Bärbel Bas: Sie werden es nicht schaffen

001-baerbel_basGastkommentar von Bärbel Bas, der SPD-Bundestagskandidatin für den Wahlkreis Duisburg I, vom Freitag, den 25. September 2009, zwei Tage vor der Bundestagswahl

Morgen noch eine Handvoll-Termine und dann wäre der Wahlkampf erst einmal geschafft. Ich freu mich. Eine ganze Menge Leute haben mir dabei geholfen und es hat wirklich Spaß gemacht. Anstrengend war es trotzdem und schon ziemlich komisch, das eigene Gesicht ständig auf Wahlplakaten zu sehen. Das ist ja nun wirklich nicht der erste Wahlkampf, den ich gemacht habe. Aber so was?! Ständig lächelt mich diese Frau an, die mir irgendwie bekannt vorkommt.

Morgen Abend lege ich die Beine hoch, dann hat der Wähler das Wort. Vor gut zwanzig Jahren, als ich in die SPD eingetreten bin, wurde gewitzelt, in Duisburg könne die SPD auch eine Mülltonne aufstellen. Sie würde gewählt. Aber diese Zeiten sind vorbei und ein Hauch von Nervosität ist auch erlaubt. Alle Leute sagen mir zwar ich soll mir „keinen Kopf machen“, in Duisburg könne ja für mich nichts schief gehen.
Es ist ja gut gemeint, und ich gehe davon aus, dass alles gut geht. Trotzdem brauche ich jede Stimme.

Was mir wirklich Sorge bereitet, ist die Wahlbeteiligung und der Wahlausgang allgemein. In den letzten Tagen sind die Umfragen für meine SPD besser geworden und ich würde wetten, dass es für Schwarz-Gelb nicht reicht. Aber es bleibt da so eine Unsicherheit. Es ist ja sogar denkbar, dass die zwar keine Mehrheit der Stimmen

bekommen, aber wegen dieser Überhangmandate trotzdem eine Mehrheit der Sitze schaffen. Das würden die eiskalt durchziehen.
Die Mehrheit der Deutschen will Schwarz-Gelb nicht. Die Menschen wollen keine Rückkehr zum Kasino-Kapitalismus, der die Welt an den Rand des Abgrunds geführt hat. Sie wollen keinen Neoliberalismus; deshalb hat Frau Merkel ja auch all die marktradikalen Sprüche aus ihrem Wahlkampf gestrichen. Allerdings auch nur aus ihrem Wahlkampf, nicht aus dem CDU-Programm. In einer Koalition mit einem Außenminister Westerwelle würde es sofort losgehen.

Die Experten sagen, dass die Weltwirtschaftskrise noch gar nicht richtig angekommen sei. Für diesen Herbst und Winter werden Entlassungswellen vorausgesagt! Ich lese, dass die Auftragslage in der Stahlindustrie wieder leicht anzieht. Gut. Doch ich höre auch bei den Vertrauensleuten von großen Duisburger Betrieben, dass die Lage weiter kritisch ist und die Menschen natürlich Angst um ihre Jobs haben.
Was wird aus all den Kurzarbeitern? Was wird aus den Arbeitnehmern bei Karstadt, was aus der Duisburger City? Die Arcandor-Pleite. Klar hat Middelhoff die auf dem Kerbholz. Aber es ist doch noch gar nicht so lange her, dass gerade er, aber auch die anderen Super-Manager, förmlich angebetet worden sind. Diese Typen galten als innovativ, modern und überhaupt ziemlich spitze, während jeder sozialdemokratische Vorschlag als altbacken, miefig, eben von gestern dargestellt wurde.
Duisburg wird mit dem Desaster, das diese Leute angerichtet haben, erst noch fertig werden müssen. Einzelhandel, Stahl, Autozulieferer, Logistik – es könnte dicke kommen. Es wäre ein ziemlicher Hohn für die Menschen, wenn dann die Brandstifter die Löscharbeiten übernehmen sollten. Der Neoliberalismus von Schwarz-Gelb hat versagt.
Morgen noch einmal kräftig auf Achse: Infostände in Hochemmerich, Hochfeld und Stadtmitte, „Twittagessen“ um 13 Uhr am Hauptbahnhof, 24-Stunden-Infostand vom Jungen Team, Lichterlauf an der Regattabahn, Herbstfest im Jugendheim Friemersheim. Die anderen sind nervös, lese ich gerade in der Zeitung. Zu Recht, denn der Vorsprung für Schwarz-Gelb ist weg. Sie werden es nicht schaffen. Die Menschen wollen das nicht.

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