Meinung: Von der Datenselbstbestimmtheit
Neulich habe ich mal wieder etwas gemacht, was eigentlich jeder ab und an tun sollte: Ich habe meinen Namen gegoogelt, yahoot, metagert – kurz, ich habe nachgesehen was im Netz über mich zu finden ist. Nicht weil ich eitel wäre, nein. Der Grund dafür: Monitoring oder anders ausgedrückt – man möchte ja doch schon wissen was die Leute über einen reden.
Jetzt habe ich nichts gefunden wofür ich mich hätte schämen müssen, meine Aktivitäten im Internet sind bis auf ein, zwei Ausrutscher – ich war jung, ich brauchte den Zorn – durchaus im Rahmen. Jedenfalls soweit ich das beurteilen konnte, denn die beste Suchmaschine versagt dort, wo es geschützte Inhalte sind oder wo einfach nur ein Bild ohne Beschreibung eingestellt wurde. Insofern könnten von mir auch durchaus – was wohl nicht der Fall sein wird – obskure, dumme Bilder im StudiVZ oder auf anderen Seiten zu finden sein. Angesichts der zahlreichen Datenlücken in der Vergangenheit bei den VZs könnte es durchaus auch sein, dass die Bilder aus dem geschützten Bereich ins Netz geschwappt sind.
Ein potentiell interessierter Personaler könnte also beim Recherchieren über mich Dinge finden, die gar nicht gewollt sind. Und von denen ich auch nicht weiß, dass sie existieren – denn das Internet ist groß und weit. Natürlich könnte man jetzt ein leyenhaftes Verhalten an den Tag legen und Stoppschilder vor die persönlichen Webseiten stellen. Man könnte sich aber auch fragen ob eine Firma, die privat und Beruf nicht auseinanderhalten kann und ihre Entscheidungen aufgrund persönlicher Informationen trifft, die im Netz zu finden sind, trifft auch Wert ist dass man dort seine Kraft und sein Engagement hineinsteckt. Ich denke: Nein.
Natürlich ist es legitim ein wenig mehr über den Kandidaten erfahren zu wollen als das, was im Vorstellungsgespräch vonstatten geht. Dafür nutzt man dann gerne das Internet und den seltsamen Widerspruch zwischen der Forderung nach der Verhinderung des Überwachungs-Staates und der sorglosen Weitergabe von persönlichen Daten. Ein Widerspruch, der nicht existiert. Denn hier stehen sich zwei widerstrebende Dinge im Weg. Wenn der Staat Daten von mir sammelt – und sie gegebenenfalls aggregiert und Profile zusammenstellt um sie meistbringend zu verschleudern – dann ist das ein Eingriff in meine Persönlichkeitsrechte und ein Vorgehen, gegen das ich im Grunde nichts unternehmen kann. Ich weiß nicht, welche Daten vom Staat wo gespeichert sind. Kurz: Ich bin machtlos.
Das bin ich aber nicht, wenn ich meine Daten selbst ins Internet stelle. Wenn ich genügend Medienkompetenz erworben habe – etwas, was Lehrer an den Schulen oder zumindest die Eltern vermitteln sollten, was in der Praxis aber generell wohl kaum der Fall ist – weiß ich auch genau, was ich einstellen kann und was nicht. Selbst beim Ausfüllen der Daten für den Bibliotheksausweis braucht man seine persönliche Telefonnummer ja nicht draufzuschreiben. Ebensowenig wie bei Behörden. Sicherlich wird, wenn man an einem Dienst wie Facebook, StudiVZ oder anderen Web 2.0-Angeboten teilnehmen möchte, es einige Felder geben, die zwingend ausgefüllt werden müssen. In dem Fall: Einfach mal lügen.
So findet man also über mich Daten im Internet, die ich dort bewußt hineingestellt habe und Daten, die von anderen eingestellt wurden. Letzteres kann man nicht verhindern, manchmal kann man auch nicht mal mehr erfahren dass etwas über einen irgendwo steht. Doch das böse Wort vom “nicht rechtsfreien Raum” des Internets griffe ja in einem solchen Fall. Anstatt Abmahnungen zu empfangen gibt es auch die Möglichkeit, wenn man sich vorher nicht höflich und nett einigen konnte, das vorausgesetzt, welche zu verschicken.
Im Endeffekt gilt aber dann doch: Man kann heutzutage nicht verhindern, dass Dritte peinliche Bilder von einem in ein Social Network stellen. Doch man kann immerhin selbst bestimmen, wie das Selbstbild von einem in Internet aussehen kann.
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