„Wir werden nicht leise sein!“ – Politisches Nachtgebet in Duisburg Marxloh

Auf der Einladung steht „Politisches Nachtgebet“ in der Kreuzkirche in Marxloh. Dort steht auch was zu den Initiatoren, unter anderem die IG-Metall, Betriebsräte, Vertrauensleute. Kirche. Gewerkschaften. Politik. Eine interessante Kombination.
Marxloh, Duisburg-Marxloh, ein Stadtteil mit dem man Brautkleider, Migranten, die Moschee und Arbeitslosigkeit assoziiert, aber nicht Kirche und schon gar nicht politische Kirche. Auf den Weg zur Kreuzkirche in Marxloh kommt man an der Karl-Marx Straße vorbei, ein gutes Omen?
Am Eingang der Kirche erwartet den Besucher Herr Zirbi. Günther Zirbi, selbst Urgestein des politischen Nachtgebets, überreicht jedem ein Faltblatt mit der Themenübersicht des heutigen Abends. „Es ist im Grunde immer derselbe Ablauf“, lässt Zirbi wissen. „Erst gibt es eine Hinführung zum Thema, was ja heute die Beschäftigungssituation bei Karstadt in Duisburg ist, dann folgt eine Fragerunde mit dem Betriebsrat sowie Fragen aus dem Plenum. Der Abschluss eines solchen Nachtgebets sind immer die Führbitten und das Vater-Unser gefolgt von einem gemeinsamen Kaffeetrinken“. Das alles klingt interessant und es bleibt abzuwarten, wie viele „Zuhörer“ wohl kommen mögen. „In der Kreuzkirche machen wir das erst zum dritten Mal“, erklärt Günther Zirbi, vorher sei man 11 Jahre in der benachbarten Markuskirche gewesen.
Neben dem Altar ist eine Videoleinwand aufgebaut, auf der per Beamer eine Dia-Show abläuft. Bilder von Karstadt, von Beschäftigen, ja sogar von Thomas Middelhoff, ja eben „schöner shoppen in der Stadt“. Die Kirche füllt sich unter dem Glockengeläut langsam aber stetig. In der ersten Reihe sitzt jemand mit einem Akkordeon. Neben der Videoleinwand ist ein Rednerpult aufgebaut.
Annegret Finke, Betriebsrat ThyssenKrupp Steel steht dahinter. Es fängt an. Eine kurzer historischer Rückblick auf die Geschichte von Karstadt wird von ihr vorgetragen. Man hat sich augenscheinlich gut auf das Thema vorbereitet. Der Mann mit dem Akkordeon geht nach vorne, spielt und singt ein Lied über Karstadt, die Beschäftigten, dem Middelhoff, die Schickedanz, von Sal. Oppenheim, von Goldman-Sachs, den Spekulanten. Nach einer kurzen Phase des Fremdschämens, macht das Lied spaß, ja es ist so ernst wie witzig, immerhin: es gibt Menschen die machen sich Gedanken über die Karstadtbeschäftigten ohne was mit ihnen zu tun zu haben.
Wilfried Müller, Mitglied der IG Metall-Vertrauensleute ThyssenKrupp Steel, befragt die Betriebsratsvorsitzende von Karstadt, will ein Stimmungsbild, will was zu den Nöten und Sorgen der Beschäftigten wissen. Die Antworten der Betriebsratsvorsitzenden Rita Rodenbücher, stimmen ihn nachdenklich, ja sorgenvoll blickt er drein, als er vom Personalabbau der letzten Jahre erfährt, von der Angst der Menschen nach 12 Monaten in Harz-4 zu gehen, wenn Karstadt Duisburg seine Türen für immer schließt. Rita Rodenbücher beschreibt die aussichtslose Situation, grade für die älteren Arbeitnehmer, in eine neue Beschäftigung zu kommen. Sie erklärt den Anwesenden, worauf die Karstadtbeschäftigten in den letzten Jahren schon alles verzichtet haben, um ihren Arbeitsplatz zu sichern. Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld und weitere tarifliche Leistungen, waren nur der Anfang. Und trotzdem können sie von heut auf morgen gefeuert werden. „Aber eins sei sicher“ so Rodenbücher, „wir werden auf keinen Fall leise sein“.
Es entsteht eine rege Diskussion, die Anwesenden haben nicht nur Fragen und wollen Antworten, nein sie sprechen Mut zu, bekennen Solidarität, Betroffenheit weicht, sie beten für die Beschäftigten von Karstadt und deren Familien.
Wir hatten nach dem Nachtgebet noch die Gelegenheit mit Pfarrer Hans-Peter Lauer und dem Moderator des Abends Wilfried Müller zu sprechen.
XN: Woher kommt die Idee des „Politischen Nachtgebetes“?
Hans-Peter Lauer: Die entstand bei uns während der Arbeitskämpfe von Kohle und Stahl 1987, die wir oft mit Gottesdiensten begleitet haben. Daraus entstand der Wunsch, dies nicht nur punktuell und sporadisch zu machen, sondern ein festes politisches Forum zu etablieren, was einmal im Monat stattfindet. Der Name „Politisches Nachtgebet“ haben wir von den Kölnern übernommen, wo dies in den 70er Jahren unter anderem mit Heinrich Böll stattfand.
XN: Die Veranstaltung war heute gut besucht. Ist die Resonanz immer so groß?
Hans-Peter Lauer: Das ist themenabhängig. Die letzte Veranstaltung hatte das Thema Marxloh, die Probleme des Stadtteils, die verschiedenen Interessengruppen. Da konnte man mit den Lokalpolitikern diskutieren. Ja, da waren ein paar mehr in der Kirche. Die Menschen interessieren sich für ihren Stadtteil und ja klar auch für Themen aus der Arbeitswelt.
Wilfried Müller: Ich erinner da an die Aktion „Schiene“. Die Kollegen aus dem Bereich Schiene, waren früher direkt bei Thyssen beschäftigt und sollten ausgegliedert werden. Die haben tatsächlich Eisenbahnschienen in die Kirche gelegt. Überall waren die Transparente aufgehangen. Da war es proppenvoll in der Kirche.
XN: Was bewegt das Nachtgebet?
Hans-Peter Lauer: Nun, es ist schwierig Erfolge zu messen, oder gar Verhaltensweisen zu ändern. Ich denke wir geben den Menschen Mut, Kraft und vor allem Solidarität, die sollen merken, dass sie nicht alleine gelassen werden.
Wilfried Müller: Grade die Aktion mit den Schienen hatte eine gute Medienresonanz. Die Kollegen wurden wahrgenommen, das tat denen sichtlich gut.
XN: Erreichen sie mit dem Nachtgebet auch Menschen, die normalerweise nicht in die Kirche gehen, oder kommt immer nur die „Stammmannschaft“?
Hans-Peter Lauer: Ja durchaus. Es kommen immer auch Menschen, die wir nicht von der Sonntagsandacht her kennen, was natürlich sehr schön ist.
XN: Vielen Dank
Wer weitere Informationen möchte bekommt sie unter http://www.nachtgebet.de/340541.html
Günther Zirbi verteilt Infos zum Nachtgebet

