Loveparade-Gutachten: Die vertraulichen Anhänge zum Download

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Leider ist uns heute 17.8. per einstweiligen Verfügung des Landgerichtes Köln untersagt worden, die Dokumente zu veröffentlichen. Antragsteller ist die Stadt Duisburg vertreten durch Adolf Sauerland. Man beruft sich auf § 97 UrhG

Duisburg – Heute Vormittag wurde der Redaktion von xtranews eine CD mit den vertraulichen Anhängen des Loveparade-Gutachtens der Kanzelei HEUKING KÜHN LÜER WOJTEK zugespielt. Insgesamt beinhaltet die CD 43 Anhänge im PDF-Format. Wir werden nach Prüfung der einzelnen Anlagen diese hier sukzessiv veröffentlichen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Duisburger Ratsmitglieder diese Anhänge nicht zu Gesicht bekommen haben.

Für den Anfang werden wir die beiden Anlagen, die schon von Spiegel-Online zitiert worden sind, sowie der Prüfauftrag an Schreckenberger veröffentlichen.

-Anlage 13-schreckenberg.pdf
-Anlage 24-bauaufsicht.pdf
-Anlage 31-haerting.pdf
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13 thoughts on “Loveparade-Gutachten: Die vertraulichen Anhänge zum Download

  1. Danke xtranews für die Veröffentlichung der Anhänge!

    Der erkaufte Zwischenbericht von Jasper und Berstermann kommt zu dem Schluss:
    Nach dem derzeitigen Stand der Prüfung liegen uns keine Erkenntnisse dafür vor, dass Mitarbeiter der Stadt Duisburg ihre gesetzlichen Pflichten verletzt hätten und auf diese Weise zum Unglück beigetragen oder es gar verursacht hätten.

    Sicherheit ist nicht nur eine Frage von Vorschriften und Geld, sondern das jeder Beteiligte aktiv sich für Sicherheit einsetzt und bei jeder Entscheidung Sicherheit niemals wirtchaftlichen oder andern Interessen unterordnet. In Duisburg ist sehr viel missachtet und verletzt worden – vorsätztlich!

    Bereits in den ersten Tagen habe ich eine Verstoss gesehen, der für Fachleute bzw Menschen mit gesundem Menschenverstand klar gewesen sei sollte:
    Die Auflage 4 der Nuztungsänderung des Güterbahnhofes war zu __keiner__ Zeit erfüllt war.

    Die Stadt Duisburg hat sich mit diesem Gefälligkeitsgutachten keinen gefallen getan.

    62-34-WL-2010-0026 14.06.2010 Seite 4

    Für alle Einzäunungen der Veranstaltungsflächen, die Wellenbrecher sowie Umwehrungen an Absturz- bzw. Stolperkanten sind statische Nachweise zu führen
    Diese Nachweise müssen von einem staatlich anerkannten Sachverständigen für die Prüfung der Standsicherheit geprüft werden. Die Bescheinigung über diese Prüfung ist vor der Erteilung der Genehmigung vorzulegen

    → Kein Wort von der Seitentreppe

    62-34-WL-2010-0026 21.07.2010
    http://static.rp-online.de/layout/fotos/HBAOLPBF.pdf
    Auflagen
    4. Die Zaunanlage, welche das Veranstaltungsgelände umfasst, ist so auszuführen, dass sie einer AnprallLast von mind. 2kN/m standhält.

    Dies ist keine Anforderung, die durch einen normalen Bauzaun erfüllt werden kann.

    Belastungsbeispiel – ein Bauzaunelement als Balkon (Standfläche):
    Dies würde jeder vom Bau, aber auch Baugeräte oder Zaunverleiher sofort Antworten. Ein Bauzaunelement ist 3,50m breit – wenn man diesen waagerecht wie einen Balkon in eine Wand einspannt, dann entsprächen 2kN/m: 3,50m x 2 kN/m = 7kN/m was einer vertikalen Belastung durch einem Gewicht von 700kg entspricht. Die DIN 1055-100 fordert noch einen Sicherheitsfaktor von 1,5 – d.h. Das Bauzaunelement muesste eine Belastung von 1050 kg aushalten, dies entspricht einem PKW oder 15 Personen a 75 kg.
    Bauzäune sind aber nicht fest im Boden eingespannt, sondern stecken ledeglich in Sokelfüssen, die so leicht sind, dass eine einzelne Person sie bequem tragen kann.

