Netto plus, Lidl minus

Fremdschämen leichtgemacht mit Netto
Image by henteaser via Flickr

Na, wie sieht es aus? Ja, bei Ihnen? Auch schon mehr Netto?

Netto, groß geschrieben. Klein geschrieben, das kann ja nicht – netto auf der Gehaltsbescheinigung wird es ja erst im Januar mehr. Das liegt aber noch an der alten Regierung. Ob die neue Regierung auch für mehr netto sorgen wird, also auf der Gehaltsbescheinigung, wird man erst noch sehen müssen. Was die Steuersenkungen betrifft, sind sich die neuen Koalitionäre noch nicht einig. Dass der Krankenkassenbeitrag steigen wird, dürfte dagegen feststehen. Und später wird noch die Kopfpauschale hinzukommen, sorry: die einkommensneutrale Gesundheitsprämie. Und die verbindliche private Zusatz-Pflegeversicherung wird wohl auch auftauchen – auf der Gehaltsbescheinigung. Und wenn nicht, bezahlen Sie die einfach so. Genauso wie die höheren Gebühren für Gas, Strom und Wasser, weil doch der verminderte Mehrwertsteuersatz für die kommunalen Versorgungsunternehmen wegfallen wird. Mehr netto auf dem Girokonto: daraus wird also nichts. Und danach habe ich übrigens auch nicht gefragt.

Da hilft nur eins: Gürtel enger schnallen, sparen, also natürlich auch: beim Discounter einkaufen gehen. Genau danach hatte ich mich erkundigt: haben Sie auch schon mehr Netto? Netto – die Discounter-Kette von Edeka, die mit derselbigen von Tengelmann, nämlich Plus, zusammen gelegt wird – unter dem Namen Netto. Plus verschwindet also, die kleinen Preise purzeln – runter zu Netto.

Der Kampf geht weiter, der Preiskampf der großen Discounterketten Aldi, Lidl und jetzt Netto – zur großen Freude von uns Schnäppchenjägern. Schließlich müssen wir ja sparen, sparen, sparen. Das macht ja auch Spaß!

Sie wissen ja: wer zu Geld kommen will, darf es nicht ausgeben. Reich werden – warum nicht? Und wie wird man reich? Richtig: durch eisernen Willen, jede Menge Disziplin und … Sparen!
Nehmen Sie zum Beispiel den Dieter Schwarz. Über ihn steht in der November-Ausgabe des Manager-Magazins ein Artikel mit der Überschrift „die skurillen Vorlieben des Dieter S.“. Leider hat es sich das Manager-Magazin gespart, diesen Artikel online zu stellen; also zitiere ich den ersten Absatz:
“Karge Verpflegung. Die Bescheidenheit von Dieter Schwarz grenzt ans Skurille. Sein Büro in der Neckarsulmer Straße ist nicht größer als das eines Sachbearbeiters (stellen Sie sich das bloß einmal vor! – W.J.), möbliert mit abgewetzten Stühlen und einem schlichten Tisch. Auch in den Konferenzräumen geht es ähnlich kärglich zu; Besuchern werden nicht einmal Kekse gereicht, nur Wasser und dünner Kaffee aus Thermoskannen.“

Das ist natürlich blöd, wenn man Manager ist. Man hat einen Termin bei Dieter S. und bekommt nicht einmal einen Keks. Ja, der gute Schwarz konnte einem ganz schön auf den Keks gehen. Aber: seine Sparsamkeit hat sich ausgezahlt. Da ist doch ganz schön etwas draus geworden – aus Lidl! Platz zwei der größten Discounter in Deutschland – immerhin. Allerdings nur Platz zwei; das hat den armen Schwarz ganz kirre gemacht. Ein „Trauma“, meint das Manager Magazin. Aber so etwas treibt die Leute an!

Sicher, die Lidl-Methoden waren hier und da umstritten; aber mit deutscher Gemütlichkeit bekommt man nun einmal nicht richtig Power in so einen Laden. Man muss fair bleiben: Schwarz hat anderen nichts gegönnt, aber er gönnt sich ja auch selbst nichts. Trotzdem: jetzt das!

„Anfang dieses Jahres übernahm Edeka mehr als 2300 Filialen des Tengelmann-Billiganbieters Plus. Die werden nun zügig in Netto-Läden umgewandelt. Mit rund viertausend Verkaufsstellen rangiert die Handelskette schon auf Platz zwei der größten Discounter in Deutschland – hinter Aldi und weit vor dem auf den dritten Rang abgedrängten Gegenspieler Lidl.“

70 Jahre alt ist er nun, der Dieter Schwarz. Aus dem operativen Geschäft hat er sich weitgehend zurückgezogen, und wehrlos muss der arme Kerl nun zusehen, wie sein Lebenswerk vor seinen Augen zerrinnt. Weiter im Text des neuen Manager Magazins: „Alles außer Tritt“.

