Das Sandwich war ihr Schicksal

korteDie Schlacht ist geschlagen, die Wahl ist gewählt, die Kommentare sind geschrieben. Und was für einen Stuss die Leute da so alles von sich geben! Und wer sich so alles berufen fühlt, dazu seinen Senf abzugeben! Sogar ich.
Alles Kappes!

Lassen wir also die Wissenschaft zu Wort kommen! Gestern erschien im Internet auf derWesten.de ein Interview mit Karl-Rudolf Korte.
Nun sehen wir einiges klarer.

Der Redakteur fackelt nicht lange, sofort knallhart nachgefragt, wie Horst Schlämmer:
Hat Angela Merkel im Licht des Wahlergebnisses letztlich alles richtig gemacht?

Bevor ich Ihnen verrate, wie die Antwort auf diese nicht ganz leichte Frage aus wissenschaftlicher Sicht lautet, darf ich Sie bitten, einmal kurz selbst ihren Kopf anzustrengen: hat Frau Merkel alles richtig gemacht? Wirklich alles? Letztlich? Im Licht des Wahlergebnisses?
Die Zeit läuft. Während Sie nachdenken, und bitte lassen Sie sich nicht ablenken, darf ich Ihnen vorstellen: den Leiter der NRW School of Governance und der Forschungsgruppe Regieren, nämlich den Inhaber des Lehrstuhls für das politische System der Bundesrepublik Deutschland und moderne Staatstheorien, den aus Funk und Fernsehen bekannten Duisburger Politologen

Universitätsprofessor Dr. rer. pol. habil. Dr. phil. Karl-Rudolf Korte

Und, wie sieht es jetzt bei Ihnen aus? Sind Sie dahinter gekommen? Hier noch einmal die Frage: Hat Angela Merkel im Licht des Wahlergebnisses letztlich alles richtig gemacht?
Und jetzt die Antwort. Die wissenschaftlich korrekte. Karl-Rudolf Korte: Ja und nein.
Das hätten Sie nicht gedacht, was? Es ist nämlich so: Sie hat einen sehr präsidialen Wahlkampf geführt, auf sich selbst bezogen.
Verstehen Sie das? – Ich gebe zu, es ist nicht ganz leicht. Ein richtiger und unrichtiger Wahlkampf in einem, auf sich selbst bezogen und doch eine Mischung. Eine Mischung von „Auf den Kanzler kommt es an“ und „Keine Experimente“.
Diese Anspielungen setzen jetzt freilich fundierte Fachkenntnisse voraus. Ich wollte nur zeigen: es ist alles nicht so einfach – mit der Politologie.

Und mit der SPD. Besser gesagt: für die SPD. Entschuldigen Sie bitte: bei dieser komplizierten Materie komme ich schon mal durcheinander. Für die Sozialdemokraten wäre in der jetzigen Situation guter Rat tatsächlich teuer. Aber es gibt ja Prof. Korte:
Dieses Lavieren, das sie häufig gezeigt haben, zahlt sich am Ende in Machtperspektiven nicht aus. Man muss sich dann schon mal entscheiden, ob man zum linken oder zum anderen Lager gehören will.

Um Himmels willen! Jetzt könnte ich aber vor lauter Peinlichkeit in den Boden versinken. Schon wieder bin ich durcheinander gekommen. Das galt jetzt gar nicht für die SPD. Sorry! Das gilt für die Grünen. Alle Sozis jetzt einmal weggehört! Alle Grünen jetzt einmal aufgepasst! Gilt für Euch:
Dieses Lavieren, das sie häufig gezeigt haben, zahlt sich am Ende in Machtperspektiven nicht aus. Man muss sich dann schon mal entscheiden, ob man zum linken oder zum anderen Lager gehören will.
Wisst Ihr Bescheid, Schätzeleins!

So, und jetzt zu Euch, liebe Sozis. Für Euch gilt das nämlich nicht. Das mit dem Lavieren. Äh: doch. Also Ihr, Ihr sollt lavieren.
Die politische Mitte sollte für die SPD das Ziel sein und bleiben, sagt Korte. Ganz unproblematisch ist auch das freilich nicht. Jetzt wird es wirklich kompliziert. Ich selbst komme da nicht mehr so richtig mit; ich habe den Korte einfach noch nicht so richtig drauf. Ganz anders der Redakteur, er kann mit seinen Fragen beim Meister glänzen. Ganz locker kommt ihm das Lieblingswort des Stars über die Lippen: Sandwichposition. – Ich verbitte mir dieses Gekicher! Machen Sie sich mal andere Gedanken! Wir lesen jetzt weiter im Interview:

Frage: Die Sandwichposition bleibt also das Schicksal der SPD?
Korte: Ja, ich sehe nicht wie sie das ablegen kann.

das ablegen kann, das Schicksal natürlich, nicht das Sandwich. Sonst müsste es ja heißen: wie sie sie ablegen kann, die Sandwichposition. Klar: eine Position lässt sich nicht ablegen, und das Schicksal sowieso schon mal nicht. Zumal die politische Mitte für die SPD das Ziel sein und bleiben sollte Schicksal.
Andererseits ist so eine Sandwichposition gar nicht so schlecht. Also: nicht unbedingt, und jedenfalls nicht für die Grünen. So konnten wir vor anderthalb Jahren vom Duisburger Parteienforscher erfahren:
Die Grünen sind in einer komfortablen Sandwich-Lage.

Und genau deshalb sollen die jetzt auch mal aufhören mit dem Lavieren. Raus aus Sandwich! Rein damit mit der SPD! Alles ist Schicksal. Fressen und gefressen werden.

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