Loveparade: Spaß haben bis zum Kotzen

Wolfgang Rabe möchte die Loveparade 2010 nicht in Duisburg haben; Adolf Sauerland dagegen schon. Wenn diese Homepage jetzt eine Comedyseite wäre … – ist sie aber nicht. Wenn ich jetzt indiskret wäre … – bin ich aber nicht.

Ich bin meistens eher miesepeterig. Also ziemlich schlecht drauf; mir passt nämlich so einiges nicht. Oder was meinen Sie, warum ich mir hier ständig meinen Missmut von der Seele schreibe?
Weil es nicht so ist, wie es sein soll. Wäre es so, also entspräche das Ist dem Soll, dann müsste ich ja nicht ständig meine ätzend-giftigen Bemerkungen ungefragt auf die Menschheit loslassen. Dann würde ich mich einen Scheiß für Politik interessieren. Dann würde ich …

Ach Du lieber Himmel! Das wäre aber erst recht eine Scheiße! Einfach mal so unheimlich gut drauf sein. Motto: „Friede, Freude, Eierkuchen“. Und damit auf Demo gehen. Ja, das ist dann auch eine politische Demonstration. Es geschah am 1. Juli 1989. Ich erinnere mich. Während ich total beschissen zurecht war, demonstrierten etwa 150 junge, fröhliche Menschen in Berlin politisch für Friede, Freude, Eierkuchen, angemeldet von einem gewissen Dr. Motte.
Aber das war nur der Anfang; es wurden jährlich mehr, denen der politische Sinn nach Friede, Freude, Eierkuchen stand. Von 1997 bis 2001 kamen jährlich eine Million und mehr zur Loveparade.

Das wurde dann dem Dr. Motte doch etwas zu kommerziell, weshalb er 2006 zur Fuckparade gewechselt ist,  die ursprünglich Hateparade hieß.

Und die Loveparade ist auch gewechselt, und zwar ins Ruhrgebiet. In Berlin traten zuletzt nämlich nur noch etwa 500 Tausend Leute an. So konnte es natürlich nicht weiter gehen. Dann 2007 in Essen: 1,2 Mio. Besucher! Ja Super. Und letztes Jahr

in Dortmund: 1,6 Mio. Besucher. Der absolute Rekord – trotz starken Regens. Toll!
Hätte man vielleicht dabei gewesen sein müssen. Denn Bochum hat für 2009 abgesagt; und jetzt steht 2010 in Duisburg auf der Kippe. Hoffentlich kriegt Sauerland das noch klar gemacht. Loveparade, das wäre doch mal geil!

Überall diese knallharten Beats, je highspeediger, desto besser. Uff ta, uff ta, uff ta, uff ta. Affengeile Techno-Musik. Und all die Raver! Astrein. Und nachts wird weiter Party gemacht. Zehntausende People mit stark eingeschränkter Hirnleistungsfunktion auf Ecstasy. Ja, wenn das nicht geil ist …
Apropos geil. Es kommen ja nicht nur die jungen Freunde schneller Elektromusik. Es kommen Hunderttausende Leute, die einfach mal, tja: Spaß haben wollen. Mädels, Mädels, Mädels – leicht bekleidet oder auch gar nicht bekleidet. Ja, ist das geil – oder ist das geil. Und damit die auch wirklich zu ihrem Spaß kommen, reisen aus nächstenliebenden Gründen auch Jungs an. Jungs, ja Gott, auch Abertausende notgeile ältere Herren, die auch einfach nur mal ihren Spaß haben wollen.

Verstehen Sie mich nicht falsch! Es ist nicht so, dass, nur weil ich eine Spaßbremse bin, ich Anderen ihren Spaß nicht gönne. Liebe – ja sicher, gute Sache. Auch Güte und Barmherzigkeit, darf ich als Christ hinzufügen. Ich gönne wirklich jedem dieser durchgeknallten Vollidioten alles, was sie wollen. Toleranz, ganz wichtig! Warum auch nicht? Warum nicht im Kantpark auch mal heteromäßig rumvögeln?

