Das digitale Herz der Buchbranche

E-Books und Reader: Die Buchproduktion auf eBooks umzustellen, hat eigentümliche Konsequenzen. Ein Blick hinter die Kulisse:

The EPUB logo.

The EPUB logo. (Photo credit: Wikipedia)

Die gebräuchlichsten Dateiformate – ePub und seine geräte- bzw. serienspezifischen Ableger -, sind Container aus verschiedenen Dateien, zentral aus einer XHTML- und einer CSS-Datei, eventuell um professionell angelegte Bildschirm-Zeichensätze erweitert. Sie eröffnen einen relativ großen Gestaltungsspielraum. Leider ist dieser nur begrenzt nutzbar: Was von den Möglichkeiten in den verschiedenen Lesegeräten implementiert wurde, wie groß der Befehlssatz ist, der verarbeitet werden kann, ist ebenfalls zu berücksichtigen. Dies führt dazu, dass man sich als Produzent derzeit mit sonderbaren Kompromissen zu begnügen hat.

Die erste oder letzte Zeile eines Absatzes im Blätter-Modus der Geräte abzubrechen, ‘Hurenkinder’ und ‘Schusterjungen’ bei der Anzeige zu produzieren, ließe sich mit einfachen Mitteln vermeiden (CSS 2), doch die Geräte haben diesen Standard, wie bereits zuvor die Internet-Browser, nicht übernommen. Um einen Unterschied dieser Applikationen, zumal in der Verwendung, hat sich niemand gekümmert. Die Liste wäre nahezu beliebig fortsetzbar: Nicht alle Lesegeräte auf dem Markt können PNG-Bildformate akurat darstellen. Der Vorteil einer verlustfreien Kompression ist deshalb nicht nutzbar. Dass Verlage Schwierigkeiten haben, sich mit solchen Voraussetzungen anzufreunden, ist verständlich. Aus gestalterischer Sicht sind die marktüblichen Geräte insgesamt betrachtet nicht einmal Spielzeuge. Um die technischen Eigenschaften zu verbessern, werden derzeit die Multimediafähigkeiten *blinkblink* ausgeweitet (CSS 3 / HTML 5).

Normalerweise böten Tests den geeigneten Rahmen, um den Technikstand von Leseräten zu prüfen. Gerade die Technik, das ‘digitale Herz’ der Geräte, wird jedoch viel zu wenig beachtet. Eine Aufzählung von technischen Eigenschaften, die aus der Werbung stammen, zu denen üblicherweise auch die Beherrschung von CSS und HTML gehört, sagt wenig über den Grad aus. Fakt ist: Die Geräte beherrschen nicht einmal CSS 2. Die Daten sind nicht nur für Anwender interessant, sie geben auch die Produktionsbedingungen vor. Um Nutzern die marktrelevanten Eigenschaften von Lesegeräten zu erläutern, müsste kein Technik-Exkurs gegeben werden, es würde bereits ausreichen, auf den Umgang mit verlustfreier Kompression und mit satztypischen Anforderungen einzugehen.

Die Shops und die als Belieferer fungierenden Agenturen stellen den Verlagen Bedingungen: Nur die technologisch einfachste, rückständigste Produktion wird akzeptiert! Als einer der Gründe ist zu hören: Es könnte sich z.B. bei der Rezension eines Buches negativ auswirken, wenn ein PNG-Cover durch das verwendete Lesegerät nicht hinreichend darstellbar ist.

Es bleibt zu hoffen, dass die vielfach angeführte ‚digitale Revolution‘ tatsächlich noch in Schwung kommt, dafür muss das Herz aber kräftig genug ausgebildet sein.

Anlass des Beitrags: Der AutorenVerlag Matern stellt die Produktion aktuell auf eBooks um. Erschienen ist der Text zuvor beim Freitag.

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