Eine Erfrischung

Helge Bol, nach einer Pinselzeichnung von Barbara Koxholt

Wer hätte gedacht, dass es dieses Jahr noch sommerliche Tage gibt? Inzwischen wird in den sozialen Netzwerken sogar über die Hitze gestöhnt und erörtert, wo es am besten während der Arbeitszeit auszuhalten ist: im Büro, in der Küche, auf einer Parkbank oder auf einer Wiese am See. Helge Bol hat die ‘Schneetage’ frisch herausgebracht, ein digitales Album mit Stücken für Piano solo. Können diese Abhilfe schaffen?

Die Musik von Bol ist nicht für den Moment komponiert und produziert worden. Aber wie Menschen so sind, der persönliche Nutzen lässt sich kaum ausblenden. Berücksichtigt man zudem, dass Musik auch nicht für die Ewigkeit geschaffen wurde und wird, geschaffen werden kann, weil das Wort Ewigkeit ein immer schon Da- oder Dortseiendes, wer weiß das schon, und ein unendlich Seiendes betrifft, oder auch nicht, wer könnte dies vorhersagen, bliebe nur ein sonderbares Pathos, für das die Menschheit gegenüber anderen Tiergattungen berüchtigt ist. Vielleicht handelt es sich sogar um das charakteristische Spezifikum der Menschheit, ein Pathos zu produzieren, das einer Ermächtigung gleichkommt, denn wer über die Ewigkeit verfügt oder mitverfügt, der darf schlicht alles, vorausgesetzt, er kann bzw. könnte es.

Bols ‘Schneetage’ kümmern sich herzlich wenig um jenes Pathos. Es bleibt sogar unklar, ob sie dem Jazz oder der zeitgenössischen klassischen Musik zuzurechnen sind. Die präsentierten Miniaturen erzählen multitonal Geschichten, ohne auf die althergebrachten Unterscheidungen Rücksicht zu nehmen. Als tonale Basen sind D-Dur und B-Dur verwandt worden, die dem traditionalen Quintenzirkel nach gar nicht zusammengehören und gemeinsam interessante Möglichkeiten eröffnen. Das erste und das letzte Stück, Schneefall und Schneeidyll im Hinterhof, sind chansonhaft gehalten. In den anderen ‘Songs’ wird stärker kontrapunktisch verfahren. Es gibt eine Schneefrau zu entdecken, einen Eissee, Kinder im Straßenschnee, sogar eine Schneelust, die manches rasantes Abenteuer assoziieren lässt.

Info:
xtranews Duisburg Magazin. Mehr Hintergrund, mehr Duisburg.

Zu komponieren und zu produzieren ist allerdings zweierlei. Es gab bereits auf dem Musikerportal Soundcloud die Stücke der ‘Schneetage’ als Demos  zu hören. Nun ist seit dem 24.07.2012 auf Bandcamp, einem Portal, das dem internetgestützten Vertieb dient, das Resultat einer eigens angefertigten Produktion umfänglich zu hören und zu erwerben. Eine spezielle Reaktion auf Facebook hat mich allerdings daran erinnert, dass die Rechner, mit denen sich Leute ins Internet einloggen, nicht immer die technischen Voraussetzungen erfüllen, um dort angebotene Musik auch genießen zu können. Eine passable Grafikkarte und ein halbwegs nutzbarer Bildschirm gehören ja fast schon zur Grundausstattung. Ein äquivalentes Niveau auch bei der Audiowiedergabe zu gewähleisten, hingegen weniger. Der Hörer, dem die Stücke übrigens sehr gefielen, konfrontierte mich mit dem Audioerlebnis, das sein alter Laptop verursachte. Generell lässt sich empfehlen, auch bei neueren Produkten, nicht auf die Standardausrüstung zu vertrauen. Ich betreibe an meinem Rechner z.B. ein separates USB-Audiointerface und nutze einen Studiokopfhörer.

Das Album werde ich nicht bewerten. Der Grund ist einfach: ‘Helge Bol’ ist ein Label von mir, nicht das einzige, aber eines, das sich auf meine musikalischen Arbeiten bezieht. Ich kann nur einladen, zu probieren, ob die Erfrischung bekommt.

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Beitrag von auf 26. Juli 2012. Abgelegt unter Allgemein, Duisburg, Kultur, Medien, Meinung, Musik, Netzwelt, Panorama, Regional, Ruhrgebiet. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Kommentare und Pings sind geschlossen.

2 Antworten auf Eine Erfrischung

  1. Hört sich ein wenig an wie ausformulierter, schweifender Hindemith.

    Du weißt schon, Reinhard:

    ‘Wir bauen eine Stadt’

    http://www.youtube.com/watch?v=erHWixoqVBo

    Insoweit – wirklich cool.

    Thomas
    26. Juli 2012 auf 12:41

    • Danke, Thomas, für Deinen Kommentar. Hindemith hätte meine Stücke allerdings kaum gut geheißen ;-) Er lehnte ein solches Verfahren mit beißenden Worten ab, schuf Skalen, die sich an ‘natürlichen’ Obertonreihen orientierten …

      Reinhard Matern
      26. Juli 2012 auf 13:08