Deutscher Staat früh über Kapitalnot der HRE informiert

Hamburg (ots) – Der deutsche Staat war weit früher über die existenzielle Kapitalnot der Hypo Real Estate (HRE) informiert als bisher bekannt. Dies belegen interne Unterlagen der Deutschen Bundesbank, die ZEIT ONLINE vorliegen. Bereits Anfang November 2008 – zu einem Zeitpunkt also, als die Verhandlungen über die endgültige Ausgestaltung des Rettungspakets für das angeschlagene Münchener Institut noch andauerten – befürchtete die Bundesbank in einer Szenariorechnung ein Absinken der Kernkapitalquote der HRE unter die vorgeschriebene Mindestgrenze. „Unter Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren (…) ergibt sich eine Kernkapitalquote 3,7 Prozent“, heißt es in dem Bericht vom 5. November. Fällt die Kernkapitalquote einer Bank unter vier Prozent, droht ihr die sofortige Schließung durch die deutsche Finanzaufsicht. In dem internen Papier stellt die Bundesbank die Notwendigkeit einer deutlichen – und damit langfristig den Erhalt sichernden – Rekapitalisierung der HRE fest: „Für eine anzustrebende Kernkapitalquote von 8% ergibt sich ein Kernkapitalbedarf in Höhe von 4,16 Milliarden Euro“. Auch das Bundesfinanzministerium war zu diesem Zeitpunkt offenbar über den Ernst der Lage informiert. Ein HRE-Vorstandsmitglied habe dem Finanzministerium „am 03.11.08 einen voraussichtlichen Kapitalmehrbedarf von ca. 4,2 Milliarden Euro avisiert“, heißt es in dem Bundesbankschreiben weiter. Die HRE war erst wenige Wochen an zwei dramatischen Wochenenden von der Bundesregierung und der deutschen Finanzindustrie gerettet worden. Das dabei vereinbarte Konzept wurde erst am 13. November in all seinen Details endgültig beschlossen und sah nur staatliche Kredite und Ausfallgarantien vor. Von einer zusätzlich die Existenz bedrohenden Kapitalnot war öffentlich noch nicht die Rede, geschweige denn davon, dass der Staat diese Kapitalnot beheben müsste. Erst Monate später, im Februar 2009, sollte das Kabinett von Union und SPD die Verstaatlichung der Bank beschließen. Inzwischen hält der deutsche Staat 90 Prozent an der HRE, mehr als 3 Milliarden Euro sind im Zuge der Übernahme bisher geflossen. Mehrere zusätzliche Milliarden sind nötig, um die Bank durch die Krise zu bringen.

002-hrepngHamburg (ots) – Der deutsche Staat war weit früher über die existenzielle Kapitalnot der Hypo Real Estate (HRE) informiert als bisher bekannt. Dies belegen interne Unterlagen der Deutschen Bundesbank, die ZEIT ONLINE vorliegen. Bereits Anfang November 2008 – zu einem Zeitpunkt also, als die Verhandlungen über die endgültige Ausgestaltung des Rettungspakets für das angeschlagene Münchener Institut noch andauerten – befürchtete die Bundesbank in einer Szenariorechnung ein Absinken der Kernkapitalquote der HRE unter die vorgeschriebene Mindestgrenze. „Unter Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren (…) ergibt sich eine Kernkapitalquote 3,7 Prozent“, heißt es in dem Bericht vom 5. November. Fällt die Kernkapitalquote einer Bank unter vier Prozent, droht ihr die sofortige Schließung durch die deutsche Finanzaufsicht. In dem internen Papier stellt die Bundesbank die Notwendigkeit einer deutlichen – und damit langfristig den Erhalt sichernden – Rekapitalisierung der HRE fest: „Für eine anzustrebende Kernkapitalquote von 8% ergibt sich ein Kernkapitalbedarf in Höhe von 4,16 Milliarden Euro“. Auch das Bundesfinanzministerium war zu diesem Zeitpunkt offenbar über den Ernst der Lage informiert. Ein HRE-Vorstandsmitglied habe dem Finanzministerium „am 03.11.08 einen voraussichtlichen Kapitalmehrbedarf von ca. 4,2 Milliarden Euro avisiert“, heißt es in dem Bundesbankschreiben weiter. Die HRE war erst wenige Wochen an zwei dramatischen Wochenenden von der Bundesregierung und der deutschen Finanzindustrie gerettet worden. Das dabei vereinbarte Konzept wurde erst am 13. November in all seinen Details endgültig beschlossen und sah nur staatliche Kredite und Ausfallgarantien vor. Von einer zusätzlich die Existenz bedrohenden Kapitalnot war öffentlich noch nicht die Rede, geschweige denn davon, dass der Staat diese Kapitalnot beheben müsste. Erst Monate später, im Februar 2009, sollte das Kabinett von Union und SPD die Verstaatlichung der Bank beschließen. Inzwischen hält der deutsche Staat 90 Prozent an der HRE, mehr als 3 Milliarden Euro sind im Zuge der Übernahme bisher geflossen. Mehrere zusätzliche Milliarden sind nötig, um die Bank durch die Krise zu bringen.

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