    62 fordert zurecht einen statischen Nachweis von einem staatlich anerkannten Sachverständigen.

    Die DIN 1055-3 gibt als Bemessungslast ebenfalls 2kN/m für Horizontale Nutzlasten qk infolge von Personen auf Brüstungen,Geländer und anderen Konstruktionen, die als Absperrung dienen Zeile3 (Wegen Kategorie T3) Einleitung in 1m Höhe) vor. Kategorie T3 ist für öffentliche Gebäude mit Flächen für größeren Menschenmassen – z.B. Eingänge, Treppen, Terassen von Museen, Rathäusern…
    Die Landes- und Bundespolizei sollte bei so einem Einsatz Beamte mit besodnerer Schulung im Einsatz haben. Scheinbar setzen die Innenminister nur noch auf Hubschrauber, Videoüberwachung, Nacktscanner, Biometrie….:(((

    Somit hätte jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand, bei den wackelingen Bauzäunen argumentieren können, das diese nicht der normal üblichen Sicherheit im öffentlichen Raum entsprechen – d.h. Einen Polizisten auffordern können, an dem Bauzaun zu wackeln und fragen, wie er handeln würde, wenn ein Geländer am Rathaus oder im Bahnhof so wackeln würde.
    Eigendlich müssten Beamte geschult sein Gefahr für Leib und Leben zu erkennen und auch mit niedrigem Dienstrang Verantwortlich handeln und notwendige Massnahmen unverzüglich einleiten:
    Absicherung auf Kosten des Veranstalters – wenn dies nicht nötig, unterbrechung der Veranstaltung oder gar Abbruch. Bei Ruhestörung werden doch auch Veranstaltungen beendet.

    62 schreibt von Wellenbrechern – für so eine Veranstaltung ist sicherlich die DIN EN 13200-3 maßgeblich:
    Die DIN EN 13200-3:2005(D) Tabelle A1, Spalte H gibt bei „im rechten Winkel zur Zuschauerbewegung verlaufende Absperrungen für Gänge in Stehplatzbereichen“ eine Bemessunglast von 5,0 bis 2,0 KN/m vor. Die Tabelle A2: bei Horizontalem Abstand zwischen den Wellenbrechern von 5m und Neigung der Rampe von 5° eine Empfohlende horizontale Nutzlast von 5KN/m vor.
    Da die Empfohlende Bemessungslast mit zunehmenden Wellenbrecherabstand und Neigung steigt – der Untergrund der Rampe zudem gepflastert wäre man als Planer mit einer Nutzlast von 5KN/m auf der sicheren Seite – es scheint daher nicht emfehlenswert auf den Freiraum dieser Norm nach 13200-3 – 4.2 gibt:
    Wenn Werte für die geringsten und empfohlenden Belastungsgrade angegeben sind, ist die Übernahme dieser Werte durch eine dokumentierte Risikobewertung zu untermaueren […] auch zu nutzen.

    Die 5kN/m pro Zaunelement entsprächen bei dem Bauzaun als Balkonbeispiel
    5kN/m x 3,50 m = 17,5 kN bzw 1750 kg. Mit einem Sicherheitsfaktor 1,5 sogar
    2625 kg.

    Es gab auf der Rampe Zaunelemente z.B. vor dieser schmalen Diensttreppe, die senkrecht zur Bewegungsrichtung der Menschen standen.
    D.h. Für solche Fällen waren die Vorgaben von 62 mit 2 kN/m um Faktor 2,5 zu klein.
    Dennoch hätte ein Einhalten der Vorgabe mit 2kN/m ein Umkippen oder Knicken der Absperrung möglicherweise verhindert.

    Was absolut fehlte waren Rettungsmöglichkeiten, Fluchtwege aus dem Gedränge – Zäune von 2m Höhe sind ein unverantwortbare Hürde für Sanitäter bzw dem Abtransport von Menschen die Hilfe benötigen.

