Das Duisburger Hallen Schauspiel

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Rheinhausen-Halle - Foto: Stadt Duisburg

Nach dem vorliegenden Sparkonzept soll jetzt die Rheinhausen Halle geschlossen werden, nach TAM und der Rhein-Ruhr Halle. Gleichzeitig wird in Hamborn doch noch die Vierfach Halle gebaut, allerdings abgespeckt speziell für den Sport, die Clauberg Halle soll dafür weitere Funktionen übernehmen. Auch hier stellt sich die Frage nach einem Gesamtkonzept, wie könnte das aussehen? Um auf die Ideen zu kommen muss man ein wenig in der Zeit zurückgehen: In den 1990er Jahren war die Duisburger Mercatorhallen Gesellschaft für den Betrieb der Rhein Ruhr Halle, die Mercatorhalle sowie die Rheinhausen Halle zuständig. Der Gesamtzuschuss für alle Hallen betrug etwa 5 Mio. DM, also ca. 2,5 Mio. Euro. Betriebswirtschaftlich war die Rhein Ruhr Halle am besten, weil sie logistisch optimiert war und etwa den Fernsehanstalten erlaubte, mit ihren Trucks direkt in die Halle zu fahren. Auf- und Abbau gingen sehr flüssig, die Halle war auch nicht zu gross und verkehrstechnisch optimal angebunden. Die Mercatorhalle bot neben Konzerten auch die Möglichkeit, kleine Messen zu veranstalten und war logistisch auch darauf ausgerichtet, Veranstaltungen mit Catering zu bedienen. Es baute sich aber ein Investitionsstau auf, u.a. wäre eine Klimaanlage notwendig gewesen. Die Rheinhausen Halle lief immer mit, der Zuschussbedarf war im Vergleich eher gering. die Halle war aber nicht mehr modern, es gab permanente Probleme bei der Suche nach Pächtern für die Gastronomie.

Eine Sanierung der Mercatorhalle und Rhein Ruhr Halle wurde verworfen und dafür die neue Mercatorhalle gebaut und der Plan einer Vierfach Halle in Hamborn aufgelegt. Die Proteste der Bevölkerung  gegen den Abriss der Mercatorhalle, vor allem die Ansprüche an die “Klangqualität” der neuen Halle, führte zu einer einseitigen Ausrichtung und so hat man heute quasi eine Philharmonie. Die logistischen Abläufe der Halle sind wegen der Lage im Gebäube schlecht, alles geht über Aufzüge, da kann das Essen schnell kalt werden.  Kleine Messen, so wie früher, können nicht mehr veranstaltet werden. Diese eingeschränkte Nutzung bei erheblicher Kostensteigerung mit einem Zuschussbedarf von 5 Mio. Euro, also das Doppelte des Gesamtzuschusses aller drei Hallen in den 90er Jahren (Siehe derwesten.de “Duisburg klagt wegen Mercatorhallen-Nebenkosten gegen City-Palais Besitzer” vom 17.4.2011) verschlingt mehr oder weniger den gesamten Etat der Stadt Duisburg. Das ist auch der Grund, weshalb die Rheinhausen Halle nicht mehr gehalten werden kann.

Die Vierfach Halle in Hamborn sollte ursprünglich auch auf den Bedarf der Fernsehanstalten ausgerichtet werden. Das wurde in der Zwischenzeit aufgegeben, so dass der Standortvorteil der alten Rhein Ruhr Halle nicht kompensiert wurde. Das TAM könnte Defizite der Mercatorhalle durchaus ausgleichen, wenn es denn ein schlüssiges Betreiberkonzept gäbe. Auch dem TAM wird die Kostenexplosion der Mercatorhalle mit zum Verhängnis, die wie ein schwarzes Loch alles verschlingt. Das TAM hat aber einen Vorteil: Über die GEBAG ist es im städtischen Besitz.

