Adieu Euro – Teil 1
Das war doch lustig, oder? Können Sie sich noch erinnern? Es ist – schon oder erst – einen Monat her. Angela Merkel gab – offenbar etwas launig – auf einer nicht-öffentlichen Sitzung der FDP-Bundestagsfraktion zum Besten, dass es keine Eurobonds geben werde. Jedenfalls nicht, „solange ich lebe“. Was war das für ein Spaß! Auch danach im Bundestag. Redner der Opposition gönnten der Kanzlerin Gesundheit und ein langes Leben, „aber…“ – DDR-Witz, Lachzwang! Weil Merkel doch ihre selbstgezogenen roten Linien stets gerissen hatte. Ja, da können Sie sich noch dran erinnern.
Hatte ich mir doch gedacht! Dann wissen Sie auch bestimmt noch, wer in derselben Bundestagsdebatte – wo wir gerade beim Tod sind – gesagt hatte, dass wenn Griechenland aus dem Euro aussteige, folge auch Portugal. „Und dann ist Europa tot.“ Na, wer war´s?! – Okay, ich sage es Ihnen. Es war der Vorsitzende der Linksfraktion, Gregor Gysi. Komisch, stimmt. Der wackelte nämlich direkt nach der Plenumssitzung nach Karlsruhe, um die Verfassungsbeschwerde seiner Fraktion gegen den Bundestagsbeschluss zum ESM und zum Fiskalpakt einzureichen. Doch, doch, der Gysi hat es gesagt. Ganz bestimmt.
Das können Sie hier nachlesen, in der Stuttgarter Zeitung. Die bringen da eine dpa-Analyse. Aufmerksame Leser kennen das ja schon, von Dienstag: weil das mit dem Euro so kompliziert ist, schreiben viele Zeitungen nicht selbst, sondern übernehmen die dpa-Analysen. Aber die Überschriften machen sie noch selbst. Die Stuttgarter Zeitung entschied sich für „Euro-Rettung – eine Frage von Leben und Tod?“ Tja, ein bisschen Spaß muss sein! So, und jetzt kommt die absolute Expertenfrage. Die müssen Sie nicht beantworten können; schließlich ist das ja hier kein Blog für Finanzprofis. Überhaupt: Finanzprofis…
Also, die Frage: wissen Sie noch, warum Angela Merkel Eurobonds ausgeschlossen hat, solange sie lebt? Hui, das ist schwer. Sie können ja ein wenig nachdenken. Ich lasse unterdessen die Vergangenheit Vergangenheit sein – einen Monat liegt das schon zurück! In Sachen Euro; eine Ewigkeit – und wende mich der Gegenwart zu. Da haben jetzt 17 führende Ökonomen gewarnt, die Schuldenkrise bedrohe Europa. Gut, werden Sie sagen, so schlau sind wir auch. Und 17 Ökonomen? Hatten bei uns nicht neulich mal mehr als 100 Ökonomen gewarnt? Ja, das stimmt schon; das waren aber keine führenden.
Info:
xtranews Duisburg Magazin. Mehr Hintergrund, mehr Duisburg.
Da auch einige – heutige wie ehemalige – der „fünf Weisen“ dabei sind, ist es kein allzu großes Wunder, dass „sich die Wirtschaftswissenschaftler als akute Krisenmaßnahme auf den vom deutschen Sachverständigenrat vorgeschlagenen Schuldentilgungsfonds“ einigten. Einer dieser „Weisen“, die jetzt auch bei dieser Studie mitgemacht haben, nein: nicht der Peter Bofinger, sondern der Lars Feld, sagte jetzt sogar: „Es braucht von deutscher Seite größere Anstrengungen, um die hohen Refinanzierungskosten für Länder wie Spanien und Italien zu senken.”
Es ist nicht verboten, so etwas zu sagen. Man darf es sogar in Deutschland tun – unter bestimmten Bedingungen. „Wer in Deutschland sich also pro Euro outet, sagt aber immer noch, dass er gegen die Vergemeinschaftung der Schulden ist“, schreibt Wolfgang Münchau in seiner FTD-Kolumne „Warum die Krise jetzt eskaliert“. Münchau ist wahrlich kein Sozialist im engeren Sinne. Er ist für eine „Marktwirtschaft ohne Adjektive“, wie etwa „sozial“, also für „Kapitalismus pur“. „Eine Entflechtung des Rheinischen Kapitalismus sei notwendig, die u.a. die Privatisierung des Bankensystems und die Abschaffung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb beinhalten müsse“, weiß Wikipedia über Münchau zu berichten.
„Deutschland verabschiedet sich langsam vom Euro“, lautet das Fazit seiner aktuellen Kolumne. „Die Haftungsgrenzen sind gesetzt, sind nicht ausreichend, werden aber auch nicht erhöht. Es bedarf keines mathematischen Genies, um sich auszurechnen, was das bedeutet.“ Nein, das kapiere selbst ich. Und, etwas schwieriger, aber auch das verstehe ich: „Regierung und Opposition sind sich in diesem Punkt weitgehend einig. Wer eine andere Euro-Politik will, wird sie von der SPD nicht bekommen“. Moment mal! Ich denke scharf nach. – Ich will mal so sagen: es kann nicht sein, dass wir…

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