    Mit der Auflage 4 62-34-WL-2010-0026 vom 21.07.2010 ist aber anders als die DIN 1055-3 keine einfache veränderliche Horizontale Last vorgegeben worden, sondern eine Anprall Last. Dieser Lastfall gilt für den statischen Nachweis als dynamisch, als überwiegend nicht ruhende Belastung. Somit müsste der Hersteller der Schweissverbindungen der Zaunelemente nach DIN 18800-7 Herstellerqualifikation E – Großer Eigungsnachweis mit Erweiterung auf dynamischen Bereich besitzen, für Verbindungen Rohrknoten (Rundrohr an Rundrohr) für Schweißer/Bediener die Zusatzprüfung nach DIN 18808 gefordert.

    Die Rohre der Bauzäune sind aber nicht ordendlich verschweißt, sondern an 2 bis 4 Punkten an einander gebraten. Die Schweißnähte erfüllen noch nichteinmal die einfachten Anforderungen der DIN 18800-1 – z.B. Form, Qualität oder auch Länge von mindestens 30 mm.

    Ich bezweifle, das es einen staatlich anerkannten Sachverständigen gab, der durch statische Berechnung und Prüfung der Aufbauten vor Ort, bescheinigt hat, das die Auflage 4 der Zaunanlage (und sonstige darüber hinaus geltende statische Anforderungen) erfüllt worden sind.
    62 musste wissen, das ein einfacher Bauzaun diese Auflage nicht erfüllt.

    Auch die Mitarbeiter, die die Bauaufsicht am Vorabend mit der Bauabnahme beauftragte müssten diese Fachkenntnis besitzten.

    AktNr: 425/41271-10/mdt01_3/at Heuking Kühn Lüer Wojtek 03.08.2010 S.29
    „Die Mitarbeiter der Bauaufsicht nahmen führten in mehreren Ortsterminen die Bauabnahme durch, zuletzt am 23.07.2010 bis nach 23 Uhr.“

    D.h. Um 23Uhr gab es noch keine vollständige Bauabnahme, die dem Veranstalter die Nutzung des Geländes erlaubt.
    Um Jahr 2000 herum gab es beim Genehmigungsverfahren eine Änderung, die Verantwortung z.B. zur statischen Prüfung von der Behörde zu einem staatlich anerkannten Sachverständigen verlagert. Mehrere Termine bis kurz vor der Veranstaltung bis sehr spät in die Nacht dürfte nicht üblich sein und auch nicht zu einem ordenlichen, sauber geprüfter Genehmigung beitragen.

    Meiner Ansicht nach wurde die Auflage 4 zur Nutzungsänderung wurde offensichtlich nicht erfüllt, sondern mißachtet, nicht geprüft, oder gar falsch geprüft!
    Welche Konsequenzen hat das? Meine Vermutungen u.a.:
    Ohne Erfüllung der Auflage 4 hätte zu keiner Zeit (vom OB bzw Stadt Duisburg) eine Veranstaltungsgenehmigung erteilt werden dürfen. (OB /Stadt Verantwortlich)

    Eine Veranstaltungsgenehmigung entbindet den Veranstalter wohl nicht Pflicht der ständigen Erfüllung der Auflage 4. (Ständige Verantwortlichkeit des Veranstalters).
    Trotz Veranstaltungsgenehmigung hätte er zu keiner Zeit die Veranstaltung beginnen dürfen.

    Ich halte es sogar für möglich, das in Absprache die Nichterfüllung von Auflagen/Vorschriften begangen wurden, dies wären kriminelle Taten!

    Hoffentlich werden nicht nur (kleine) Bauernopfer gefunden.

    Text nach besten gewissen erstellt – bitte prüfen und weiterrecherchieren
    Text zur freien verwendung

    • Eberhard Bitz 11. August 2010 at 19:19 -

      Könnten Sie mir unter meiner ZDFmail-Adresse mir eine Kontaktaufnahmemöglichkeit mit ihnen nennen – oder per Telef.
      ZDF Mainz (nach E. Bitz, redaktion heute-journal fragen)
      mit mir Kontakt aufnehmen?
      Danke Eberhard Bitz
      redakteur u. Reporter ZDF heute-journal-redaktion

    • Liebe Leser, geschätes xtranews-Team,

      bitte nehmt Euch bei Meldungen immer Zeit für die W-Fragen
      Wer, was, wann, warum, wie
      und vor allem verneint sie:
      was nicht….

      Die Kanzlei hat ein sehr gefälliges Gutachten erstellt und mit meinem
      Text über Bauzäune wollte ich aufzeigen, das die Stadt Dusiburg nicht
      Fehlerfrei ist.