Alles, was Männern Spaß macht. Für mich kein Problem. Okay, ich bin ein miesepeteriger Stänkerer. Aber ich sage immer: Man muss auch gönnen können. Adolf Sauerland sagt: „Wir freuen uns auf das Ereignis.“ Ehe Sie sich fragen, wen er eigentlich mit wir meint: also, mich zum Beispiel. Ich kann es kaum noch abwarten: was dem Raver sein Uff ta ta mit Ecstasy, ist mir der Anblick des dummgeilen Packs in Millionenstärke. Auch ich will einmal Spaß haben bis zum Kotzen.
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4 thoughts on “Loveparade: Spaß haben bis zum Kotzen

  1. Ich empfinde Ihre Haltung als extrem konservativ, spießig, kleinbuergerlich, verächtlich, herabsetzend, arrogant, voreingenommen und vorurteilsbelastet, Herr Dr. Jurga. Woraus speist sich Ihr Sendungsbewusstsein?
    So ganz und gar nicht SPD! Eher eine Mischung aus REP, NPD, DVU, Islam und CDU! So schreibt nur jemand, der sich nie wirklich mit Rave und der dahinter stehenden P.L.U.R.-Philosophie befasst hat.

    Ich finde Sie sollten das in einer neuen, reflektierten „Kolumne“ mal revidieren, nun, wo auch bestimmt Ihnen bekannt ist, dass es ganz normale Jugendliche, weder nackte noch korpulierende sind, die sich von diesen Events angezogen fuehlen. Denn wenn das so stehen bleibt als letztes Statement ist alles nachfolgende von Euch zum Thema Loveparade unglaubhaft und ein zusätz-
    licher Schlag ins Gesicht fuer sämtliche Opfer, Hinterbliebenen und all jene, die dieses Grauen miterleben mussten. Harmlose, ganz normale Kinder und Jugendliche waren dort wie z.B. der Sohn von Hannelore Kraft), fuer die Love Liebe bedeutet und nicht Sex wie fuer alte – um Sie zu zitieren – „notgeile“ Kerle.
    Ihre Wortwahl ist wirklich absolut daneben (Sie wuerden wahrscheinlich sagen „unter aller Sau“, damit auch der Letzte kapiert, woher Sie kommen oder wo Sie wohnen).
    Wen interessierts, was er denkt, wenn er so krank denk und das auch noch publik machtt?! Die Bilder, die er,
    Kurt Janssen und viele viele andere im Kopf haben entsprechen den gesendeten Kommerz-Marketingbildern
    eines Dr. Motte und eines Rainer Schallers, die mit der Wirklichkeit der normalen Rave-Szene nichts, aber auch
    gar nichts zu tun hat! Auf deren Floats zählt – wie ueberall (auch auf Eurer Seite!) „sex sells“.
    Jene Bilder, die Eva Hermann dazu verfuerhren von Sodom und Gomorrha zu sprechen.
    Mittlerweile sollten eigentlich auch Sie kapiert haben, dass die echte Rave-Szene seit circa 10 Jahren nicht mehr zur Loveparade geht (eben wegen dieser Bilder und des seelenlosen Kommerzes) und weil das Ganze nichts aber auch gar nicht mit einer Raver-Party zu tun hat! Was aber dennoch eine gutmuetige, sozial engagierte, respekt- und liebevolle Jugend nicht davon abhält das erste Mal in ihrem Leben eine Loveparade zu besuchen, ohne zu wissen, dass es das letzte Mal gewesen sein sollte. Spricht aus seinen unseligen Zeilen Neid? Es hört sich danach an. Ich finde, Sie sind es allen Anhängern dieser Musikkultur, allen, die an eine bewegung geglaubt haben (und das nach wie vor tun), allen Opfern, allen Hinterbliebenen und allen, die in Duisburg in die Hölle getrieben wurden schuldig, dass Sie sich fuer Ihre dummen Äußerungen entschuldigen!