HowSociable: Ein Social-Web-Zombie

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Image via CrunchBase

Alle Wege in Brighton führen zum Meer – und man kann das auch gar nicht verfehlen, denn in Brighton führen alle Straßen vom Hauptbahnhof in eine Richtung: Nach unten. Genauer: Bergab. Der Ort ist eine Stunde von London mit dem Zug entfernt und hat außer der Tatsache dass er am Meer liegt und eine quirlige Musikszene besitzt bisher eigentlich kaum Schlagzeilen gemacht. Das änderte sich auch nicht mit Inuda Innovations.

“Web coaching, development and support services for everyone,” hatte sich die Firma aus Brighton auf die Fahnen geschrieben und die Referenzen auf der Webseite geben unter anderem Oxfam, die University of Sussex sowie das British National Formaly an. Warum die seit 2006 existierende Firma einen leicht rosanern Touch auf der Webseite darbietet bleibt wohl ihr Geheimnis. Ebenso warum bei ihren Angeboten zwar der Preis und eventuell noch der Slogan sich ändert, aber alle drei Angebote “Engineering”, “Signals” und “Navigation” etwa “Sell more”, “Spend less” oder “Sleep soundly” versprechen. Zudem: Der letzte Blogeintrag im Firmenblog stammt aus dem März 2009. Und wenn man genauer hinschaut ist die Webseite auch nicht allzufrisch: Copyright 2006 bis 2008 ist auf der Homepage unten klein vermerkt.

“Es ist tot, Jim”

Nun sind nicht aktualisierte Homepages – vor allem solche, die ein Jahr nicht gewartet werden – eigentlich ein klarer Fall fürs Webnirwana. Irgendwann wird derjenige, der die Kosten bisher noch getragen hat den Stecker ziehen und die Webseite der sich so symphatisch gebenden kleinen Firma aus Brighton aus dem Netz stellen – wobei: Archive.org vergißt so schnell auch nichts. Laut den Daten von Crunchbase.com, deren Glaubwürdigkeit allerdings in Zweifel zu ziehen ist, da ähnlich wie bei der Wikipedia dort Dateneinträge veränderbar sind, hatte die Firma zuletzt offenbar 6 Mitarbeiter. Und da Jonathan Markwell offenbar eine neue Firma gegründet hat – jedenfalls laut Crunchbase – kann man von der Inuda Innovations Company, die sich entweder mangels Zeit oder mangels Masse nur auf kleinere Projekte spezialisierte, wohl mit Fug und Recht in der Vergangenheitsform reden.

Das alles wäre an sich überhaupt nicht interessant, wenn ein Dienst der Firma nicht treu und brav bis heute seinen Dienst tun würde. Denn Inuda Engineering stecken – oder besser geschrieben: steckten -hinter “HowSociable?” Innerhalb einer Woche programmiert, am 03. Mai 2008 gestartet, möchte dieser Dienst das abbilden, was im Social Web wichtig ist: Die Aufmerksamkeit. Noch genauer: Die Aufmerksamkeit, die der eigenen Marke im Social Web zugestanden wird bzw. diese im Social Web erregt.

Zahlen, Zahlen, Zahlen

Die Bedienung von HowSociable ist recht einfach: Einfach den Namen der Marke in das Feld eingeben, Knopf drücken und schon rattern diverse Felder wie Anzeigentafeln auf den Flughäfen Nummern herunter. Am Ende hat man dann eine Zahl als Ergebnis und weiß nun ganz genau wie gut die eigene Marke im Web 2.0 vertreten ist. Das wäre die Theorie.
Wonach berechnet sich diese Zahl aber eigentlich? Inuda blieb da sehr mysteriös. Es ist die Rede davon, dass man einen Score aus einer bekannten Marke gebildet habe - welche Marke das genau ist haben die Macher allerdings nie offenbart. Coca-Cola kann es nicht sein, denn diese Marke taucht nur als Beispiel im Posting auf. Andererseits wird behauptet man messe “50.000 Marken mit 32 Parametern” – siehe Startseite. Man bleibt konfusiert zurück.

Es sei, so die Macher, ein sehr experimentelles Feature und man würde in Zukunft sich noch einige Dinge überlegen und überhaupt, wenn man Vorschläge hätte, dann doch bitte gerne an die Firma weiterleiten. Kommentar eines Blogbenutzer: “Metrics ain’t metrics unless you’re measuring it against something..” In etwa also “Werte sind keine Werte wenn man sich nicht mit etwas vergleichen kann.”

Wie relevant sind die Werte?

Dass ein Social-Web-Dienst nicht mehr gewartet wird hält einen ja bekanntermaßen nicht unbedingt davon ab ihn nicht zu benutzen. Die Frage wie sinnig ein Dienst ist, der offenbar seit 2008 nicht weiter verbessert wurde muss sich jeder selber stellen. Spaßeshalber kann man sich aber mal die Ergebnisse anschauen – nehmen wir mal als Beispiel mal die Duisburger Philharmoniker. Die müssten ja eigentlich recht gut vertreten sein, denn im letzten Jahr gaben sie die Initialzündung für Duisburg 2.0. Was kommt also heraus wenn man den Begriff “Duisburger Philharmoniker” eingibt?

Ein Wert von 55. So weit, so gut. Und wer sich jetzt fragt warum nicht nach “Philharmoniker” – was naheliegender wäre, denn so heißt der Account bei Twitter – gesucht wurde, dem sei verraten dass “Philharmoniker” natürlich ein sehr breiter Begriff ist. Offenbar fallen darunter laut der Yahoo Bildersuche auch Holzbohlen…

Geht man jetzt die einzelnen Parameter durch schlägt sich “HowSociable” recht gut. Warum Yahoo und Google allerdings inbegriffen sind – die Google Blogsearch hätte ja wohl gereicht fürs Web 2.0 – ist ein Rätsel. Ansonsten sind aber alle Werte durchaus akzeptabel. Wie sinnvoll aber es ist Facebook anzuzeigen wenn man zur Ansicht der Werte ein Konto bei dem Dienst braucht ist die Frage.

Was bedeuten Zahl?

Soweit, so Zahl. Das Problem ist jetzt natürlich, dass man keinen Anhaltspunkt hat mit was die einzelnen Werte – Marke? Marken? – verglichen werden. Dass es sich nicht lohnt einen Dienst zu benutzen, der seit 2008 nicht mehr aktualisiert wurde leuchtet ein. Allenfalls wäre hier ein Vergleich vor und nach einer Social-Media-Kampagne gegeben – doch auch hier fehlt der Bezugspunkt. Dass 110 besser ist als 55 ist unbestritten. Heißt das aber auch, dass man im Social Web jetzt doppelte Aufmerksamkeit innerhalb einer Zeitspanne erfahren hat? Wenn ja, warum und wieso? Eine Steigerung des Branchen-Namens bei Google ist ja gut und schön, aber erreicht man damit auch die relevante Zielgruppe? Das sind Fragen, die leider offen bleiben.

Offen bleibt dann auch die Frage, warum es den Service überhaupt noch gibt. Man kann hier nur mutmaßen: Vielleicht ist es das Lieblingskind des aktuellen CEOs von Smidgn? Wird Inuda doch noch mal als Firma reaktiviert? Fragen, die allenfalls der Wind beantworten kann, der zügig über die Fußspuren der Touristen am Strand von Brighton weht…

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Beitrag von auf 5. Januar 2010. Abgelegt unter Netzwelt, Spließ. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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