      Wer hat die Kanzlei engagiert?
      Für wen arbeitet sie?
      Und was hat die Kanzlei als Anlagen ausgwählt?

      Wenn sie z.B. die oberen der Stadt retten soll, so sind
      die Dokumente sicherlich so gewählt, das der Mist an
      unteren Beamten hängen bleibt.
      Die oberen waren sicherlich im Vorfeld einem Risiko für
      die Besucher und um ihre Position bewust und haben
      andere reden und schreiben lassen.
      Warum hat man sich in München getroffen um über Sicherheit
      zu reden? Vieles dürfte nur mündliche Absprache gewesen sein,
      ohne Aufzeichnung – quasi konspirativ.
      D.h. die oberen dürften sowieso schon wenige Dokumente belasten,
      von diesen hat die Staatsanwaltschaft eventuelle durch langsame
      Fahndung nicht alle bekommen – geschweige die Kanzlei.
      Und die Kanzlei sucht 35 Dokumente als geheimen Anhang aus,
      kann also damit wunderbar der Politik aber auch den Medien eine
      Spur vorgeben.
      Ja so dreist vorzugeben, Duisburg hätte ohne Fehler gehandelt provoziert
      doch nur, das man in den Anhängen nach Gegenteiligem sucht.
      Ich würde mich nicht wundern, wenn z.B. mein Komentar dafür genutzt
      wird, die Verantwortung auf die Untere Ebene abzuschieben.

      Leider habe ich nicht die Zeit mehr/besser zu formulieren und weite Teile
      zum Bauzaun waren von mir in der 1. Woche nach der LP niedergeschrieben.

      Also die 35 „geheimen“ Anhänge sind mit vorsicht zu sichten/lesen.

      Gruss
      b

  2. Die Ausführungen von „b“ lassen auf eine enorme Sachkunde schließen und sind außerordentlich spannend (selbst wenn die technischen Details meinen Horizont überschreiten).

    Nur stellt sich die Frage, ob die Genehmigungsverantwortlichen für etwas verurteilt werden können, dass (vermutlich) nicht in einem Kausalzusammenhang mit dem Unglück stand.

    Nehmen wir an, jemand fährt Auto, ohne einen Führerschein zu besitzen, verhält sich aber absolut korrekt im Straßenverkehr.
    Ein anderer nimmt ihm die Vorfahrt und verursacht einen Unfall.
    Der Unfall wäre nicht passiert, wenn der Führerscheinlose daheim geblieben wäre.
    Aber kann man ihn moralisch oder strafrechtlich verurteilen, obwohl es doch keinerlei Kausalzusammenhang zwischen der ihm fehlenden Fahrerlaubnis und dem Unfall gibt?

    Aus meiner Sicht wird sich die Schuldanalyse mehr auf die einwegige Zu- und Abgangssituation konzentrieren. Ein Problem ist vielleicht, dass die Vorschriften zwar genaueste Vorgabe für Bauzaunstatiken, Feuerschutzpläne (die bei einer Freiluftveranstaltung relativ sinnlos sind) usw. enthalten, aber (wahrscheinlich) in keiner Vorschrift steht: „Du sollst nicht 6-stellige Besucherzahlen durch einen einzigen Zu- und Abgang laufen lassen.“
    Und vermutlich deshalb, weil das nirgends geschrieben steht, hat sich das Bauamt (zunächst) auf das konzentriert, was exakt geregelt ist.
    So gesehen könnte man sagen, dass nicht die Nichtbeachtung von (exakten) Vorschriften das Problem war, sondern gerade umgekehrt die Fokussierung auf diese (selbst wenn man letztlich doch auf die Erfüllung vieler Vorgaben verzichtet hat), an Stelle einer Analyse der Besucherführung schlicht mit gesundem Menschenverstand.

    Auch wenn vermutlich in keiner Vorschrift diese fatale Besucherführung ausdrücklich verboten wird, hätte sie aber zweifellos aufgrund allgemeiner Vorschriften und Selbstverständlichkeiten des Verwaltungshandelns analysiert werden müssen. Das haben die Behörden offenbar unterlassen.

