Traurige Kaufhaus-Musik regt zum Shoppen an

München (ots) – 30. Juli 2009 – „Verführung gelingt oft am besten, wenn wir nicht merken, dass wir verführt werden“, erklärt Sozialpsychologe Robert Levine, der sich seit Jahrzehnten mit den Regeln der Beeinflussung beschäftigt. Wie die Gruner+Jahr-Zeitschrift WUNDERWELT WISSEN in der aktuellen Ausgabe berichtet (03/2009 ab morgen im Handel), finden beispielsweise die meisten Geheimdienstverhöre heute nicht in geheimen Folterkellern sondern an öffentlichen Plätzen statt: in Kneipen, Restaurants und Cafés.

„Idealerweise merkt das Vernehmungsobjekt nicht einmal, dass es vernommen wird“, sagt der britische Geheimdienst-Experte Dominic Streatfield. Häufig geben sich solche Vernehmer als Journalisten aus. Je harmloser sie wirken, desto ergiebiger sind die Gespräche. Die schärfste Waffe, um an geheime Informationen zu gelangen, ist damit nicht der Elektroschocker, sondern eine geheime Macht namens Sympathie. Vor allem Frauen, Teenager und zur Ängstlichkeit neigende Männer können sich dieser Manipulation des Lächelns „kaum entziehen“, heißt es im Verhörhandbuch des US-Geheimdienstes CIA.

Eine Studie der Entscheidungsforscherin Cynthia Cryder zeigt zudem, dass niedergeschlagene Menschen die am leichtesten zu verführenden Kunden sind. Cryder fand heraus: Traurige Testpersonen geben für dieselben Waren fast viermal mehr Geld aus als ausgeglichene Kunden. Das Praktische daran: Frust-Shopper merken nicht einmal, wenn sie über den Tisch gezogen werden. Im Gegenteil. Das Kauferlebnis verbessert ihre Laune automatisch – der Kunde behält seinen Geschäftspartner in bester Erinnerung. Geld spielt dabei so gut wie keine Rolle. Also Vorsicht, wenn im Kaufhaus traurige Geigentöne erklingen – es könnte sein, dass gerade jemand versucht, die Kunden zu manipulieren.

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