Günther Zirbi verteilt Infos zum Nachtgebet

Auf der Einladung steht „Politisches Nachtgebet“ in der Kreuzkirche in Marxloh. Dort steht auch was zu den Initiatoren, unter anderem die IG-Metall, Betriebsräte, Vertrauensleute. Kirche. Gewerkschaften. Politik. Eine interessante Kombination.

Marxloh. Duisburg-Marxloh. Ein Stadtteil mit dem man Brautkleider, Migranten, die Moschee und Arbeitslosigkeit assoziiert, aber nicht Kirche und schon gar nicht politische Kirche. Auf dem Weg zur Kreuzkirche in Marxloh kommt man an der Karl-Marx Straße vorbei, ein gutes Omen?

Am Eingang der Kirche erwartet Herr Zirbi den Besucher. Günther Zirbi, so viel Zeit muss sein, selbst Urgestein des politischen Nachtgebets überreicht jedem ein Faltblatt mit der Themenübersicht des heutigen Abends. „Es ist im Grunde immer derselbe Ablauf“, lässt Zirbi wissen. „Erst gibt es eine Hinführung zum Thema, was ja heute die Beschäftigungssituation bei Karstadt in Duisburg ist, dann folgt eine Fragerunde mit dem Betriebsrat sowie Fragen aus dem Plenum. Der Abschluss eines solchen Nachtgebets sind immer die Fürbitten und das Vater-Unser gefolgt von einem gemeinsamen Kaffeetrinken“. Das alles klingt interessant und es bleibt abzuwarten, wie viele „Zuhörer“ wohl kommen mögen. „In der Kreuzkirche machen wir das erst zum dritten Mal“, erklärt Günther Zirbi, vorher sei man 11 Jahre in der benachbarten Markuskirche gewesen.

Neben dem Altar ist eine Videoleinwand aufgebaut, auf der per Beamer eine Dia-Show abläuft. Bilder von Karstadt, von Beschäftigen, ja sogar von Thomas Middelhoff – eben „schöner shoppen in der Stadt“. Die Kirche füllt sich unter dem Glockengeläut langsam aber stetig. In der ersten Reihe sitzt jemand mit einem Akkordeon. Neben der Videoleinwand ist ein Rednerpult aufgebaut. Annegret Finke, Betriebsrat ThyssenKrupp Steel, steht dahinter.

