgeklärte Fortschritt“ …

Ehrlich gesagt: daran habe ich doch etwas zu knabbern. Etwas viel. Gibt es auch einen unaufgeklärten Fortschritt? Oder einen aufgeklärten Rückschritt? Musste unbedingt der Fortschritt aufgeklärt werden? Oder hätte auch die Aufklärung fortschreiten können?

Lassen wir diese semantischen Spitzfindigkeiten und widmen uns dem politischen Anliegen des MdL Solf. Wer symbolisiert denn nun modellhaft den Fortschritt, wenn er aufgeklärt ist? Erinnern wir uns: wir sind beim politischen Farbenspiel. Also: welche Farbkombination steht für den aufgeklärten Fortschritt Modell?

Nun überlegen Sie einmal! Uns stehen vier Farben zur Verfügung: Schwarz (na klar ist das eine Farbe, politisch betrachtet), Rot, Gelb und Grün. Das ergibt sechs mögliche Zweierkombinationen. Kleiner Tipp: davon gilt nur eine als Modell des aufgeklärten Fortschritt. Die anderen Kombinationen stehen folglich für unaufgeklärten Fortschritt, aufgeklärten Rückschritt oder unaufgeklärten Rückschritt. Letztere Kombination ist natürlich ganz großer Mist. Voll reaktionär! Logisch.

Jetzt kommen Sie mir bitte nicht damit, dass für die sechs möglichen Farbkombinationen nur die vier genannten Attribute zur Verfügung stehen! Erstens ist mir das auch schon aufgefallen. Und zweitens sind Doppelzuweisungen nicht nur möglich, sondern in diesem Fall zwingend erforderlich. Will sagen: bei zwei verschiedenen Farbkombinationen, also Koalitionen, kann es sich gleichermaßen um unaufgeklärten Rückschritt handeln – nur als Beispiel.

Viel interessanter ist da schon die Frage, bei welcher politischen Farbkombination es sich um das Modell des aufgeklärten Fortschritts handelt. Na, schon drüber nachgedacht?

Ich will es nicht so spannend machen; denn ich will nicht gemein sein. Die Sache ist nämlich sauschwer. Ehrlich: da kommen Sie in Tausend Jahren nicht drauf. Mit dieser Antwort kann man einfach nicht rechnen.

Genau daran liegt ja die Genialität des veritablen Landtagsabgeordneten Michael Solf. Ganz neues Denken! Aufklärung und Fortschritt kombinieren. Richtig kombinieren, d.h. der Fortschritt wird aufgeklärt, genauer: er ist bereits aufgeklärt worden, der aufgeklärte.

Und jetzt auch noch die richtigen Parteifarben finden. Ich nehme an, eine Partei steht für die Aufklärung, die andere für den Fortschritt. Die Kombination als Modell, das – wie gesagt – manchmal aber auch für das Umgekehrte steht.

Sauschwer, da kommen Sie nie drauf! Also, ich mache es kurz: diese super-progressive, absolut tabulos aufgeklärte Turbo-Mischung der Mega-Post-Moderne besteht aus den Parteifarben …

Schwarz und Grün! Hammer, was?! Na kommen Sie, ich habe wiederholt mit dem Zaunpfahl gewunken: „Modell“ – steht manchmal aber auch für das Umgekehrte. Nicht wahr, der ist hart drauf, der Michael Solf!

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