Während des Aufenthalts

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Lovis Corinth Dame mit Weinglas 1908

Lovis Corinth Dame mit Weinglas 1908 (Photo credit: Wikipedia)

Mich mit Sitten, Ethik und Moral aufzuhalten, war nicht unwichtig, doch die kürzlich unternommene Fahrt reicht nicht aus, die geistige Kultur der Gelehrten jener Zeiten zu skizzieren, wie ich es mir vorgenommen hatte. Mir bleibt kaum anderes übrig, als noch etwas zu verweilen. In der Renaissance wird übrigens hervorragende Musik geschrieben, wie diese reizvolle Villanella zeigt, mit der eine volkstümlich Form einbezogen wird.

Das Lied gehört freilich nicht zur Kultur, sondern ist Kunst, wie auch zu reden eine Kunst ist. Cultura ingenii bezieht sich nur auf die menschliche Anlage, die es ermöglicht, etwas entstehen zu lassen,  ähnlich wie es Cicero mit cultura animi fasste, auch wenn erst die Erläuterung, der Vergleich mit einem zu bebauenden Acker, in etwa deutlich werden ließ, auf was Bezug genommen wurde.

Unsicher bin ich mir aber, ob die Konzepte mehr umfassen, als im Rahmen der Arbeit nahelag. Waren und sind musikalische Begabungen ebenso einbezogen? Ciceros Verweis auf die Philosophie, die zwar nicht wenig, u.a. Ethik als auch Rhetorik umfasst, bleibt dennoch sehr eingeschränkt, ebenso sind die Kontexte der Humanisten, in denen philologische, theologische und ethische Fragestellungen dominieren, arg begrenzt. Was ist davon zu halten? Ist Musik nicht ihr Fach, deshalb nicht erwähnenswert?

Ich sollte wohl beachten, dass es sich bei den Worten Kultur lediglich um Formulierungen handelt, die im Rahmen der Arbeit fielen, in Netzwerken verbreitet wurden, mehr nicht. Andere Gelehrte hätten sie oder ähnliche Worte auch in alternative Kontexte stellen können, z.B. in musikalische, wie auch immer. Meine Fragen bergen die Gefahr, die ganze Diskussion zu überfrachten. Besser ist es, die Villanella zu hören und viel Wein zu trinken.

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Der sinnlich musikalische Ausdruck gewinnt an Relevanz, besonders der von menschlichen Stimmen. Zahlreiche Formen entstehen, die dem menschlichen Leben zugewandt sind, darunter Villanesche und Madrigali. Und das Erstaunliche: Es wurden musikalische Figuren entworfen und gebildet, die auf die Rhetorik verweisen, freilich melodisch und harmonisch ausgerichtet sind. Im Zentrum fluktuiert der menschliche Atem, sowohl in Ausdruck als auch Rhythmus, der Scherze und innige Liebesbekundungen äußert …

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Die essayistische Notiz “Während des Aufenthalts” steht im Kontext eines Projektes über Kultur. Der erste Text der Reihe lautet: Der Award, der vorgängige: Spritzfahrt in die Renaissance, der nächste: In was für Gespräche.
Zwei weitere Texte sind bereits veröffentlicht aber noch nicht eingereiht: Musik ist eine Hure und Das Ende einer Ära.

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Beitrag von auf 4. Juli 2012. Abgelegt unter Allgemein, Kultur, Medien, Meinung, Musik, Panorama. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Kommentare und Pings sind geschlossen.