Die erste Frage wäre also, ob der Kostenzuschuss der Mercatorhalle gesenkt werden könnte und ob im Zusammenhang mit einem Betrieb des TAM eine Ergebnisverbesserung möglich wäre, insbesondere weil das TAM unverkäuflich ist, die Fixkosten fallen so oder so an. Da die Vierfach Halle in Hamborn den Bedarf der Fernsehanstalten nicht deckt wäre die Frage, ob das TAM, zumindest teilweise, eine solche Funktion übernehmen könnte. Bisher nicht bedacht wurde der in Asien erkennbare Trend zur Veranstaltung von Game Conventions und dem Bau sogar von Stadien für diesen Zweck. Die Basis für solche Veranstaltungen ist auch in Deutschland mehr als vorhanden, der Bedarf wird aber nicht gedeckt. Dafür wäre die Vierfach Halle als Neubau eventuell geeignet, man könnte auch über den Landschaftspark Nord nachdenken, vielleicht wäre das auch in der Rheinhausen Halle oder TAM zu realisieren.

Ob solche Einsparungen einen Weiterbetrieb der Rheinhausen Halle ermöglichen wäre zu prüfen. Eine weitere Option wäre der Betrieb durch die ortsansässigen Vereine mit einer geeigneten Rechtsform und Leitungsstruktur. Es gibt Beispiele in Duisburg, etwa der Betrieb des Strandbad Wolfssee durch einen Verein. Zwar sind die Baulichkeiten dort nicht so gross, der Betrieb eines Strandbades mit den entsprechenden Abläufen und Sicherheitsanforderungen ist nicht zu unterschätzen. Entscheidend sind aber die Kostenrechnungen der Rheinhausen Halle und die sind nicht bekannt. Bei einer effektiven Bürgerbeteiligung hätte diese Frage im Zusammenarbeit mit den ansässigen und interessierten Vereinen durchaus geklärt werden können. Möglichweise könnte ein solches Modell die Halle “retten”, es bleibt aber die Frage nach der realistischen Höhe einer Renovierung, die die Halle auf den neuesten Stand bringt. Diese wäre kaum von den Vereinen zu realsieren.

Info:
xtranews Duisburg Magazin. Mehr Hintergrund, mehr Duisburg.

Man muss bei aller Euphorie für einen Eigenbetrieb auch deutlich sehen, dass die Vereine nicht ihre Existenz durch einen Hallenbetrieb aufs Spiel setzen können. Sollte sich herausstellen, dass weder der Betrieb noch die Renovierung nachhaltig sinnvoll sind, so sollte man dann auch konsequent sein und zumindest das TAM für die Vereine öffnen, auch wenn es von Rheinhausen aus gesehen auf der anderen Rheinseite liegt.

Bei diesen ganzen Überlegungen erkennt man die Mängel in der administrativen Struktur der Stadt und ihrer Unternehmen. Es ist ein Nachteil, dass die Hallenbetriebe nicht mehr in einer Hand liegen, so wie noch zu Zeiten der Duisburger Mercatorhallen Gesellschaft. Eine Gesamtplanung der Hallenszene ist auf diese Weise kaum möglich, jeder verfolgt seine eigenen Interessen ohne wirkliche Koordination. Bürgerbeteiligung, die zumindest im Fall der Rheinhausen Halle im Vorfeld möglich und sinnvoll gewesen wäre, findet ebenfalls nicht statt und so steht man jetzt unter erheblichem Zeitdruck. Mögliche Alternativen werden praktisch unmöglich gemacht.

Wieder einmal ein Beleg für den in meinem Wahlprogramm genannten Punkt der dringend notwendigen Veränderung administrativer Strukturen. Die hier aufgeworfenen Fragen sollten unter den gegebenen Umständen koordiniert geklärt werden, eine andere Möglichkeit ist derzeit nicht zu erkennen. Wie das Thema Game Convention zeigt, gibt es auch noch Möglichkeiten, an die niemand bisher gedacht hat. Kreativität ist in Duisburg mehr denn je gefragt.

 

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Beitrag von auf 28. Mai 2012. Abgelegt unter Duisburg, Headline, Kultur, Meinung, OB-Wahl Duisburg, Politik. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Kommentare und Pings sind geschlossen.