„Nur wer sich politisch einsetzt, kann auch etwas verändern“ – Interview mit Jennifer Metzlaff

001-metzlaffJennifer Metzlaff ist seit 2006 in der SPD. Als stellvertretende Vorsitzende der SPD Röttgersbach und Vorstandsmitglied der Jusos Duisburg setzt sie sich politisch für gute Kindergärten und Schulen mit ordentlicher Mensa sowie ein kostengünstiges Bus- und Bahnticket für alle ein. Neben den politischen Tätigkeiten studiert sie Tourismus- und Eventmanagement in Düsseldorf.
Grade das Studium an einer privaten Hochschule führte in den letzten Tagen zu heftigen Diskussionen. Wir fragten bei Jennifer Metzlaff nach.

XN: Frau Metzlaff, Donnerstag strahlte die WDR-Lokalzeit Duisburg einen Beitrag über sie und ihr Werbeplakat aus. Haben Sie den gesehen und wie war Ihre erste Reaktion?

Ja, ich habe den Beitrag (später) gesehen und kann die Aufregung nicht ganz nachvollziehen.

XN: Am Freitag legte das Online-Portal „Der Westen“ nach und veröffentlichte eine AP-Meldung mit dem Titel „Privathochschul-Absolventin wirbt gegen Studiengebühren“, welcher im Laufe des Tages zu einigen Kommentaren anregte. Ist es aus Ihrer Sicht paradox, als Studentin an einer Privathochschule gegen Studiengebühren zu sein?

Nein, da sehe ich keinen Konflikt. Schließlich war es ja keine bewusste Entscheidung gegen eine staatliche Universität. An staatlichen Universitäten gibt es meinen Studiengang nicht. Für mich ist es paradox, wenn ein Studiengebührenzahler nicht gegen Studiengebühren sein darf. Denn gerade jemand, der Studiengebühren zahlt, weiß doch, wie schwierig es ist und auf was man alles verzichten muss, um sich das Studium leisten zu können, egal, ob mit oder ohne finanzielle Unterstützung der Eltern!

XN: Stimmt Sie der Erscheinungstermin, der ja nah zur Kommunalwahl liegt, misstrauisch?

Natürlich macht einen die Terminnähe zur Kommunalwahl zunächst misstrauisch, aber in einigen anderen Bundesländern ist an diesem Wochenende ja auch Landtagswahl. Insofern ist der Termin natürlich günstig gewählt worden, falls es tatsächlich kein Zufall war.

XN: Kommen wir mal auf die Studiengebühren zurück. Sind Sie generell gegen Studiengebühren, oder sind etwa die Studiengebühren für sogenannte Langzeitstudenten aus Ihrer Sicht legitim?

Die Frage ist doch: Ab wann ist man überhaupt Langzeitstudent? Ich bin allerdings grundsätzlich gegen Studiengebühren, da dies meiner Meinung nach eine soziale Auswahl darstellt. Und in unserer Gesellschaft kann und darf Bildung nicht in Abhängigkeit zum Vermögen der Eltern gewährt werden. Jeder soll und muss die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, welchen Bildungsweg er oder sie gehen möchte! Und zwar ohne sich für ein Studium verschulden zu müssen!

XN: Sie engagieren sich ja politisch besonders in der Jugendorganisation der SPD, den Jusos. Spüren Sie Politikverdrossenheit bei jüngeren Menschen? Und wenn ja, wie könnten perspektivische Konzepte dagegen aussehen?

Ich würde es nicht Politikverdrossenheit nennen, meiner Meinung nach fehlt jüngeren Menschen einfach der Politikbezug an sich. Klar, Politik an sich ist bekannt, aber wenn es dann um einzelne Politiker oder um Parteiprogramme geht, dann wissen Jüngere meist nicht Bescheid. Wenn ein gewisses Politikverständnis nicht von zuhause aus mitgegeben wird, sollte aber mindestens die Schule dieses Interesse wecken und den Schülern Politik so anschaulich wie möglich näher bringen. Sinnvoll dafür ist aus meiner Sicht – nach der Vermittlung von Grundkenntnissen – zuallererst der Kontakt zu Politikern selbst. Nur dann, wenn man die beteiligten Menschen auch kennt, kann man sich selbst in deren Position hineinversetzen und diese nachvollziehen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, erst dann macht Politik wirklich Spaß!

XN: Am Sonntag treten Sie als SPD-Kandidatin für einen Sitz in der Bezirksvertretung Hamborn an. Nennen Sie uns fünf Gründe, Sie zu wählen!

1. Jüngere Menschen müssen auch in der Politik vertreten werden, am besten durch Altersgenossen!
2. Ich kämpfe für den Erhalt der Rhein-Ruhr-Halle, der von über 4000 Hambornern gewollt ist.
3. Duisburg braucht einen besseren ÖPNV, der alle Stadtteile untereinander und mit dem Stadtzentrum rund um die Uhr verbindet. Dafür setze ich mich ein!
4. Nur wer sich politisch einsetzt, kann auch etwas verändern. Das möchte ich gemeinsam mit den anderen Bezirksvertretern in Hamborn tun.
5. Last, but not least: Mir ist wichtig, dass Bildung von Kindergarten bis Studium kostenfrei ist und alle Zugang dazu haben!

XN: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg am Sonntag

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