Es fängt an. Eine kurzer historischer Rückblick auf die Geschichte von Karstadt wird von ihr vorgetragen. Man hat sich augenscheinlich gut

auf das Thema vorbereitet. Der Mann mit dem Akkordeon geht nach vorne, spielt und singt ein Lied über Karstadt, die Beschäftigten, den Middelhoff, die Schickedanz, von Sal. Oppenheim, von Goldman-Sachs, den Spekulanten. Nach einer kurzen Phase des Fremdschämens macht das Lied Spaß, ja, es ist so ernst wie witzig, immerhin: es gibt Menschen, die machen sich Gedanken über die Karstadtbeschäftigten ohne was mit ihnen zu tun zu haben.

Wilfried Müller, Mitglied der IG Metall-Vertrauensleute ThyssenKrupp Steel, befragt die Betriebsratsvorsitzende von

Rita Rodenbücher, die Betriebsratvorsitzende von Karstadt Duisburg, beantwortet Fragen zu Beschäftigungssituation

Rita Rodenbücher, die Betriebsratvorsitzende von Karstadt Duisburg, beantwortet Fragen zur Beschäftigungssituation

Karstadt, will ein Stimmungsbild, will was zu den Nöten und Sorgen der Beschäftigten wissen. Die Antworten der Betriebsratsvorsitzenden Rita Rodenbücher, stimmen ihn nachdenklich, ja sorgenvoll blickt er drein, als er vom Personalabbau der letzten Jahre erfährt, von der Angst der Menschen nach 12 Monaten in Harz-4 zu gehen, wenn Karstadt Duisburg seine Türen für immer schließt. Rita Rodenbücher beschreibt die aussichtslose Situation grade für die älteren Arbeitnehmer in eine neue Beschäftigung zu kommen. Sie erklärt den Anwesenden, worauf die Karstadtbeschäftigten in den letzten Jahren schon alles verzichtet haben, um ihren Arbeitsplatz zu sichern. Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld und weitere tarifliche Leistungen waren nur der Anfang. Und trotzdem können sie von heut auf morgen gefeuert werden. „Aber eins sei sicher“ so Rodenbücher, „wir werden auf keinen Fall leise sein“.

Es entsteht eine rege Diskussion, die Anwesenden haben nicht nur Fragen und wollen Antworten, nein sie sprechen Mut zu, bekennen Solidarität, Betroffenheit weicht, sie beten für die Beschäftigten von Karstadt und deren Familien. Wir hatten nach dem Nachtgebet noch die Gelegenheit mit Pfarrer Hans-Peter Lauer und dem Moderator des Abends Wilfried Müller zu sprechen.

XN: Woher kommt die Idee des „Politischen Nachtgebetes“?

Hans-Peter Lauer: Die entstand bei uns während der Arbeitskämpfe von Kohle und Stahl 1987, die wir oft mit Gottesdiensten begleitet haben. Daraus entstand der Wunsch, dies nicht nur punktuell und sporadisch zu machen, sondern ein festes politisches Forum zu etablieren, was einmal im Monat stattfindet. Der Name „Politisches Nachtgebet“ haben wir von den Kölnern übernommen, wo dies in den 70er Jahren unter anderem mit Heinrich Böll stattfand.

XN: Die Veranstaltung war heute gut besucht. Ist die Resonanz immer so groß?

Hans-Peter Lauer: Das ist themenabhängig. Die letzte Veranstaltung hatte das Thema Marxloh, die Probleme des Stadtteils, die verschiedenen Interessengruppen. Da konnte man mit den Lokalpolitikern diskutieren. Ja, da waren ein paar mehr in der Kirche. Die Menschen interessieren sich für ihren Stadtteil und ja klar auch für Themen aus der Arbeitswelt.

Wilfried Müller: Ich erinnere da an die Aktion „Schiene“. Die Kollegen aus dem Bereich Schiene waren früher direkt bei Thyssen beschäftigt und sollten ausgegliedert werden. Die haben tatsächlich Eisenbahnschienen in die Kirche gelegt. Überall waren die Transparente aufgehangen. Da war es proppenvoll in der Kirche.

XN: Was bewegt das Nachtgebet?

Hans-Peter Lauer: Nun, es ist schwierig Erfolge zu messen, oder gar Verhaltensweisen zu ändern. Ich denke wir geben den Menschen Mut, Kraft und vor allem Solidarität, die sollen merken, dass sie nicht alleine gelassen werden.

Wilfried Müller: Grade die Aktion mit den Schienen hatte eine gute Medienresonanz. Die Kollegen wurden wahrgenommen, das tat denen sichtlich gut.

XN: Erreichen sie mit dem Nachtgebet auch Menschen, die normalerweise nicht in die Kirche gehen, oder kommt immer nur die „Stammmannschaft“?

Hans-Peter Lauer: Ja durchaus. Es kommen immer auch Menschen, die wir nicht von der Sonntagsandacht her kennen, was natürlich sehr schön ist.

XN: Vielen Dank

Wer weitere Informationen möchte bekommt sie hier

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