    Was mich an der medialen Diskussion etwas wundert ist der Umstand, dass man anscheinend keine Rechtsprofessoren (Baurecht, Verwaltungsrecht, Kommunalrecht, Haftungsrecht …?) befragt hat (oder keine auftreiben konnte die sich äußern wollten?), ob und ggf. aufgrund welcher (geschriebenen oder ungeschriebenen) Normen die Verwaltung die gegenstromige Besucherführung (bzw. die Veranstaltung insgesamt, wenn keine Änderung möglich war) hätte untersagen müssen.

    Zur Baubesichtigung am Vortag um 23.00 noch eine Anmerkung: Die Genehmigung sieht eine unverstellte Rampe vor; tatsächlich standen mindestens die Sperrdreiecke, vermutlich aber auch schon die seitlichen Absperrungen durch Bauzäune, auf der Rampe. Insoweit dürfte auf jeden Fall ein eindeutig identifizierbarer und juristisch greifbarer Fehler der Verantwortlichen (allerdings, wenn sie ihre Beobachtungen nicht weitergegeben haben, wohl nur auf einer niedrigen Hierarchieebene) vorliegen.
    (Die Frage ist dann natürlich wieder, welchen Kausalzusammenhang zwischen diesen Sperren und dem Unglück man unterstellen darf.)

    • Hallo Canabbaia,

      einer der ersten Augenzeugenberichte die ich gelesen hatte
      berichtete, das die Treppe mit Bauzaeunen abgesichert war,
      diese durch den Druck der Menschenmasse knickten, Menschen
      einklemten und andere darueber stolperten.

      Der Autovergleich ist falsch. Angenommen ein Veranstalter
      hat einen Reisebus/Flugzeug mit vielen Sicherheitsmaengel –
      z.B. defekte Bremsen und faehrt zum TÜV.
      Dieser erstellt eine Mängelliste mit einer Frist.
      Statt 2 Wochen läst sich diese Person 5 Wochen Zeit und erscheint
      3 Tage vor einer Reisedienstleistung mit dem maroden Bus,
      andem keine weitere Auflage des TÜVs erfüllt wurde, sondern
      15 Videokameras eingebaut wurden. Der Veranstalter
      verfuegt ueber super politischen Filz und diese TüV Stelle wird
      so unter Druck gesetzt, das irgendjemand doch für diesen
      Bus ein Prüfsiegel herausrückt.
      Der Busunternehmer transportiert 40 Menschen – der Bus
      verunglückt an einer kurvigen, abschuessigen Stelle der
      geplanten Route und 21 Menschen kommen ums Leben.

      Wissen Sie was der Unterschied zwischen LP und diesem
      Busbeispiel ist? Bei kriminellen Busunternehmen sitzt der
      Unternehmer vielleicht selbst am Lenkrad und kommt bei
      solchen Vorfällen mit um – bzw sein Fahrer könnte sagen
      mit mir nicht – ich weiß zu viel – das ist mir zu gefährlich,
      fahr selber!
      Bei der LP saßen Veranstalter, Vize-Polizeidirektor, Innenminister
      im Norden im VIP-Bereich mit Extraeingang und Catering.

      So mal auf die schnelle als eine Auto-Analogie-Alternative.

      Meine viellecht zu Technik/Norm-lastigen Kommentare werden hoffentlich
      aufgegriffen, umgeschrieben für die Allgemeinheit. Der Weg über die DIN18800
      und die Anforderungen an einen Herstellerbetrieb bei überwiegend nicht
      Ruhender Belastung „Genehmigungsverfahren, Auflage 4 – Anprall Last“
      war notwenig um einfach aus der Ferne sagen zu können, egal was die
      Bauzäune aushalten, oder wie sie durch Dreiecke verbunden – Abgestützt
      oder im Boden verankert ist – die Schweißverbindung die man durch
      Medienfotos sehen konnten entsprechen in keinster Weise diesen erhöhten
      Anfordern – Rundrohr-an-Rundrohr – ja nochnichteinmal normalen Schweiss-
      naht-lägen/form.
      Das ist deutlich konreter als „das weiss man doch, Bauzaeune sind nicht
      dafuer geeingent“. Und es ist fuer Journalisten nachrecherchierbar.
      Moegen sie Schweissfachbetriebe fragen.

