… umgangssprachlich

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Deutsch: Johann Christoph Adelung (1732–1806), deutscher Bibliothekar und Sprachforscher Deutsch: Johann Christoph Adelung (1732–1806), German librarian and linguist (Photo credit: Wikipedia)

In Reaktion auf den Dreißigjährigen Krieg standen menschliches Verhalten und rechtliche Fragen im Zentrum. Die politische Brisanz von Naturrecht und bürgerlicher Gesellschaft blieb während der Aufklärung erhalten, in England als auch in Frankreich, insbesondere im Zusammenhang mit der Französischen Revolution (1789-1799). Die Interpretation änderte sich jedoch merklich.

Die natürliche soziale Freiheit, die ehemals Sorgen bereitet hatte, Hobbes umfänglicher als Pufendorf, den Schriften nach zu urteilen, wurde in Frankreich gegen den Adel und das absolutistische Königshaus gewandt. Fragen nach Kultur waren für Voltaire wichtig, er befürwortete einen ausgeweiteten Kulturbegriff, Rousseau orientierte sich an römischen Vorgaben, nahm konkret Bezug auf Landwirtschaft, Sitten und Bildung.

In Deutschland, zunächst unter einem an aufklärerischen Ideen interessierten absolutistischen Herrscher, sah die politische Situation etwas anders aus. Die Publikationsmöglichkeiten waren geringer eingeschränkt als in Frankreich, obgleich es auch in Deutschland Zensur-Edikte gab, zum Schutz von Religionen, Moral und öffentlicher Ordnung. Das gebildete Bürgertum konnte sich maßvoll entfalten, ohne den Weg in eine Revolution erwägen zu müssen und eine Solidarität mit Bauern und anderen Armen anzustreben.

Vor allem Ciceros Ansätze waren in der bildungsbürgerlichen Aufklärung präsent, freilich unter veränderten Voraussetzungen. Adelung, um ein Beispiel anzuführen, legte eine programmatisch lexikalische Fassung (1793) vor: Seiner Ansicht nach befördert Kultur die Aufklärung als Veredelung des Verstandes durch die Befreiung von Vorurteilen und die Verfeinerung der Sitten eines Volks. Ein bekundetes Interesse, das sich wie ein Bildungsprogramm liest, ohne jedoch zu präzisieren, wer konkret davon profitieren soll. Die von Friedrich II. eingeführte allgemeine Schulpflicht richtete sich primär an den Adel.

Zu sehr schwingt bei Adelung eine persönliche Begeisterung mit, als dass ich hinsichtlich der einbezogenen Aufklärung von einem normativen Kulturbegriff des Bürgertums sprechen würde, wie es sich in der jüngeren Literatur (Andreas Reckwitz, “Die Kontingenzperspektive der ‘Kultur’”, in: Handbuch der Kulturwissenschaften, hg. v. Friedrich Jaeger / Jörn Rüsen, Bd.3, 2004) durchgesetzt hat. Die sonderbare Besessenheit von der Suche nach Definitionen ist zwar angesichts des geschichtlich auffindbaren Sprachverhaltens verständlich, auch im Hinblick auf eine Etablierung der Kulturwissenschaft und ihrer Vermittlungsbemühungen, jedoch völlig unangemessen.

Eine normative Funktion der Erläuterung verliert sich im Schatten des Engagements. Fraglos kann jene Fassung von Kultur nicht für alle Menschen der damaligen Zeit geltend gemacht werden, dies wäre mit keiner zeitbezogenen Stellungnahme über Kultur möglich gewesen, sie lässt sich jedoch ebensowenig für eine gesamte Schicht oder Klasse beanspruchen, das Bildungsbürgertum, es gab auch gegenaufklärerische Bestrebungen mit der Betonung von Glaube oder Gefühl, noch reservieren.

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Adelung äußerte sich im Vorwort seiner Schrift „Versuch einer Geschichte der Cultur des menschlichen Geschlechts“ (1782) durchaus auch allgemeiner. Dort ist zu lesen: „Cultur ist mir der Übergang aus dem mehr sinnlichen und thierischen Zustande in enger verschlungenen Verbindungen des gesellschaftlichen Lebens.“ Hier ist deutlich der Einfluss Pufendorfs zu spüren. Nun aber zurück:

Das hervorstechende Merkmal der deutschen Aufklärung war, dass sie unpolitisch blieb und auf eine erstaunliche Weise rationalistische Befangenheit (Kant) hervorbrachte, anders als in England, wo der Erfahrung mehr Gewicht beigemessen wurde (Hume).

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Die essayistische Notiz “… umgangssprachlich” steht im Kontext eines Projektes über Kultur. Der erste Text der Reihe lautet: Der Award, der vorgängige Pufendorf und … – Ein Innehalten, der nächste Kultur als Massengrab?

Drei weitere Texte sind bereits veröffentlicht aber noch nicht eingereiht: Musik ist eine Hure, Das Ende einer Ära und Wenn Träume wahr werden, ist der Alptraum nicht weit.

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Beitrag von auf 2. September 2012. Abgelegt unter Allgemein, Kultur, Meinung, Panorama, Wissenschaft. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Kommentare und Pings sind geschlossen.