DEKRA: 18- bis 24-jährige Verkehrsteilnehmer haben das größte Unfallrisiko

Frankfurt (ots) – Die international tätige Sachverständigen-Organisation DEKRA weist auf der diesjährigen IAA in Frankfurt neue Wege, die Zahl der jungen Autofahrer, die im Straßenverkehr ums Leben kommen, nachhaltig zu senken. DEKRA Chef Dr. h.c. Klaus Schmidt sagte bei einem Pressegespräch am 16. September: „Junge Autofahrer tragen mit Abstand das größte Unfallrisiko. Im Jahr 2008 gehörten in Deutschland rund 20 Prozent aller im Straßenverkehr Getöteten der Altersgruppe 18 bis 24 Jahre an. Dabei beträgt der Anteil dieser Gruppe an der Gesamtbevölkerung nur 8,3 Prozent.“ Auch europaweit liegt der Anteil getöteter junger Fahrer bei über 20 Prozent, bei einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 11,5 Prozent. Zur Optimierung der Verkehrssicherheit schlägt Schmidt daher ein Bündel von Maßnahmen vor. Dazu zählen die verstärkte Überprüfung der technischen Sicherheit älterer Fahrzeuge, eine Zusatzausbildung für Fahranfänger und ein massives Vorgehen gegen Alkohol am Steuer.
„Leider werden die in der EU-Charta formulierten Ziele zur Halbierung der Anzahl der Verkehrstoten bis 2010 nicht erreicht werden“, betont Dr. Klaus Schmidt. Er appelliert deshalb an alle Unterzeichner der EU-Charta, auch über das Jahr 2010 hinaus aktive Beiträge insbesondere für die Risikogruppe der jungen Fahrer zu leisten. Dr. Schmidt: „Wie die Aktivitäten von DEKRA zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zeigen, gibt es viele positive Ansätze, die europaweit gebündelt werden müssen, um eine breite Wirkung zu erzielen.“

„Die Brisanz des Themas ‚Junge Fahrer in alten Autos‘ wird noch immer vielfach unterschätzt“, sagt Schmidt. Das Gefährdungspotenzial setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen: geringe Fahrpraxis, technische Mängel an den überwiegend älteren Fahrzeugen und mangelnde Instandhaltung. Daher sei es unumgänglich, sich ernsthaft über die europaweite Einführung der jährlichen Hauptuntersuchung für Pkw älter als acht Jahre Gedanken zu machen.
DEKRA hat bereits vor drei Jahren auf die negative Unfallentwicklung bei jungen Autofahrern reagiert und die Sicherheitsinitiative „SafetyCheck“ ins Leben gerufen. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee ist Schirmherr dieser Aktion. DEKRA lädt jährlich junge Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren ein, ihre Fahrzeuge kostenlos auf sicherheitsrelevante Mängel hin überprüfen zu lassen. Im Jahr 2009 nahmen bundesweit rund 15.500 Autohalter an dieser Aktion teil. Schmidt regt an, diese erfolgreiche Sicherheitskampagne auf alle Kernländer der EU auszudehnen.
„Die Ergebnisse von SafetyCheck zeigen, dass für die Sicherheit junger Fahre-rinnen und Fahrer großer Handlungsbedarf besteht“, ergänzt Clemens Klinke, Vorsitzender der Geschäftsführung der DEKRA Automobil GmbH. „Der extrem hohen Mängelquote kann mit einer jährlichen Überprüfung älterer Autos wirkungsvoll begegnet werden.“
Ältere Fahrzeuge mit zahlreichen sicherheitsrelevanten Mängeln
Bei der Aktion „SafetyCheck 2009“ ermittelte DEKRA mehr als 42.000 Mängel. Im Schnitt waren die untersuchten Fahrzeuge elf Jahre alt und hatten rund 126.000 Kilometer auf dem Tacho. Bei mehr als jedem dritten (34,5 Prozent) Fahrzeug fehlten wichtige Sicherheitseinrichtungen wie Fahrerairbag, ABS oder ESP. 72 Prozent der jungen Erwachsenen fuhren einen Pkw, der acht Jahre oder älter war.