      Nochmal die Konsequenz:
      Meine Ansicht sind die Auflagen (z.B. Auflage 4) der Nutzungsänderung
      des Geländes *nie* erfüllt gewesen – die Stadt Duisburg hätte die
      Nutzungsänderung *nie* genehmigen dürfen.
      Dadurch hätte die Stadt Duisbug *nie* die Veranstaltung auf diesem Gelände
      genehmigen dürfen. Die Erteilten Genehmigungen sind *kein* Freibrief
      für den Veranstalter, alles eingehalten zu haben, für nichts Verantwortlich zu sein.
      1. Muss er die Auflagen ständig erfüllen/sicherstellen
      2. Ist das Genehmigungsverfahren seit ca. dem Jahr 2000 verschlankt,
      d.h. das Bauamt ist nicht mehr Prüfer, sondern arbeitet wie das
      Straßenverkehrsamt – der Antragsteller muss eine Prüfung von einem
      staatlich anerkannten Sachverständigen vorlegen.
      Dies ist nicht einfach ein junger Hochschulabsolvent, der sich selbständig
      gemacht hat, sondern jemand mit langjähriger Berufserfahrung muß eine
      extra staatliche Prüfung ablegen.
      (Soweit mein Kenntnisstand bei der Genehmigung – Freue mich über Verbesserungen/
      Korrekturen)

      Die Befürchtung, das es genügend Vorschriften für die Flucht, aber zu wenige
      für den Hinweg gibt kann ich verstehen.
      Die im Plan (Anlage 1) sofort erkennbaren Mängel der Fluchtwegbreite – rechnerische zusammenfassung von mehren Fluchtoeffnungen in einem schmalen Schlauch sind
      fuer die Genehmigung (und anderes) sehrwohl relevant.
      Wer einen Antrag __so__ stellt – dokumentiert im Geist der DIN 4112 für fliegende Bauten (zurückgezogen) das er nicht über die Erfahrung und Qualifikation für eine solche
      Veranstaltung besitzt. Neben 62 hätten Ordnungsamt, Dez II (Rabe) und andere
      Stellen EINSCHEITEN müssen!

      Ich kann mich am Mo erkundigen, welche Vorgaben es fuer Zugaenge gibt.

      Aber dafuer ist nicht alleine die Bauaufsicht zustaendig:
      Vor 1-2 Jahren gab es vor/in einem Wal-Markt in den USA einen niedergetrampelten
      Kunden zu Thanks-Giving weil Wal-Markt billige TVs angeboten hatte. Andere Beispiele
      finden sich in der Wikipedia – das selbst Kinder sich totgetrampelt hatten, weil bei
      einer Veranstaltung Geschenke verteilt wurden – im letzten Beispiel waren wohl
      genügend Zu und Fluchtwege vorhanden.

      Die DIN 13200-3 A2 gibt als Anmekrung an“Nach den Eurocodes (EN 1991-1-1) wird
      eine Zuschauermenge von mehr als 3 Personen/qm als Überfüllung betrachtet.“

      D.h. der Veranstalter/Verantwortliche ist troz aller Baulichen Massnahmen gehalten
      eine Verdichtugn von mehr als 3 Personen/qm zu verhindern und bei einer Überschreitung dieses Wertes wirksame Gegenmassnahmen zu ergreifen.

      Dazu gehört auch der mit Gesunden Menschenverstand zu erwartende Fall,
      das mehr Menschen zur Gratisverantstaltung kommen als für
      das das Veranstaltungsgelände genehmigt ist.

      Kein Keller-Club-Besitzer mit gesundem Menschenverstand käme auf die
      Idee den Einlas nach einem 20m lange Flur und einer 10m tief gehenden
      Treppe am Ende dieser Treppe durch eine Zugangsabsperrung zu beenden –
      er wird den Einlass an der Gebäudetür regeln und zusehen, das die Treppe
      begehbar bleibt. Abgesehen davon, das er den Betrieb, den Zulass mit
      Behörden wie z.B. Bauamt/Ordnungsamt/Gewerbeamt absprechen
      und genaue Auflagen erfüllen muß.

      Aber sehr wahrscheinlich macht die DIN 13200 Vorgaben zum Einlass.

      Hilft aber auch nicht viel extra weiter – wenn die Behörden/Polizei/Bundespolizei bestehende Verordnungen zu Absperrungen(Keine Bauzäune), statischen Nachweise,
      Fluchtwege, Löschwasserversorgung troz schriftlicher Auflagen und zweifachen (?) schriftlichen Nachmahnen ignoriert haben – die Stadt hätte bei der Loveparde
      auch Vorschriften zum Einlass genauso ignoriert.

