Was bleibt? Gedanken zum Jahreswechsel in Zeiten der modernen Kommunikation
Immer wenn sich ein Jahr dem Ende zuneigt, denkt der Mensch über selbiges nach. Habe ich alle meine Ziele, meine Träume und Vorsätze, erreicht oder umgesetzt? Wenigstens ansatzweise? Habe ich die Fehler des Vorjahres im nun ablaufenden Jahr abstellen können? Waren meine guten Vorsätze für das neue Jahr Lippenbekenntnisse oder kann ich stolz mir gegenüber vermelden, sie umgesetzt zu haben?
In den letzten Tagen eines Jahres schwanken viele Menschen zwischen froher, zuversichtlicher und auch depressiver Stimmung. Die Gedanken gehen in das nun kommende Jahr, und oft verbunden mit dem Wunsch, dass es ein besseres, gesünderes und erfolgreicheres wird, als jenes Jahr, dessen Tage nun gezählt sind.
Nimmt man sich mal ein paar Minuten und sinniert über die vergangenen fast 12 Monate, fallen einem jeden von uns erfreuliche Erlebnisse, vielfältige Geschichten und manchmal auch düstere Momente ein, die das Leben in diesem Jahr ausgemacht hatten. Rückblickend aber bleiben die schönen Momente, die Stunden oder Tage, an denen wir glücklich und zufrieden waren. Die grauen Tage wollen vergessen werden, sollen mit Beginn eines neuen Jahres verblassen.
Jeder Mensch zieht seine persönliche Bilanz. Und am Ende sollte die Haben-Seite überwiegen. Im privaten, im persönlichen und auch familiären Bereich ist dies oft die Quintessenz aus einem Jahr. Die Fehler, die wir im Laufe von 365 Tagen gemacht haben, sollten bestenfalls erkannt und bereinigt werden. Im Umgang mit anderen Menschen, auch und gerade den nahestehenden, neigt der Mensch immer wieder dazu, ungerecht und leichtfertig zu sein und sich und sein eigenes Empfinden in den Zenit seiner Gefühlswelt zu stellen. Darüber in einem Moment der ganz persönlichen, intimen und geistigen Abrechnung nachzudenken, kann helfen, kann bereinigen und kann auch schlichten. Zumindest aber bringt es Klärung.
Was habe ich im vergangenen Jahr übere andere Menschen gesagt, geschrieben und gedacht? Wie oft habe ich meinen Unmut auf sozialen Netzwerken, wie der Freundschaftsfabrik Facebook, gegenüber andersdenkenden Menschen zum Ausdruck gebracht? Und dabei vergessen, dass am anderen Ende meiner Internetverbindung ein Mensch mit den gleichen Emotionen saß, wie ich sie fühle? Was habe ich unter dem Deckmantel der „freien Meinung“ publiziert, in Kurzkommentaren geäussert oder in Dialog-Chats von mir gegeben? Und wie oft habe ich das ganz persönliche Gespräch zwischen zwei Menschen dabei vermissen lassen. Das Gespräch, die immer noch einzig gültige Basis der menschlichen Kommunikation. Der Dialog zwischen zwei Menschen, den soziale Netzwerke nicht ersetzen können.
Die Fehler, die ich an anderen Menschen feststellte und anprangerte, sei es im privaten, im geschäftlichen oder politischen, als auch im sozialen Miteinander, haben sie noch Bestand, wenn ich heute über diese nachdenke? Waren es oft nicht Belanglosigkeiten, temporäre Dissonanzen, herbeigeführte Sprachlosigkeit aufgrund meines Unwillens zum Zuhören und Verstehen des Anderen? Haben wir nicht einfach schlichtweg unser menschliches Vermögen verloren, zu Zeiten in denen das Schreiben von Briefen verlernt wurde, über unsere Gedanken und Gefühle nachzudenken? Ist es nicht so, dass zu Zeiten der modernen weltweit möglichen Kommunikation dies auf der Strecke blieb?
Manchmal eignet sich ein Jahreswechsel auch dazu, über Sinn und Unsinn der heutigen Zeit nachzudenken. Nicht alles, was modern, -was in-, ist, was uns das Leben scheinbar erleichtert, was uns teilhaben lässt am turboschnellen Gedankenaustausch, ist auch immer förderlich im menschlichen Miteinander. Das persönliche Wort zwischen Mensch zu Mensch, der Augenkontakt zu meinem Gegenüber, die hörbare Stimme und ihre Modulation ersetzen keinen Chat und kein Posting, wie es neudeutsch heisst.
Am Ende eines Jahres ist wichtig, was bleibt und was ich ändern kann. Es ist manchmal gar nicht so kompliziert. Wichtig ist nur, dass mich meine persönliche Jahresbilanz zufrieden stellt und das ich sie verantworten kann. Dann darf das neue Jahr getrost kommen. In diesem Sinne: allen ein glückliches und zufriedenes neues Jahr!
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Du sprichst mir aus der Seele
mozie
28. Dezember 2011 auf 17:02
Ketzerisch könnte ich jetzt hier den “Gefällt mir Button” drücken.
Gefällt mir wirklich, der Artikel! Soziale Netzwerke wie Facebook verleiten gerade zu Reaktion und Gegenreaktion, die im normalen sozialen Miteinander oft unausgesprochen blieben. “Und das wäre gut so”…
Dies sollte man wirklich von Zeit zu Zeit reflektieren und entsprechend für sich einordnen.
Jürgen Hagemann
28. Dezember 2011 auf 17:16
klasse artikel! dankeeee!!!!
kerstin
28. Dezember 2011 auf 17:26
Toll geschrieben und hoffentlich lesen das die Facebooktrolle oder die langsam dazu mutieren. Vielleicht erkennen sie das man am Ende eines Tages ein Resümee seiner Taten gedanklich durchgehen sollte und diese am nächsten Tag berichtigen kann. Aber dazu gehört Einsicht und die Selbsterkenntnis über das eigene Handeln. Kann man leider nicht von jeden erwarten und wünschen, dass es nächstes Jahr besser wird!
Oder vielleicht Morgen schon!
Ich bin froh mit Dir so sehr befreundet zu sein! Sabine
Sabine Schlossmacher
28. Dezember 2011 auf 18:16