Unter der Offensive leidet Lidl viel mehr als der Konkurrent Aldi, der vor allem auf Eigenmarken setzt. Lidl hingegen versteht sich als Markenartikeldiscounter. Genau dieses Konzept verfolgt auch die Formation Netto-Plus.

Tja. So kann es gehen. Das Leben ist Kampf. In diesem Fall mit der „Formation Netto-Plus“, die in der „Offensive“ ist. Gut, da kann der Schwarz mit seinen 70 Jahren natürlich nicht gegen ankommen. Aber dafür versucht das jetzt sein „Alter Ego“. So nennen die Manager Magaziner – die haben nämlich auch ganz schön viel Ahnung von Psychologie – den „Lidl-Vormann“ Klaus Gehrig. Was mag das nur heißen, Alter Ego? Keine Ahnung. Doch sie schreiben über Herrn Gehrig:

Der omnipräsente Aufsichtsratsvorsitzende, ein Kaufmann ohne Studium, kümmert sich um alles und jedes. Er hastet von Termin zu Termin, mal mit einem der firmeneigenen Jets, mal im Hubschrauber. Entscheidungen trifft Gehrig ad hoc, oft aus dem Bauch heraus.

Abstoßend, dieses Alter Ego, diese hast, dieses „ad hoc“! Kein Wunder: der hat ja nicht einmal studiert! Und jetzt steht er da mit seiner völlig überschuldeten Lidl-Kette. „Lidl ächzt unter den Folgen der überhasteten Expansion“, heißt es in dem Fachblatt für Führungskräfte. „Hohe Kredite, keine Profite“.

16 Milliarden Euro „Verbindlichkeiten“, da heißt es: sparen, sparen, sparen! Nur Wasser, höchstens dünner Kaffee, keine Kekse. Ob das reichen wird? Im Überlebenskampf der Schwarz-Stiftung. Die Umsatzrendite, behaupten ehemalige Lidl-Manager, läge bei 1,3 Prozent. Und Netto und Aldi machen Druck. Preisdruck. Und sollten im Zuge eines Aufschwungs tatsächlich die Zinsen auf die 16 Mrd. Euro ein klein wenig anziehen, dann wird es auch nichts nützen, wenn im Büro Schwarz auch noch der dünne Kaffee gestrichen wird.

Dann werden wir tagein tagaus im Fernsehen die Lidl-Frauen sehen, die dafür kämpfen werden, auch weiterhin unbezahlt nach Dienstschluss mit der Zahnbürste den Staub hinter den Preisauszeichnungen wegzaubern zu dürfen. Gut, dass wir dann mehr Netto haben. Gehen wir halt dort hin! Und wenn es bei Lidl so weit ist wie jetzt bei Quelle, dann machen wir das Schnäppchen unseres Lebens! Am besten schon mal jetzt ein wenig den Nahkampf trainieren. Es könnte dann etwas eng werden vor Ihrem Lidl. Sie wissen ja: Ellbogengesellschaft.


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2 thoughts on “Netto plus, Lidl minus

  1. Das ich nicht lache also netto marken discount hat vielleicht mehr Filialen, aber mehr Filialen nicht gleich größerer Umsatz. Oh man wenn Deutschland noch mehr von dir hat oh Gott Gott. So kanns nur abwärts gehen. Ausserdem ist der neu Netto Marken Discount auch wesentlich kostenintensiver als Lidl. Um Plus tut es mir richtig Leid. Edeka ist schon Als Vollsortimentler total sch…. da schaffen die das noch nicht mal ihre Filialen zubeliefern und jetzt wollen sie Aldi und Lidl angreifen.

    Naja ich war im Netto Marken Discount schon einkaufen, aber da kann ich ja gleich zum Edeka fahren da bezahl ich genauso viel.

  2. Lidl plus // Netto minus

    und zwar bei den Arbeitsbedingungen und bei den Gehältern. Ich weiß wovon ich rede, denn ich habe zuerst bei Lidl gearbeitet und bin leider freiwillig zu Netto gegangen. Bei Netto wird an allem gespart.
    Also macht den Lidl nicht immer schlecht. Im Netto wird aktuell das umgesetzt, was vor Jahren Lidl vorgeworfen wurde.