Cornelia Schleime: Ich zeige nicht alles – Museum van Bommel van Dam, Venlo

Cornelia Schleime, Aus der Reihe: See you (696), 2015, Aquarell auf Bütten, courtesy Livingstone gallery The Hague / Galerie Michael Schultz Berlin

Cornelia Schleime, Aus der Reihe: See you (696), 2015, Aquarell auf Bütten, courtesy Livingstone gallery The Hague / Galerie Michael Schultz Berlin

Nach der Friseurlehre, folgen erst ein Maskenbildner-, dann ein

Kunststudium, danach das Ausstellungsverbot. Sie singt in einer Punk-Band und dreht Schmalfilme. Nach fünf abgelehnten Ausreiseanträgen muss Cornelia Schleime 1984 die DDR innerhalb von 24 Stunden verlassen und ihr gesamtes Oeuvre verschwindet auf mysteriöse Weise – alles unter den Augen der Stasi. So könnte die Kurzfassung des früheren Lebens der Berliner Künstlerin lauten.

 

Unter dem Titel ‚Ich zeige nicht alles‘ präsentiert das Museum van Bommel van Dam in Venlo Arbeiten auf Papier von Cornelia Schleime (*Berlin, 1953). Bei dieser in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin entstandenen Schau, die zuvor im Musée d’art Moderne im französischen Saint Ètienne zu sehen war, präsentiert das Venloer Museum eine Auswahl aus den expressiven, fast surrealistischen Zeichnungen der Serien Animation, Camouflage, Mutationen, Köpfe und See You. Unter den ausgewählten Zeichnungen befinden sich auch Arbeiten aus der hauseigenen Sammlung des Museums, von Leihgebern sowie wichtigen niederländischen Privatsammlungen.

 

An den Rändern von Cornelia Schleimes schier unerschöpflicher Imagination scheinen Subjekt und Objekt, entgegen aller Logik, bisweilen ganz unvermittelt eins zu werden, um tatsächlich zu einem einzigen absurden Organismus zu verschmelzen. Schleime erschafft so Fabelwesen, die im bildlichen Sinne Assoziationen mit bekannten mythologischen Figuren der klassischen griechischen Sage evozieren; wie zum Beispiel dem Zentaur, dem Minotaurus oder einer kuriosen Chimäre aus Elefant und Mensch, dem indischen Ganesh.

Im Übrigen gibt es auffallende Parallelen zwischen den Zeichnungen der Berlinerin und den bahnbrechenden Oeuvres berühmter Filmregisseure wie Alain Resnais (‚Mon Oncle d’Amerique‘) und David Lynch (Mulholland Drive und Inland Empire/ ‚Eine Frau in Schwierigkeiten‘) in denen sich Menschen urplötzlich in Tiere verwandeln.

 

Bereits 2009 hatte das Museum van Bommel van Dam die aufsehenerregende Soloschau Love Affairs der Künstlerin gezeigt, die von Medien wie Publikum außerordentlich positiv aufgenommen worden war. Dank großzügiger Unterstützung des Venloer Knecht-Drenth-Fonds konnte das Museum 2009 ein wichtiges Gemälde sowie drei charakteristische expressive Arbeiten auf Papier aus der Serie Camouflage erwerben. Im Jahre 2014 konnten diese Erwerbungen noch um die großformatige Acrylarbeit Liegender Akt I und ein geheimnisvolles Porträt in Tusche und Aquarell aus der Serie Köpfe ergänzt werden.

 

Die Porträts aus dieser Serie die bereits Bestandteile der Ausstellung Augen zu und durch waren, visualisieren das Durchhaltevermögen und den Überlebenstrieb der dem Menschen innewohnt. Mit diesen Tugenden gewappnet stellen wir nach Rückschlägen und Widerständen unseren Blick auf ‚unendlich‘ und verfolgen unser Ziel fest entschlossen weiter. Genau diese Entschlossenheit entspringt aus Schleimes ‚Übersiedlung‘ von Ost- nach West-Berlin im Jahre 1984. Sie findet sich sowohl in ihrer Art zu leben wie auch in ihrem Werk wieder.

 

Cornelia Schleime, Aus der Reihe: See you (710), 2015, Aquarell auf Bütten, courtesy Livingstone gallery The Hague / Galerie Michael Schultz Berlin

Cornelia Schleime, Aus der Reihe: See you (710), 2015, Aquarell auf Bütten, courtesy Livingstone gallery The Hague / Galerie Michael Schultz Berlin

Aus ihrer neuesten Serie See You sind einige große Formate zu sehen, die das klassische Konzept der ‚Augen als Spiegel der Seele‘ bewusst vermeiden. Schleime sucht mit diesen Porträts hingegen die Konfrontation mit dem Betrachter; und sie tut dies mal provozierend, mal melancholisch oder nachdenklich. Sieht sie mich an, oder blickt sie durch mich hindurch? Dem Betrachter bleibt nichts anderes übrig als sich mit dem Bild zu befassen. Die Person im Bild lässt dich an sich heran (see you/ bis bald) oder weist dich ab (see you/ tschüss!).

 

Die Ausstellung ist Bestandteil der internationalen Wanderausstellung Cornelia Schleime – Oeuvres sur papier 1988-2014, die zuvor im Musée d’art moderne et contemporain der südfranzösischen Stadt Saint-Etienne zu sehen war. Im November 2016 wird Cornelia Schleime den „Hanna-Höch-Preis“ in der ‚Berlinischen Galerie‘ entgegen nehmen. In diesem Rahmen wird auch eine Retrospektive zu sehen sein.

 

Eröffnung:

Die Eröffnung findet am Sonntag 10. April 2016 um 15 Uhr in Anwesenheit der Künstlerin statt.

 

Publikation: ‚Echofenster‘

Zur Ausstellung ist die Publikation ‚Echofenster‘ erschienen. Cornelia Schleime ist bei der Eröffnung am 10. April 2016 anwesend, um das Buch zu signieren.

 

Die Ausstellung wurde von Gastkurator Jeroen Dijkstra (Livingstone Gallery, Den Haag) in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin und der Galerie Schultz, Berlin zusammengestellt.

 

 

http://www.cornelia-schleime.de

http://www.vanbommelvandam.nl/de

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