RTL ist einer der Gründe, warum ich keinen Fernseher mehr besitze. Weder die aktuellen “Sendungsformate” der Privaten, noch die Werbung können mich wirklich begeistern. Selbst das Betrachten von Spielfilmen ist eine Qual für mich. Also keinen Fernseher, dafür großen Monitor und DVD.
Andere scheinen noch Fernseh zu schauen und für die Fernsehsender gibt es dabei eine besonders wichtige Altersgruppe. Nämlich die, die die Werber am liebsten mit ihren Nachrichten bombardieren. Und genau diese Zielgruppe hat RTL nun effektiv gegen sich aufgebracht:
Derzeit spielt RTL Katz- und Maus und versucht das problematische Video auf Plattformen wie Youtube löschen zu lassen. Derzeit ist es hier noch zu sehen:
Jetzt könnte man auf die Idee kommen, dass MUSS Satire sein. Satire ist nur leider nicht die Spezialität des Formats “Explosiv”, in dessen Rahmen der Beitrag ausgestrahlt wurde. Und auch der verächtliche Kommentar eines der Redakteure auf Facebook spricht eher dagegen:
“Ich glaube, die ganzen Daddel-Freaks bei der Gamescom sind direkt aus Wacken hierher gereist.
Die sehen so aus. Und riechen so.”
Dazu dann noch eine Prise Lageeinschätzung:
“Ich persönlich glaube, Gamescom-Besucher und Computerspieler sind ein humorloser Menschenschlag.”
Und fertig ist das Bild vom tumben Gamer, zur besten Sendezeit.
Möglicherweise hat RTL damit aber eine zu große und auch zu aktive Gruppe gegen sich aufgebracht. Inzwischen scheinen mehrere Tausend(!) Beschwerden über die Sendung ergangen sein:
Der Unmut der Gamer-Szene über den durchaus einseitigen Beitrag ist offensichtlich: Bis Donnerstagvormittag sind bei der zentralen Stelle der Medienanstalten, der Seite Programmbeschwerde.de, über 7000 Beschwerden gegen den Beitrag eingegangen; das ergibt eine Anfrage von W&V Online.
Direkte finanzielle Auswirkungen wird das für RTL zunächst nicht haben. Es ist aber anzunehmen, dass sich der Protest weiter vergrößern wird und das RTL in Zukunft ein erhebliches Reputationsproblem bei Netz-Themen hat. Und hier plötzlich die oft verlachten Öffentlich-Rechtlichen wieder Boden gewinnen.
Inzwischen gibt es Netz-typische Reaktionen auf das RTL-Video, wie z. B. von Giga.de:
Und es bleibt abzuwarten, ob RTL sich gezwungen sehen wird, öffentlich zurück zu rudern.
Tatsache ist: Hier wurde durch völliges Unverständnis über den eigenen Kunden ein Shitstorm ausgelöst, der RTL gnadenlos überrascht haben dürfte. Und die Versuche durch Löschen der Videos auf den üblichen Plattformen Schadensbegrenzung zu üben spricht nicht für ein gutes Krisen-Kommunikations-Management. Und der Redakteur der oben zitiert wurde macht auch nicht den Eindruck einer steilen Lernkurve.
In sofern könnte die ganze Nummer noch an Fahrt gewinnen. Und spannend werden: wird eine Peergroup aus dem Netz einen großen deutschen Sender beeinflussen können?
Mehrere Hundert Mails heute haben mir deutlich gezeigt, dass ich die Wirkung meines Beitrags zur Gamescom ganz falsch eingeschätzt habe. Der sollte lustig werden. Das ist mir gründlich misslungen. Ich wollte niemanden beleidigen oder verletzen. Dass das jetzt dennoch geschehen ist, tut mir sehr leid. Die anschließende Diskussion auf meiner privaten Facebook-Seite über den Beitrag und die Reaktionen darauf war hitzig. Meine Äußerungen dort waren unüberlegt. Auch dafür möchte ich mich entschuldigen.
Es darf bezweifelt werden, dass so eine “Entschuldigung angesichts des öffentlichen Drucks” ausreicht, das Problem zu lösen… die bisherigen Kommentare sprechen eine deutliche Sprache.
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Beitrag von Stefan Meiners
auf 25. August 2011. Abgelegt unter Meinung, Netzwelt.
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Eine Antwort auf Wie RTL seine beste Zielgruppe verärgert…
Nun, wenn die auch nur ausschließlich RTL-Gucker interviewen die schauen halt so aus, auch wenn sie Spiele spielen, kann man nix machen.
Nun, wenn die auch nur ausschließlich RTL-Gucker interviewen
die schauen halt so aus, auch wenn sie Spiele spielen, kann man nix machen.
Den GIGA-Betrag hat RTL schon weggeklagt.
jo
27. August 2011 auf 10:37