Agrarministerin Aigner im stern: „Milch sollte nicht zur Leitwährung für Billigprodukte werden“

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU)

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU)

Hamburg (ots) – Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ist optimistisch, dass der Milchpreis seine Talfahrt bald stoppen wird. „Der Milchpreis wird sich hoffentlich bald wieder erholen“, sagte die Ministerin im Interview in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des Hamburger Magazins stern. Auf längere Sicht jedenfalls habe „die Landwirtschaft sehr gute Prognosen, weil wir mit einer steigenden Weltbevölkerung rechnen, die wir ja ernähren müssen“. Der derzeitige Erzeugerpreis für einen Liter Rohmilch von etwa 20 Cent reiche für die Landwirte nicht, sagte Aigner: „Milch sollte nicht zur Leitwährung für Billigprodukte werden. Diejenigen, die Milch herstellen, müssen auch davon leben können.“ Selbst 23 oder 24 Cent reichten nicht, um die Kosten zu decken.

Die CSU-Frau widersprach gegenüber dem Magazin Landwirten, die eine verfehlte Agrarpolitik der EU und ihrer Mitgliedsstaaten für den niedrigen Milchpreis verantwortlich machen. Die Ausweitung der Milchquote durch die EU-Agrarminister sei nicht die Hauptursache für das Überangebot an Milch: „Die Nachfrage ist einfach zu gering.“ Dass zu den Hilfsmaßnahmen auch die umstrittenen EU-Exportsubventionen gehören, die von Entwicklungshilfe-Organisationen kritisiert werden, stört die Ministerin nicht: „Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass keine Erstattungen bei der Ausfuhr von Milchprodukten in besonders sensible, wenig entwickelte Länder gewährt werden“, sagte sie dem stern. Außerdem seien viele Entwicklungsländer aus klimatischen Gründen auf die Einfuhr von Milchprodukten angewiesen und daher an niedrigen Verbraucherpreisen interessiert. Aigners Schlussfolgerung: „Von einem Preisdumping auf dem Weltmarkt kann keine Rede sein.“

Die Ministerin kritisierte in dem Interview, dass der Koalitionspartner SPD an dem Agrarthema wenig interessiert sei. Aigner zufolge geht es um das Schicksal von rund 100.000 Milchbetrieben, „eine Größenordnung, über die man sich Gedanken machen sollte“.

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