Was kosten 21 Tote?
Derzeit bin ich von der Presse in Deutschland reichlich irritiert. Exemplarisch für zahlreiche Medien greife ich mal den aktuellsten Beitrag von Welt Online heraus:
Unter der Überschrift “Darum kann OB Adolf Sauerland nicht zurücktreten” ist dort zu lesen, dass ein Rücktritt nicht nur das politische Aus bedeuten würde, auch finanziell habe Adolf Sauerland (CDU) erheblich Einbußen zu befürchten.
Der Wegfall der Pensionsansprüche sei im Beamtenversorgungsgesetz für den Fall einer Entlassung auf eigenen Wunsch klar geregelt, erläuterte Cloesges. „Wenn ich hingehe und das Handtuch werfe, gelte ich als entlassen aus dem öffentlichen Dienst.“
In diesem Fall würde der Staat zwar seinen Arbeitgeberanteil an der Rente nachzahlen, jedoch alle weiteren Altersbezüge streichen, sagte der Experte.
„Wenn jedoch der Rat der Stadt Sauerland abwählen sollte, bekommt er eine Pension“, erläuterte Cloesges. „Dies wären nach neuesten Zahlen mindestens 35 Prozent von 10 709,29 Euro, der Besoldungsgruppe B 10 des Oberbürgermeisters.“
Ich lerne, dass es für Adolf Sauerland günstiger wäre sich abwählen zu lassen. Und bin erschreckt und zu tiefst betroffen. Steht doch dort nichts anderes, als das es aus finanziellen Gründen keinen Rücktritt geben würde. Sondern Adolf Sauerland sitzen bleibt, bis man ihn abwählt – damit er “mindestens 35% von 10.709,29 Euro” bekommt. Zuzüglich dem Geld, dass er dank seiner hervorragenden Vernetzung aus der sogenannten Freien Wirtschaft bezieht.
Und diskutiert die Presse hier ernsthaft, welche Alternative zu einem Rücktritt wirtschaftlich vorteilhafter wäre?
Klartext:
Die Übernahme der politischen Verantwortung für 21 Tote wird an 3748,25 Euro festgemacht? Also dem Geld, dass er beziehen würde, wenn er abgewählt wird, statt das er jetzt schnell und konsequent zurück tritt?
Ich hoffe sehr, ich habe hier einen schweren Denkfehler und kann von meinen Lesern korrigiert werden. Falls nicht, offenbart sich hier eine zweite, noch viel größere Tragödie: Dann wurden 21 Leben möglicherweise nicht nur aus Profitgier geopfert, sondern die gleiche Gier nach Geld verhindert auch den dringend notwendigen Neuanfang in Duisburg?
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Lieber Herr Meiners,
ER kann gar nicht zurücktreten, da er seit der Reform nicht nur Bürgermeister ist, sondern gleichzeitig Oberstadtdirektor, d.h. Beamter.
Leider ist es so: seine eigene Haut, sprich sein Gehalt und seine Alterssicherung sind ihm wohl näher als die getöten und verletzten Menschen.
Geht aus dem Kommentar schön hervor.
http://www.rp-online.de/niederrheinnord/duisburg/nachrichten/Krisenstab-Janssen-uebernimmt-Leitung_aid_887926.html
Zurücktreten kann er – dass es als formaler Akt die Bitte um Entlassung aus dem Beamtenverhältnis ist, halte ich für “Haarspalterei”
[...] die poltische Verantwortung für die Tragödie während der Loveparade in Duisburg übernommen hat. Stellvertretend für diese Meldungen xtranews: «Ich lerne, dass es für Adolf Sauerland günstiger wäre sich abwählen zu lassen. Und bin [...]