      Ist es wirklich verwunderlich, das kein Baurechtexperte in den Medien den Mund
      auf macht? Gehören Städte, Land, Bund nicht zu seinen Kunden?

      Für die wohl stehengebliebenen Absperrungen auf der Rampe spielt eine
      Einschätzung von Bauzäunen wohl Rolle:
      -Gab es für sie einen statischen Nachweis
      -Von welcher Bemessungslast ging dieser Nachweis aus
      Meiner Erfahrung nach sind Bauzäune bei Menschengedränge gefährlich und
      keine zulässige oder übliche Absperreinrichtung. Also ist nicht irgendetwas
      dort „vergessen“ worden – nicht irgendetwas schränkte den Einlass ein.

      So niedrig kann die Hirachieebene nicht sein – z.B. die Einsatzleiter der Polizei/Bundespolizei dürften den eingereichten Übersichtsplan des Veranstalters (Anlage 1) (bzw eigene Pläne) kennen und wenn sie nicht selber über die Rampe eine Ortsbegehung gemacht haben, doch Videobilder von der Rampe gesehen haben.

      Es gab mal einen Badsee, wo ein Mensch nahe am Ufer um hilfe schrie und ertrank.
      200 Menschen schauten zu, einer nahm sogar seine Videokamera und filmte.
      Keine half oder bemühte sich irgendwie Hilfe zu hohlen.
      Dank dieser Videoaufnahmen konnte gegen viele wegen unterlassener Hilfeleistung
      ermittelt werden. Der See lag in Deutschland – der Vorfall ist wohl 20 Jahre her.
      Quelle und Juristischen Ausgang kann ich leider nicht nennen. Vielleicht ein Leser
      hier auf xn?

      Gruss
      b.

  3. Lieber b.,

    so sehr ich die Präzision Ihrer technischen Detailkenntnisse und Ihre technische Leidenschaft bewundere: in der Konstruktion von Analogien zum Zwecke der Schuldklärung ist durchaus noch ein wenig mehr Präzision sowohl möglich als auch nötig.

    Sie stricken sich Ihren Bus-Vergleich allzu sehr auf den Zweck einer Verurteilung der Stadtverwaltung ganz allgemein zurecht.
    Ich will ihn ein wenig verändern und präzisieren, dass der Bus mit Null Profil auf den Reifen über winterliche Alpenpässe fährt.
    Landet er dabei im Abgrund, hätte der Herr den Fahrer schon mit der Höchststrafe belegt; die irdische Gerichtsbarkeit müsste für evtl. weitere Verantwortliche der Profil-Losigkeit nur noch das Strafmaß festsetzen.

    Ganz anders sähe es, Profil hin und her, aber bei folgender Variante aus:
    Bus brettert mit profillosen Reifen über winterliche Autobahn. Hält am Rasthaus; Fahrer und Reisegruppe speisen zu Abend.
    Auf dem Parkplatz verspeist derweil ein Marder das Elektrokabel zu den Rücklichtern und den Bremslichtern. [Weiß nicht, ob das in der Realität überhaupt passieren könnte, aber vorliegend wollen wir es mal unterstellen.]

    Reisegruppe kommt gesättigt zurück (Marder verdrückt sich unbemerkt); Bus fährt weiter über die Autobahn. Irgendwann bremst der Bus, weil vor ihm ein Unfall passiert ist. Der hinter ihm fahrende LKW hat wegen der defekten Rücklichter des Busses den Abstand überschätzt und bemerkt wegen der defekten Bremslichter das Bremsmanöver nicht schnell genug; fährt auf; Lkw-Fahrer tot oder verletzt, Verletzte auch unter den Businsassen.

    DIESER Unfall hätte absolut gar nichts mit den verbotenen Nullprofilreifen zu tun. (Es sei denn, man macht Zusatzannahmen:
    – LKW könnte auf anderer Strecke Bus wg. fehlender Haftreibung in Abgrund gedrückt haben;
    – Auf der Autobahn dagegen könnte der Unfall gerade wegen des fehlenden Reifenprofils sogar glimpflicher abgelaufen sein, weil der Aufprall dadurch abgemildert wurde, dass der Bus – wiederum wegen der fehlenden Haftreibung – eine Strecke nach vorn getrieben wurde, wo noch freier Platz war.