Schwere Mängel stellten die Prüfer überdurchschnittlich häufig an sicherheitsrelevanten Bauteilen fest. An mehr als jedem zweiten Pkw (54 Prozent) lokalisierten die Sachverständigen Mängel am Fahrwerk, den Reifen und der Karosserie; 43 Prozent der Fahrzeuge hatten Mängel an der Bremsanlage.
Weiteres beunruhigendes Ergebnis: Die Anzahl der an den Pkw junger Fahrer festgestellten Mängel nahm mit steigendem Fahrzeugalter stark zu. Bei den Fahrzeugen 8 Jahre und älter erreichte die Mängelquote eine Wert von 88,5 Prozent. Während alle geprüften Autos im Schnitt 2,7 Mängel aufwiesen, waren es bei den über acht Jahre alten Fahrzeugen durchschnittlich 3,3 Mängel. „Im Dreijahresvergleich 2007 bis 2009 bleibt die Mängelquote auf konstant hohem Niveau“,

betont Klinke. Das Unfall- und Verletzungsrisiko für junge Fahrer in alten Autos steigt laut Klinke jedoch nicht nur aufgrund der hohen Mängelquote, sondern auch infolge einer vielfach fehlenden Sicherheitsausstattung der Fahrzeuge. Hinzu kommt eine mangelnde Wartungsmoral und die Neigung zu Do-it-yourself-Reparaturen.

Ein weiterer großer Risikofaktor im Straßenverkehr ist Alkohol am Steuer. Im Jahr 2008 starben in Deutschland 523 Personen an den Folgen eines Alkoholunfalls. Das entspricht 12 Prozent aller Verkehrstoten. Allein ein Drittel aller alkoholisierten Fahrer bei Unfällen mit Personenschäden entstammt der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen. Deshalb sind DEKRA und die Sicherheitsinitiative ‚Driver’s Corner‘ von Bacardi eine Kooperation gegen Alkohol am Steuer eingegangen. Gemeinsam wollen die Partner künftig über die Risiken technischer Fahrzeugmängel aufklären und junge Leute aktiv dazu anhalten, auf Alkohol im Straßenverkehr zu verzichten.
‚Begleitetes Fahren mit 17‘ hat sich bewährt

DEKRA spricht sich weiter dafür aus, das Modellprojekt „Begleitetes Fahren mit 17“ auf eine breitere Basis zu stellen. So können die Sachverständigen des Bereichs Fahrerlaubnisprüfungen in den neuen Bundesländern die positiven Zwischenergebnisse einer Evaluationsstudie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BaSt) bestätigen. Die DEKRA Auswertungen zeigen, dass die Teilnehmer des Modellversuchs BF17 bei der Fahrerlaubnisprüfung sowohl in Theorie als auch Praxis besser abschneiden als herkömmlich ausgebildete Fahranfänger. In der Theorieprüfung von DEKRA lag die Erfolgsquote der BF17-Teilnehmer um 5,3 Prozent höher, in der praktischen Prüfung um 2,5 Prozent. Dies ist laut Klinke ein weiteres Indiz dafür, dass es Sinn macht, das Projekt BF17 auf alle Länder der EU auszuweiten.

DEKRA Chef Klaus Schmidt regt darüber hinaus an, europaweit eine Zusatzausbildung für Führerscheinneulinge einzuführen. Als positives Beispiel nennt er das gesetzlich in Österreich vorgeschriebene Sicherheitstraining. Junge Fahranfänger sind auch dort in den Unfallstatistiken überrepräsentiert. Im Jahr 2003 wurde deshalb eine zweite Ausbildungsphase für alle Führerscheinneulinge eingeführt. Diese sieht Perfektionsfahrten, ein Fahrsicherheitstraining und verkehrspsychologische Gruppengespräche vor. Eine Evaluationsstudie aus dem Jahr 2006 belegt den deutlichen Rückgang der Unfälle mit Verletzten. Insbesondere gab es weniger Verletzte bei Alleinunfällen, die durch männliche Lenker verursacht wurden.

Comments are closed.