    Sie sehen (hoffe ich): Für das mörderische Wirken des Marders können die Profilverantwortlichen nun wirklich nichts.

    Im Übrigen, wenn ich mir Ihre Ausführungen anschaue (bzw. auch die Nachforderungen in dem Brief der Baubehörde vom 14.06.10 an den Veranstalter): Das ist eine solche Vorschriftenfülle dass ich mir gut vorstellen kann, dass es überhaupt keine Großveranstaltungen mehr gäbe, wenn die Beamten wirklich alles auf Punkt und Komma einfordern würden.

    Zu tadeln wäre es nicht, wenn sie bei den Notausgängen ‚ein Auge zugedrückt‘ haben (was Ihre Schilderung sehr plausibel macht). Würde die Justiz die ‚NotAUSGANGsverantwortlichen‘ bestrafen, weil ein Unglück am EINgang – und zugleich REGULÄREN AUSgang – geschehen ist, dann würde sie auf ihrem Gebiet noch weitaus schlampiger arbeiten, als es jene Behörden im technischen Bereich getan haben, die Sie hier kritisieren.
    (Ganz allgemein ist Ihre Kritik natürlich nicht illegitim; es geht aber definitiv zu weit, Sackgassen bei den Notausgängen mit dem Unglück an der Eingangsrampe strafrechtlich einfach in einen Topf zu werfen!)

    Ihr Badesee-Beispiel ruft mir in Erinnerung, dass es hier in der Gegend, in Gelnhausen, vor einigen Jahren bei einem Fest einen Unfall (ich glaube, auf dem Obermarkt) gab. Dort gab es einige Tote und Verletzte, weil das Gerät eines Fahrgeschäfts (Schiffsschaukel, Scooter? – weiß nicht mehr genau) nicht gesichert war.
    Auch bei diesem Unfall stellte sich die Frage, ob (der TÜV?) Fehler bei der Abnahme gemacht hatte und/oder die Frage nach der Genehmigungsverantwortung.
    Wäre ganz interessant, wenn die Medien diesen Fall mal ausgraben könnten; auf der Genehmigungsebene könnten sich da bis zu einem gewissen Grade Parallelen ergeben.

    Abschließend noch Dank für Ihre Bereitschaft, die Frage nach Vorschriften für den regulären Zugang (und Abgang) der Besucher zu klären.
    Ich fürchte, so ganz präzise Texte wird man da nicht finden, denn derartige Sachverhalte sind schwerer zu fassen als die Höhe von Stolperkanten oder die Körnung von Füllgranulat.

    Ich möchte in diesem Zusammenhang aber auf das Dokument „Loveparade 2010 in Duisburg. Sachstand 29.10.2009“ aufmerksam machen (http://fallback2.xtranews.de/wp-content/uploads/2010/08/Anlage-6pdf).
    Seinerzeit hatten die Besprechungsteilnehmer die Tunnelproblematik klar erkannt, wie aus folgendem Eintrag ersichtlich wird:
    „Rückmeldungen. Zu-und Abgang
    Ist ein Zu- und Abweg zur Veranstaltungsfläche, der auch noch in einem Tunnel liegt, (Karl-Lehr-Str.) ausreichend, besteht die Gefahr, dass der Tunnel ggf. mit Wasser vollläuft?“
    Die Rampe und das Problem einer GLEICHZEITIGEN gegenläufigen (regulären) Besucherführung sind hier zwar nicht ausdrücklich erwähnt; es wird aber deutlich, dass die Verantwortlichen hier durchaus eine Problemzone identifiziert hatten; daher auch der Zusatz:
    „Evtl. Gutachten erstellen lassen“.

    Leider kann ich nicht erkennen, an welchem Datum das Dokument über die Bildung von Arbeitsgruppen (http://fallback2.xtranews.de/wp-content/uploads/2010/08/Anlage-8-Arbeitsgruppen.pdf ) abgefasst wurde (wohl im Sept. oder Okt. 2009?).
    Interessant (bezeichnend? erschreckend?) ist jedenfalls, dass bei der Arbeitsgruppe Sicherheit diese Problematik in keiner Weise erwähnt wird (die dort aufgeführten, allenfalls nahe kommenden Punkte „Betreuung der An- und Abreisenden“ und „Sicherheit auf dem Gelände“ erfassen die Zu- Abgangssituation in keiner Weise!).